Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 8 › Seite 123
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1913, Seite 123
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kein Unterschied ist, sondern von Natur allesamt nichts taugen
und dem Heiligen Geist widerstreben. Auf diese Frage weiß
niemand in der Missourisynode eine Antwort. Die Synode weiß
nur so viel aus Gottes Wort: Wer glaubt, glaubt allein durch
Gottes Gnade, wie die Schrift bezeugt: „Wir glauben nach der
Wirkung seiner mächtigen Stärke, welche er gewirket hat in Christo,
da er ihn von den Toten auferwecket hat“, Eph. 1, 19. 20. Wer
nicht glaubt, glaubt deshalb nicht, weil er der Wirkung des
Heiligen Geistes widerstrebt hat. Wie die Schrift abermals be⸗
zeugt: „Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und
Ohren, ihr widerstrebet allezeit dem Heiligen Geist“, Apost. 7, 51.
So lehrt auch unser lutherisches Bekenntnis, indem es bezeugt:
„Wenn wir so fern in diesem Artikel gehen, so bleiben wir auf
der rechten Bahn, wie geschrieben stehet Hos. 13: „Israel, daß
du verdirbest, die Schuld ist dein; daß dir aber geholfen wird,
das ist lauter meine Gnade.“ Was aber in dieser Disputation
zu hoch und aus diesen Schranken laufen will, da sollen wir mit
Paulo den Finger auf den Mund legen, gedenken und. sagen:
⸗Wer bist du, Mensch, der du mit Gott rechten willst??“ „Denn
denen geschieht nicht unrecht, so gestrafet werden und ihrer Sün—
den Sold empfangen; an den andern aber, da Gott sein Wort
gibt und erhält und dadurch die Leute erleuchtet, bekehret und
erhalten werden, preiset Gott seine lautere Gnade und Barm-
herzigkeit ohne ihr Verdienst.“ (Konkordienformel, Ausführliche
Erklärung, Art. XI, § 62. 63. 61.) F. P.
Das „Statistische Jahrbuch“ unserer Synode, das an'anderer
Stelle angezeigt ist, liegt wieder vor uns. Es ist ein Buch voller
Zahlen, aber es sind interessante und wichtige Zahlen, denn sie
betreffen die Arbeit, die innerhalb der Synode im verflossenen
Jahre für Christum und seine Kirche getan worden ist, soweit
sich das in Zahlen ausdrücken läßt. Es finden sich darin die
Parochialberichte von 2125 Pastoren über ihre Gemeinden und
Predigtplätze, die die Zahlen der stimmberechtigten und kommuni—
zierenden Glieder, der Lehrer und Schulkinder, der Getauften,
Konfirmierten, Getrauten und Begrabenen innerhalb der ein—
zelnen Gemeinden angeben. Nach dem Kalender beträgt die
Zahl der zur Synode gehörenden Pastoren 2367; da sind dann
aber die Professoren, kranke, emeritierte und außer Amt befind⸗
liche Prediger mitgezählt. Die Zahl der Gemeinden beträgt
2911 und außerdem noch 1066 Predigtplätze, das heißt, Orte,
an denen gepredigt wird, aber noch keine Gemeinden organisiert
sind. So wird demnach an 3977 Orten von unsern Pastoren
Gottes Wort und Luthers Lehre gepredigt. Auf Seite 174
und 175 sind dann alle diese Parochialberichte zusammengezählt
und festgestellt, in welchen Stücken da Zunahme oder Abnahme
zu verzeichnen ist gegen den Bericht des vorigen Jahres. Und da
tritt einem die erfreuliche Erscheinung vor die Augen, daß auch
in allen Stücken eine Zunahme sich zeigt. Die Zunahme an
Seelen beträgt 38,655, an kommunizierenden Gliedern 26,552,
an Stimmberechtigten 6099. Eine erfreuliche Erscheinung sind
auch die Angaben über die Gemeindeschulen. Die Schulen haben
um 71 zugenommen, die Schulkinder um 175. Das ist ja keine
große Zunahme, zeigt aber doch, daß es im allgemeinen unter
uns mit der Gemeindeschule wenigstens nicht rückwärts geht.
