Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 4 › Seite 62
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Februar 1913, Seite 62
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LtrFS
„Und du, Berg?“
„Es war so schlechtes Wetter, Herr Pastor!“ antwortete der
Junge keck.
„Mein lieber Berg, wenn es zum Theater oder Zirkus hätte
gehen sollen, wäre dir dann das Wetter auch zu schlecht gewesen?“
fragte der alte Pastor milde. —
Mehr als fünfzig Jahre waren vergangen — in derselben
Kirchengemeinde war es —, da kämpften sich ein paar Kirchgänger
durch Regenschauer und Märzsturm zum Gotteshause durch. In
dem menschenleeren Stadtpark überholten sie einen kleinen älteren
Herrn, dem die Jahre und die Sorgen längst das Haar gebleicht
hatten.
„Sie unterwegs bei solchem Wetter, Herr Rat?“
„Ich werde doch nicht wegen des Regens die Kirche ver⸗
säumen. Ich höre dann immer die schwache Stimme unsers alten
Pfarres fragen: „Lieber Berg, wenn's nun zum Theater oder
Zirkus ginge?““
So hatte die kleine sanftmütige Mahnung durch ein halbes
Jahrhundert segensreich fortgewirkt.
— 2—
Der Kritiker.
Ein Mensch, der besondere Freude daran fand, die Schwach⸗
heiten der Christen hervorzusuchen und zu kritisieren, kam einst zu
einer Schmiede und zog über die Mängel der Christen in ge-
wohnter Weise los. Der Schmied hörte ihn stille an und fragte,
als der Redende eine Pause machte: „Hast du schon in der Bibel
gelesen?“
„Gewiß“, erwiderte der Kritiker wohlgefällig.
„Hast du auch schon das Gleichnis vom armen Lazarus und
vom reichen Mann gelesen?“ examinierte der Schmied weiter.
„Selbstverständlich“, war die Antwort.
„Nun“, sagte der Schmied, „du erinnerst mich an die Hunde
in jenem Gleichnis.“
„Wieso?“ fragte der andere erstaunt.
„Ei“, sagte der Schmied, „die Hunde taten weiter nichts,
als daß sie die Geschwülste des armen Lazarus leckten, und mir
scheint, daß du es ebenso machst; du suchst nur die kranken Stellen
an den guten Christen, für das Gute an ihnen fehlt dir das Ver⸗
ständnis.“
Da schwieg der Kritiker un
d ging kleinlaut davon.
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———
Neue Drucksachen.
Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder uiw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing IIouse, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.
ETAVGELICAL LUTELERAN HTUIIV-BOOK. Siyle I“. S., bound
in full limp seal Bagster binding, with gilt edges. Concordia
Publishing House, St. Louis, Mo. Preis: §1.75.
Dieses Gesangbuch ist in letzter Zeit schon zweimal angezeigt worden.
Bei der vorigen Anzeige der Ausgabe ohne Noten wurden Auflagen in
kostbareren Einbänden in Aussicht gestellt. Hier ist ein solcher Einband,
der sich vornehm ausnimmt. Daß die Arbeit eine ausgezeichnete ist, ver⸗
steht sich bei unserm Verlag von selbst. E. P.
Zur Erinnerung an den Tag Deiner Konfirmation. 5 56.
12 Seiten und Umschlag. Concordia Publishing House, St.
Louis, Mo. Preis: Einzeln 25 Cts. portofrei; beim Dutend
52.40 und Porto.
Dieses wunderschöne Büchlein enthält neben einigen passenden Bibel⸗
sprüchen die drei Artikel, das Vaterunser, die zehn Gebote und die Ein—
setzungsworte. Es ist wirklich „ein treffliches Erzeugnis des Kunst- und
Farbendrucks“, und viele Eltern werden, wenn sie es sehen, ihren Kindern
gern ein solch liebliches Andenken kaufen. E. P.
COVVIEHTATTION BOOKLDT. By Henry P. Holhardt. Concordia
Publishing Housée, St. Louis, Mo. Preis: Imitation Linen-
Einband 15 Cts.; weißer Leatherette-Einband mit Goldtitel
25 Cts. portofrei.
Dieses Büchlein hat dieselbe Größe und Seitenzahl wie das vorige.
Es enthält gesunden Lesestoff für Konfirmierte, belehrend, erinnernd und
ermahnend. Eingefügt ist ein Konfirmationsschein. Die äußere Ausstat⸗
tung ist nicht so prachtvoll wie bei dem vorigen. E. P.
TE VNIAI OFH WITTHNVBEIEG. By W. S. Davis.
Co., New Vork. Price, 81.35 net, postpaid.
Von diesem Buch sind durch unser Verlagshaus schon viele Exemplare
verkauft worden. Es enthält eine interessante und spannende Liebes⸗
geschichte. Aber der Grund, weswegen wir es empfehlen, ist nicht das
Interesse an dem Grafen von Regenstein und seiner Ilsa, sondern weil
die Hauptfigur in der ganzen Geschichte eben der Mönch von Wittenberg,
unser eigener teurer D. Luther, ist. Der leichtlebige, heidnisch gefinnte
Papst und sein gottloser Hof, der großmäulige Ablaßkrämer Tetzel und,
als ein Mann ganz anderer Art, der teure Gottesmann von Wittenberg —
diese Gestalten treten einem lebendig vor die Seele. Man kann das Buch
nicht lesen, ohne aufs neue erfüllt zu werden mit dem rechten „Haß gegen
den Papst“ und mit Dank gegen Gott für das Werk der Reformation.
Gestoßen hat man sich daran, daß neben rechten Worten des Evangeliums,
der Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben, Luthern auch Worte
in den Mund gelegt werden, die den Sünder auf eigenes Tun und Be⸗
reitung verweisen. Unser Verlagshaus hat die Verleger des Buches dar—
The MeMillan
auf aufmerksam gemacht, und diese stellen in Aussicht, daß das in einer
neuen Auflage geändert werden wird. Wenn man bedenkt, daß diese Ge⸗
schichte sich abspielt in den allerersten Zeiten der Reformation, dann bedarf
es dieser Korrektur eigentlich gar nicht. Luther hat später selber von jenen
ersten Jahren gesagt, er habe damals erkannt und gepredigt, daß der
Glaube allein gerecht und selig mache, „und ich unbedächtiger Narr konnte
nicht sehen die Folge“, daß dann die Werke es nicht zum Teil noch tun
müssen. Luther kam eben nicht mit einem Male, über Nacht, zur vollen,
klaren Erkenntnis der Wahrheit. Wer ein Buch lesen will zur Unter⸗
haltung, das aber zugleich nutzbringend ist, der lese den „Mönch von
Wittenberg“. E. P.
Ein Zwiegespräch über den Lehrunterschied der Synodalkonferenz einer⸗
seits und der „lutherischen“ Synergisten anderseits. Von J. F. F.
Gerike. Lebanon, Wis. Preis: 15 Cts.
Dieses Pamphlet, ursprünglich für einen engeren Kreis bestimmt, kann
auch in weiteren Kreisen mit Nutzen gelesen werden, da der Widerspruch
gegen die biblisch-lutherische Lehre von der Bekehrung und Erwählung
lei der noch nicht verstummt ist. C. P.
Niklaus Bolt, Soizzero! Die Geschichte einer Jugend. Mit 40 Natur⸗
studien von Ru d. Münger. Stuttgart. J. F. Steinkopf. 1913.
248 Seiten 547½, in Leinwand mit Rücken- und Deckeltitel ge—
bunden. Preis: M. 4.
Eine frisch geschriebene, auch auf das Gemüt einwirkende Erzählung
von einem Schweizerjungen, der von seinen italienischen Mitarbeitern
Soizzero genannt wurde. Den Hintergrund bildet das berühmte Unter⸗
nehmen des Baus der Jungfraubahn, das in sehr interessanter Weise be—
schrieben wird. Die innere und äußere Entwicklung des Helden wird
treffend geschildert; durchweg zeigt sich gute Charakterzeichnung, Mutwille
und Unrecht werden als solche gekennzeichnet. Die 40 charakteristischen
Illustrationen sind an Ort und Stelle nach dem Leben gezeichnet. Die
äußere Ausstattung ist sehr gefällig. L. F.
Anselm Feuerbach. Eine Kunstgabe für das deutsche Volk. Mit einem
Geleitswort von W. Friedrich. Herausgegben von der Freien
Lehrervereinigung für Kunstpflege. Mainz 1912. Verlag von Jos.
Scholz. 35 Seiten 8½ 11½, in einem Karton geheftet. Preis:
M. I.
Schon wiederholt haben wir an dieser Stelle die vorzüglichen Ver⸗
öffentlichungen des im Titel genannten Vereins und Verlags angezeigt.
Den Heften über Steinhansen, Thoma, Ühde und Gebhardt reiht sich das
vorliegende an und bringt wieder einen großen, neueren dentschen Maler
zur Darstellung, den erst verkannten, aber jetzt immer mehr geschätzten
Feuerbach. 19 Bilder werden dargeboten, 14 davon im Großformat, eins
schöner als das andere, keins unanständig. Das Geleitswort umfaßt sechs
Seiten. Wer sich für edle, neuere Kunst interessiert, greife nach diesen
ehenso schönen wie billigen Heften. L. F.
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