Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 4 › Seite 56
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Februar 1913, Seite 56
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
56 S er „Tutheransts
Emigranten⸗ und Seemannsmission in Philadelphia.
Emigrantenmission.
Es ist billig und recht, daß dieser Missionsbericht mit Lob
und Dank gegen Gott beginne, denn er hat zu diesem Werke den
erflehten Beistand allezeit gnädiglich verliehen, es mit seinem
Segen begleitet, so daß es einen gedeihlichen Fortgang gehabt
hat. Diese Mission besteht ja erst seit zweiundeinhalb Jahren
in dieser Hafenstadt, und doch hat sie während dieses kurzen
Zeitraums schon einer ganz stattlichen Schar einwandernder
Glaubensgenossen an der Pforte des Landes als Wegweiserin
zur rechtgläubigen Kirche in allen Teilen des Landes, ja bis
hinauf in den hohen Norden Canadas dienen dürfen. Mit
dem unausgesetzt steigenden überseeischen Schiffsverkehr in die⸗
sem Hafen hat die Arbeit stetig zugenommen, wie aus den
nachstehenden statistischen Angaben ersichtlich ist. Vom Tage
der Gründung, am 20. März 1910, bis zum Jahresschluß 1910
landeten 533 Lutheraner, deren Ankunft 197 Pastoren und
Gemeinden am Bestimmungsort gemeldet wurde. Im Jahre
1911 kamen 1740 Glaubensgenossen hier an, und 411 Pastoren
wurden auf sie aufmerksam gemacht. Im verwichenen Jahre
landeten unter 61,000 Einwanderern 3270 Lutheraner, deren
Namen und Adressen 726 Pastoren gemeldet wurden. Das
Totalergebnis aller gelandeten Lutheraner ist 5543, das der
benachrichtigten Pastoren 1334. Die überwältigende Mehrzahl
dieser Einwanderer kam als Missionsmaterial unsern Gemein⸗
den im Westen zugute. Nur ein verschwindend kleiner Bruch⸗
teil blieb im Osten. Den Vorteil der Emigrantenmission ge⸗
nießt die Innere Mission im Westen.
Was ist nun wohl der Erfolg für die Gemeinden gewesen,
an welche Einwanderer kirchlich adressiert wurden? Was die
große Masse anlangt, so entzieht sich das auch nur annähernder
Berechnung. Die Menge zerstreut sich bald nach der Landung
in alle Winde und zieht ins Land hinein. Zwar ist es mein
ernstliches Bemühen gewesen, allen Einwanderern, soweit Zeit
und Umstände es gestatten, Gottes Wort nahezubringen, ihnen
alle Gelegenheit zum Anschluß an die Kirche des reinen Wortes
in der neuen Heimat zu bieten; ich habe ihnen auch teils zur
Erbauung auf der langen Inlandreise, teils damit sie mit dem
weitverzweigten Werk der Synode bekannt würden, unsere kirch⸗
lichen Zeitschriften mitgegeben, auch mit vielen längere seel⸗
sorgerliche Unterredungen gehalten, sie vor den Sekten gewarnt
und ihnen den Namen unsers Pastors am Ort ihrer Nieder—
lassung im Kalender angemerkt; aber von vielen hört man nie
wieder etwas. Das an ihnen verrichtete Missionswerk war eine
Arbeit auf Hoffnung. Der Erfolg ist allein dem Herzenskündi⸗
ger bekannt. Eins aber ist erreicht worden: Gottes Wort
wurde ihnen nahegebracht. Die Kirche des reinen Wortes hat
ihnen gleich beim Betreten dieses Landes die Gelegenheit ge⸗
boten, in ihrer Mitte zu bleiben. Es ist aber auch nicht jeder,
der sich zur lutherischen Kirche bekennt, wirklich und von Herzen
ein Lutheraner. Fragt man einen Einwanderer, zu welcher
Kirche er gehöre, und er antwortet: „Ich bin lutherisch“, so
muß man mit dem Bekenntnis des Mundes vorliebnehmen. Es
geschieht auch wohl zuweilen, daß Andersgläubige sich als Luthe—
raner ausgeben, nur um sich in einer Notlage von dem Missio—
nar mit Rat und Tat bedienen zu lassen. Jedoch es ist auch,
Gott Lob, kein Mangel an den augenscheinlichsten Beweisen für
den gesegneten Erfolg der geistlichen Tätigkeit unter den Ein—
+
wanderern. Gar manche kinderreiche Familie oder einzelne
Personen, Jünglinge und Jungfrauen, sind durch die Weisung
des Unterzeichneten in unsere Gemeinden gekommen, halten sich
fleißig zu Wort und Sakrament und wandeln den schmalen Weg
zum ewigen Leben. Die besonders im letzten Jahr eingegange—
nen Briefe von Amtsbrüdern beweisen das in erfreulicher Weise.
Dafür nur einige Belege. Aus dem Nordwesten schreibt ein
Pastor: „Ich habe die beiden Emigranten sofort aufgesucht,
und gestern waren sie im Gottesdienst.“ Aus Missouri: „Die
mir zugewiesenen Einwanderer waren schon zwei Sonntage in
der Kirche.“ Aus Wisconsin: „Die beiden jungen Männer
halten sich zur Gemeinde. Besten Dank!“ Aus demselben
Staat: „Die Faniilie hat sich gleich der Gemeinde angeschlossen.
Der Mann ist schon zum Kirchendiener avanciert.“ „Letzten
Sonntag habe ich die Deutschrussen aufgesucht und ihnen ge⸗
predigt. Die Leute waren froh, daß man sich ihrer angenom—
men hat. Sie sollen regelmäßig bedient werden.“ Aus In⸗
diana: „Mit meinem Lehrer habe ich die Leute gleich besucht.
Die Kinder gehen in unsere Schule, und die Eltern wollen sich
uns anschließen.“ Aus Kansas: „Die an mich gewiesenen
Emigrantenfamilien sind alle zu uns gekommen. Auch die
vorige Reisegesellschaft hält sich zur Gemeinde.“ Aus Idaho:
„Das Mädchen ist hier angekommen und hält sich zu uns.“
Aus Colorado: „Die Familie kommt in unsere Gottesdienste.“
Besonderer und regelmäßiger Seelsorge bedürftig sind die
Detinierten, denen die Landung bis zur Untersuchung ihres
Falles von der Einwanderungsbehörde verweigert wurde. Sie
sind meistens tief betrübt, voller Angst und Sorge wegen der
Ungewißheit ihrer Lage. Da sind denn die Herzen mehr als
sonst empfänglich für Unterweisung aus Gottes Wort und für
die Ermahnung zum anhaltenden, brünstigen Gebet. Für 52
solcher Detinierten wurde letztes Jahr durch Vertretung vor
dem Board of Special Inquiry die Freilassung aus der Haft
erwirkt. Offene Herzen für die Tröstungen göttlichen Wortes
findet man aber ganz besonders bei den Kranken, die in ein
Hospital gebracht werden mußten, während die andern Glieder
der Familie weiterreisen durften. Es ist für sie ein hartes Los,
im fremden Lande unter fremden Leuten, deren Sprache sie
nicht verstehen, einsam und verlassen dazuliegen. Sie nehmen
den seelsorgerlichen Besuch des Missionars dankbaren Herzens
an. Letztes Jahr wurden 43 Kranke, zumeist im Hospital für
ansteckende Krankheiten, bis zu ihrer Genesung und Weiterreise
besucht, Andacht wurde mit ihnen gehalten, ihre Briefe wurden
geschrieben und mancherlei Angelegenheiten für sie besorgt. Im
Hospital und im Detentionshause sieht man mehr von der Kraft
des Wortes Gottes am menschlichen Herzen als unter der wogen⸗
den Menge an den Landungswerften.
Was nun schließlich den minderwichtigsten Teil der Arbeit,
nämlich den geschäftlichen, anlangt, so ist dieser, wie es kaum
anders zu erwarten war, zu Anfang unerheblich gewesen.
Philadelphia als Hafenstadt mit seinen äußerst günstigen Fahr⸗
gelegenheiten auf den Hauptlinien nach allen Teilen der Welt
ist in unsern Kreisen wohl weniger bekannt gewesen, und in⸗
folgedessen liefen die Bestellungen auch nur spärlich ein. Aber
auch in dieser Hinsicht haben sich die Verhältnisse im Laufe
des letzten Jahres bedeutend günstiger gestaltet. Im Jahre
1911 wurden 30 Fahrkarten ausgestellt, und der Kassenumsatz
belief sich auf 81843.58. Dagegen wurden 1912 109½ Fahr⸗
scheine gelöst, und der Kassenumsatz erreichte die Höhe von
7
222 — — ———'—— — —
22— — — — — . — —
C
English translation
Not yet translated.