Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 8 › Seite 126

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1913, Seite 126

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Ein Sünder, der nichts von JEsu hören will.

Ein Prediger in Sachsen wurde, als er an einem fürstlichen
Hofe Hofprediger war, zu einem kranken Herrn gerufen, der ihn
folgendermaßen anredete: „Herr Hofprediger, ich bin sehr krank
und befürchte, ich könnte sterben, darum habe ich Sie zu mir
rufen lassen und will Sie nun bitten, mir etwas Erbauliches zu
sagen. Eins aber muß ich mir gleich von Ihnen ausbitten, daß
Sie mir nichts von IEsu sagen, denn davon will ich nichts hören.“

Der Prebiger sagte: „Es ist mir lieb, daß Sie mir das
sobald sagen, denn das würde das erste gewesen sein, wovon ich
mich mit Ihnen zu unterhalten gesucht hätte. Indessen gibt es ja
sonst noch viel Erbauliches, worüber wir uns unterhalten können.
Darf ich von Gott mit Ihnen reden?“ „Ja, davon will ich gerne
hören, denn vor Gott hatte ich immer viel Hochachtung.“ Der
Prediger sprach nun von der Liebe Gottes zu den Menschen, was
dem Kranken sehr angenehm war, so daß er beim Abschied den
Prediger bat, bald wiederzukommen.

Als der Prediger das nächste Mal wiederkam, sagte der
Kranke: „Nun, was werden Sie mir heute Schönes erzählen?
Ich habe mich schon lange nach Ihrem Besuche gesehnt.“ An
diesem Tage redete er viel von Gottes Allmacht, Weisheit und
Allwissenheit. Diese Unterhaltung war schon viel ernsthafter als
die vorige, doch war sie dem Kranken noch angenehm. Bei einem
dritten Besuche sprach der Prediger von Gottes Heiligkeit. Und
nun sagte er, wie Gott ein heiliges und reines Wesen und mit
nichts als reinen und heiligen Wesen umgeben sei. Diese Unter⸗
haltung war noch ernsthafter als die vorige. Aber noch weit mehr
wurde es ein folgender Besuch, wo sich die Unterhaltung auf
Gottes Gerechtigkeit bezog. Nun fing aber der Kranke an: „Herr
Hofprediger, jetzt kann ich es nicht mehr aushalten, mir wird angst
und bange! