Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 8 › Seite 125
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1913, Seite 125
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und in der Natur geht, wie es will. Der Heiland versichert uns
ja, daß ohne des Vaters Willen auch kein Sperling auf die Erde
fällt und kein Haar von unserm Haupte. Auch kein Unglück,
weder großes noch kleines, ereignet sich ohne Gottes Willen und
Zulassung, wie der Prophet ausruft: „Ist auch ein Unglück in
der Stadt, das der HErr nicht tue?“ Amos 3, 6; und abermal:
„Der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frie—
den gebe und schaffe das übel. Ich bin der HErr, der solches
alles tut“, Jes. 45, 7. Man fragt dann wohl: Wie verträgt sich
das mit Gottes Güte, Liebe und Fürsorge? Ja, Gott ist die
Liebe; das sagt er uns selbst. Und er, der um unsertwillen seines
eigenen Sohnes nicht verschont, al so die Welt geliebt hat, daß
er seinen eingebornen Sohn gab, der hat doch wohl auch den ge⸗
nügenden Beweis dafür geliefert. Und wenn er nun so emp—
findlich schlägt, dann wird das wohl mit seiner Liebe sich ver⸗
tragen, wenn es uns auch nicht danach aussieht. Wir brauchen
und können und sollen Gott nicht verteidigen in seinem Tun.
Was Gott tut, ist von vornherein recht, eben weil er es tut. Die
Leute, die solche Heimsuchungen als im Widerspruch mit Gottes
Güte stehend ansehen, vergessen ganz den Ernst, die Heiligkeit
und Gerechtigkeit Gottes. Sie übersehen ein Ding, ein böses
Ding — die menschliche Sünde. Wenn die Menschen bei solchem
Unglück murren wollen, dann sagt der Prophet: Das ist recht;
murrt nur tüchtig, aber nicht wider Gott, sondern wider euch
selbst, wider eure Sünde! „Wie murren denn die Leute im Leben
also? Ein jeglicher murre wider seine Sünde“, Klagl. 3, 39. 40.
Aber nicht nur wider anderer Leute, sondern vor allen Dingen
wider die eigene Sünde. Nicht, wie die Juden das taten, und
wie der Gedanke so nahe liegt, fragen, ob die vom Unglück Be⸗
troffenen vor andern Sünder gewesen sind, dieweil sie das er⸗
litten haben, Luk. 13, 2, sondern hören und beherzigen, was der
HErr sagt: „Ich sage nein, sondern so ihr euch nicht bessert,
werdet ihr alle auch also umkommen“, V. 5. Wir machen von
solchen Heimsuchungen die richtige Anwendung, wenn wir sie uns
eine Bußpredigt sein lassen, größeren Ernst beweisen, Gott danken,
daß er unser verschont hat, die wir es auch gar nicht verdient
haben, und denen helfen und die Not derer lindern, die vom Un⸗
glück betroffen sind. Schlimm ist es, wenn von Leuten nur ge—
sagt werden kann: „HErr, wenn Trübsal da ist, so suchet man
dich; wenn du sie züchtigest, so rufen sie ängstiglich“, Jes. 26, 16.
Aber noch viel schlimmer ist es, wenn gesagt werden muß: „Du
schlägst sie, aber sie fühlen es nicht; du plagst sie, aber sie bessern
sich nicht. Sie haben ein härter Angesicht denn ein Fels und
wollen sich nicht bekehren“, Jer. 5, 3. Wenn Gott durch Güte
und durch Ernst uns zur Buße leiten und selig machen will, dann
wollen wir das doch ja nicht vergeblich sein lassen. E. P.
Die „Gideons“, die Verbindung christlicher Handelsreisender,
die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Hotels mit Bibeln zu
versehen, hatten zur Inauguration des neuen Präsidenten 5000
Bibeln an die 75 hauptsächlichsten Hotels in Washington verteilt
zum Gebrauch für die Leute, die zur Inauguration nach Wash⸗
ington kommen würden. Der Lutkeran meldet bei der Gelegen—
heit ein schönes Wort des Präsidenten Wilson über Bibelver—
breitung. Er sagte: „Gebt den Leuten die unverfälschte, reine,
ungeänderte, unerklärte, vollwertige (uncheapened) Bibel und
dann achtet darauf, wie sie ihr heilsames Werk tut durch die
ganze Natur. Es ist sehr schwer für einen Mann oder einen
Knaben, der die Bibel kennt, je ganz von ihr loszukommen. Sie
nimmt ihn ein wie ein altbekanntes Lied. Sie folgt ihm wie das
Andenken an seine Mutter. Sie mahnt ihn wie das Wort eines
alten, verehrten Lehrers. Sie bildet einen Teil des Gewebes
seines Lebens.“ — Ein viel Höherer, der die Schrift noch ein ganz
Teil besser kannte, hat von ihr noch Größeres gesagt: „Suchet in
der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darinnen;
und sie ist's, die von mir zeuget“, Joh. 5, 39. E. P.