Sehr zugenommen hat in unserer Synode die Einrichtung der
Sonntagsschule. Das ist gut, wenn es nicht auf Kosten der
Wochenschule geschieht. Leider besteht noch nicht überall eine
solche Wochenschule; manche Gemeinden behelfen sich noch mit
Samstags⸗ und Sommerschulen. Hoffen wir, daß daraus sich
bald ordentliche Gemeindeschulen entwickeln. Lehrer sind 1047
angegeben und 238 Lehrerinnen. Auch da zeigt sich eine Zu—
nahme; aber es halten immer noch 1155 Pastoren Schule. So
dürfen immer noch viel mehr Lehrer ausgebildet und von Ge—
meinden angestellt werden. Die Teilnahme am heiligen Abend—
mahl steht durchschnittlich noch zu niedrig. Viele Pastoren klagten
auch darüber bei Einsendung ihres Berichts; einige fügten ihrem
Berichte, wenn die Zahl der Abendmahlsgäste eine geringe war,
die Bemerkung hinzu oder antworteten auf eine Anfrage, ob da
nicht ein Irrtum vorliege: „Die Zahlen sind leider so richtig; es
steht in dem Stück hier noch traurig.“ Es worde versichert, daß
man durch anhaltendes Belehren und Ermahnen darin zu bessern
suche. Gegen das letzte Jahr hat denn auch die Zahl der Abend⸗
mahlsgäste um 36,538 zugenommen. An den. 11 Lehranstalten
der Synode und den 4 Distriktsanstalten wurden 1986 Lernende
von 86 Professoren und 11 Hilfslehrern unterrichtet. — Wir
danken Gott für seinen Segen, den er immer noch auf unsere
Arbeit legt. Er bleibe bei uns mit seinem Segen, und vor allem
segne er uns in den Dingen, über die er im Himmel allein Buch
führt, nämlich mit dem geistlichen Segen in himmlischen Gütern.
E. P.
Der Polenmissionar P. Sattelmeier hat auch in Disputanta,
Va., einen Predigtplatz gegründet. Am Karfreitag besuchte er
diesen Ort zum zweiten Male und hielt Gottesdienst mit Feier
des heiligen Abendmahls. Er hatte 15 Zuhörer; am heiligen
Abendmahl nahmen fünf Slowaken und vier Polen teil. Wie
der Missionar berichtet, stellen die Kongregationalisten diesen
fremdsprachigen Leuten hier und in Canada eifrig nach. Sie
verteilen ein Blatt mit dem verführerischen Namen „Lutherische
Kongregationalisten“. Der Missionar deckte die falsche Lehre
dieser Sekte, besonders von den Sakramenten, auf und ermahnte
seine Leute, trotz aller Verlockung bei ihrer lutherischen Kirche zu
bleiben, was sie auch zu tun versprachen. Sie baten den Mis⸗
sionar wiederzukommen und zeigten ihren Ernst auch dadurch, daß
sie durch eine für die Verhältnisse reichliche Kollekte zur Deckung
seiner Reisekosten beitrugen. Der Missionar meldet, es sollen
dort nahezu 40 Familien zerstreut in den Wäldern wohnen,
meistens lutherische Slowaken. Gott segne die Predigt seines
Evangeliums in allen Sprachen! E. P.
Aus Brasilien. Bei der Versammlung unsers Brasiliani⸗
schen Distrikts wurde über die Missionstätigkeit des vergangenen
Jahres berichtet: „An neuen Gemeinden sind im vergangenen
Jahre keine zu verzeichnen gewesen; hingegen haben manche Ge⸗
biete bedeutenden Zuwachs erfahren. Vor allen Dingen die Ein—
wanderergebiete von Gugrany und Erechim konnten dadurch, daß
den bisherigen Missionaren neue Arbeitskräfte beigegeben wur—
den, bedeutend erweitert werden, wenn auch durch die dort noch
ungeordneten primitiven Verhältnisse noch keine eigentlichen
organisierten Gemeinden hinzugefügt werden konnten. Ferner
macht das südliche Gebiet in Argentinien ebenfalls recht er—
freuliche Fortschritte, was nun zu um so mehr Hoffnung be⸗
rechtigt, da jetzt ein eigener Reiseprediger für dieses Feld berufen
werden konnte.“ In den älteren Gemeinden seien wenig größere
Veränderungen eingetreten, aber noch wüchsen und erstarkten die
Gemeinden durch regelmäßige Predigt. Auch haben sie in Porto
Alegre eine Emigrantenmission eingerichtet, die bereits Segen
stiftet. In Buenos Aires, Argentinien, ist ebenfalls damit an⸗
gefangen worden. — über die Lehranstalt, das Concordia⸗
Seminar in Porto Alegre, wurde berichtet: Es befinden sich da
jetzt 16 Schüler. Raum haben sie in dem neuen Anstaltsgebäude
für 40 Schüler. Sie hätten die Anstalt gern gefüllt. Die Zög⸗
linge werden dort vorbereitet auf das Predigtamt und für den
Schuldienst. So hat man wenig Schüler, aber viele Klassen. Sie
hätten deswegen gern einen dritten Professor. Aber bei der ge⸗
ringen Schülerzahl und bei dem ungünstigen Stand unserer
Synodalkasse wagen sie nicht, um einen solchen einzukommen.
Man trägt sich mit dem Plan, nicht jedes Jahr, sondern immer
nur ein Jahr ums andere neue Schüler aufzunehmen, um so
weniger und größere Klassen zu bekommen und Lehrkräfte zu
sparen. — Der Bericht schließt mit dem Gebet, dem wir uns auch
anschließen: „Gott aber, der Vater aller Gnade, wolle um seines
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