Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 8 › Seite 118

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1913, Seite 118

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Widerſprüche

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118

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III — —. —.

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wasche und bin geplaget täglich, und meine Strafe ist alle
Morgen da?“ (V. 13. 14.)

Aber er erschrak vor solchem Reden, konnte es aber doch
nicht begreifen: „Ich hätte auch schier so gesagt wie sie; aber
siehe, damit hätte ich verdammt alle deine Kinder, die je ge—
wesen sind. Ich gedacht' ihm nach, daß ich's begreifen möchte,
aber es war mir zu schwer.“ (V. 15. 16.)

Das währte aber nur, bis er in Gottes Wort die Lösung
fand und auf das Ende der Gottlosen blickte: „Bis daß ich
ging in das Heiligtum Gottes und merkte auf ihr Ende. Aber
du setzest sie aufs Schlüpfrige und stürzest sie zu Boden. Wie
werden sie so plötzlich zunichte! Sie gehen unter und nehmen
ein Ende niit Schrecken. Wie im Traum, wenn einer erwacht,
so machst du, HErr, ihr Bild in der Stadt verschmäht.“
(V. 17—20.)

Und nun klagte er sich selbst und seinen Unverstand an:
„Aber es tut mir weh im Herzen und sticht mich in meinen Nie⸗
ren, daß ich muß ein Narr sein und nichts wissen und muß wie
ein Tier sein vor dir.“ (V. 21. 22.)

Und dann erhob er sich aus allem Leid und Weh und aus
aller Anfechtung zu vollem freudigen Gottestrost: „Dennoch
bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten
Hand; du leitest mich nach deinem Rat und ninunst mich endlich
mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach
Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele ver—
schmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost
und mein Teil. Denn, siehe, die von dir weichen, werden um—
kommen; du bringest um alle, die wider dich huren. Aber das
ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zu—
versicht setze auf den HErrn SErrn, daß ich verkündige alle
dein Tun.“ (V. 23—28.)

Das ist der 73. Psalm.

Zu diesem stimmen alle christlichen Kreuz- und Trostlieder.

3.

Aber wie ist es nun?

Der 91. Psalm singt gar süß und gewaltig von der dem
Gottesfürchtigen gegebenen Verheißung: „Keine Plage
wird zu deiner Hütte sich nahen.“ Und die Kirche
lehrt und singt das nach. ö

Der 73. Psalm bringt eines Gottesfürchtigen Klage: „Ich
bin geplagt täglich“ und singt vom Gottestrost in allem
Kreuz. Und die Kirche, in vieltausendstimmigem Chor, singt
Kreuz- und Trostlieder. C. M. 3.

(Schluß folgt.)

Vortrag über die deutsche Freikirche.

(Auf besonderen Wunsch dem Druck übergeben von H. G. A.)

(Schlu ß.)

Aber sind wir in unserer Freikirche auch nur eine kleine
Schar, so haben wir doch im großen und ganzen recht gute
Gemeindeglieder. Freilich sind auch sie arme Sünder, die noch
ihr böses Fleisch an sich tragen und infolgedessen mannigfaltig
fehlen. Auch in unsern Gemeinden kommen grobe Sünden—
fälle vor. Aber alles in allem genommen, müssen wir unsern
Gliedern ein gutes Zeugnis ausstellen. Es wohnt in ihnen

vielfach noch die erste Liebe. Sie sind zum Teil sehr erkenntnis—
reich. Als sie zu uns übertraten, haben sie erst die Lehrunter⸗
schiede zwischen uns und der Landeskirche prüfen müssen.
Manche haben jahrelang geforscht, ob wir wirklich in allen
Stücken bei der Lehre Christi blieben. So gehören sie uns
nicht nur deshalb an, weil sie etwa von ihren Eltern her unserer
Kirche angegliedert worden sind, sondern sie wissen, was sie
an unserer Kirche haben. Ferner sind unsere Glieder so er—
kenntnisreich durch fleißigen Besuch der Christenlehren. In
meiner Gemeinde in Berlin antworten nicht nur die Kinder,
sondern alle Gemeindeglieder. Es ist dies nicht von mir ein⸗
geführt worden, sondern die Leute selbst haben es so gewünscht.
So ist es bei uns Sitte geworden, daß nicht nur jung und alt
in den Christenlehren anwesend ist, sondern auch alle ohne
Unterschied des Alters gefragt werden und antworten. Es
trägt dies sehr dazu bei, daß unsere Glieder in der Erkenntnis
der reinen Lehre gefördert und gegründet werden. Hierzu
dient auch dies, daß bei uns die kirchlichen Zeitschriften, wie
„Lutheraner“, „Freikirche“, „Missionstaube“, die Synodal—
berichte und selbst „Lehre und Wehre“, fleißig gelesen werden.
Fast jede Familie meiner Gemeinde und auch die einzelstehenden
Personen halten nicht nur unser Blatt, die „Freikirche“, son—
dern auch den „Lutheraner“. Ich kann bezeugen, daß der
„Lutheraner“ bei uns ein sehr beliebtes Blatt ist. So geschieht
es zugleich, daß wir an eurer Kirche und Mission mit ihren
Freuden und Leiden innigen Anteil nehmen, sie in unsere Für⸗
bitte einschließen und sie auch gelegentlich mit unsern Gaben
bedenken.

Neben guter christlicher Erkenntnis findet sich in unsern
Gemeinden reger Missionseifer. Wenn es sich um die Mission
handelt, ist den Gliedern meiner Gemeinde nichts zu viel.
Schon mehrere Male haben wir öffentliche Vorträge veran—
staltet und dem Unglauben gegenüber die Wahrheit des Chri—
stentums verteidigt. Solche Vorträge kosten viel Geld, da
wir sie besonders anzeigen und besondere Räume dafür mieten
müssen. Aber noch niemals haben die Glieder meiner Ge—
meinde die Unkosten gescheut. Das Geld kam für sie dabei
überhaupt nicht in Betracht. Woran sie allein dachten, war,
daß doch möglichst viele Menschen einmal die Wahrheit hören
möchten. — Ihren Missionseifer betätigen sie auch darin, daß
sie fleißig Leute einladen, mit zum Gottesdienst zu kommen.
Das hat schon öfters gute Früchte getragen. Vor Jahren über—
brachte einer unserer Vorsteher einer Frau in Berlin Grüße
von deren Bruder in London. Bei dieser Gelegenheit kamen
beide in ein Gespräch über kirchliche Dinge. Die Folge war,
daß der Vorsteher die Frau nicht nur zu unsern Gottesdiensten
nötigte, sondern auch am Sonntagnachmittag in ihrer Woh⸗
numg D). Walthers Predigten vorlas. Das war nicht vergeblich.
Die Frau ist schon längst unser Gemeindeglied und hat auch
gegen den Wunsch ihres Mannes uns allmählich ihre vier
Kinder zugeführt. — Ein anderes Beispiel. Im letzten Winter
wurde in Berlin eine große kirchliche Versammlung abgehalten,
in welcher die gläubigen Kreise der Landeskirche gegen die un—
gläubigen Pastoren protestierten. Eine Anzahl meiner Glieder
war auch zugegen. Beim Nachhausegehen redeten diese über
die gehörten Vorträge und kamen dabei auch mit andern Be—
suchern der Versammlung ins Gespräch. Sogleich nahmen
sie die Gelegenheit wahr, die Leute auf unsere Freikirche auf-
merksam zu machen und sie zu unsern Gottesdiensten einzu⸗

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