über den verderblichen Einfluß schlechter Bücher schreibt die
CVHiαενο Dai) Neus: „Wir verbieten den Verkauf von Opium,
aber wir erlauben den uneingeschränkten Handel mit blutigen
Verbrechergeschichten, in denen das Gesetz fast immer dargestellt
wird als eine drückende Einrichtung, der man entweder trotzen
oder ausweichen müsse, und in denen die Leute zu Helden er—
hoben werden, welche die Gesetze brechen. Kürzlich wurden bei
einem Bankraub der Präsident und der Kassierer erschossen, und
der jugendliche Räuber war nie ohne eine Räubergeschichte, und
„Tracy, der Bandit“, war sein Abgott. Wäre dieselbe Begeiste⸗
rung in bessere Bahnen geleitet worden, dann hätte er ein Held
werden können, während er jetzt das Grab eines Verbrechers füllt.
Viele Eltern, die sich entsetzen würden, wenn sie sähen, daß ihre
Jungen mit schlechten Leuten verkehren, erlauben ihnen, mit sol—
chen Charakteren Umgang zu haben unter dem Deckel von Büchern.
Eltern vergessen, daß von der verdrehten Bewunderung für solche
Helden zur Nachahmung derselben nur ein Schritt ist. Weil so
viele Eltern in dieser Hinsicht die Aufsicht über ihre Kinder unter—
lassen und die menschliche Gesellschaft schließlich darunter zu leiden
hat, so muß der Staat, um sich selbst zu schützen, den Verkauf
solcher unheilvollen Bücher verbieten. Es scheint nicht recht zu
sein, daß man Leute aufhängt, weil sie vor Erwachsenen, die doch
besser wissen sollten, Anarchie predigen, und daß man auf der
andern Seite die weiteste Verbreitung ähnlicher Ideen ungehindert
geschehen läßt, wodurch das sittliche Gefühl der Jugend abge—
stumpft wird. Es ist auffällig, daß die meisten Morde, Räube-—
reien und andere greuliche Verbrechen, deren Bericht die Zeitungen
füllt, von Leuten begangen werden, die noch in ziemlich jugend—
lichem Alter stehen.“ E. P.
„Für Leute ohne Kinder.“
„Haben Sie Kinder?“ so fragte ein Hausherr einen Mann,
der eine Wohnung bei ihm suchte. „Neun!“ antwortete der
Mann. Der gute Hausherr meinte aber, das heiße auf gut
schwäbisch Nein! und schloß getrost den Mietskontrakt ab, weil
ihm der Mieter sehr wohl gefiel. Als dann am Tage des Ein⸗
zugs neun Kinder umhersprangen, wollte er zwar protestieren,
mußte es aber wohl oder übel gut sein lassen.
Inm „Schaffhausener Boten“ für 1873 findet sich als Ant—
wort auf eine ähnliche gedruckte Anzeige „Für Leute ohne Kinder“
folgendes treffende Gedicht:
Ach, lieber Gott, vom Himmel schau'
Voll Mitleid auf uns nieder;
Ein Menschenkind, so bös' und rauh,
Schreibt in die Zeitung nieder:
„Ein sonnenhelles Wohngemach
Ist zu vermieten“ — aber ach!
„Für Leute ohne Kinder!“
Der hat gewiß zu keiner Frist
Des Heilands Ruf vernommen:
„Sie, deren Reich der Himmel ist,
Laßt alle zu mir kommen!“
O sag' dem Harten nur geschwind,
Wie gottlos seine Worte sind:
„Für Leute ohne Kinder!“
Das Hündlein liebt er und die Katz',
Er legt sie gar auf Kissen,
Für Kinder hat er keinen Platz,
Das Schönste will er missen.
Das Kind ist's, das uns Kränze flicht;
Wie trostlos ist das Leben nicht
„Für Leute ohne Kinder!“
Drum grolle nicht der Jugendlust!
Ein Kind ist Gottes Gabe;
Nimm gern es auf, bedenk', du mußt
Einsam genug im Grabe
Einst modern in des Todes Graus.
Drum auf die Tür und schreibe aus:
„Für Leute auch mit Kindern!“
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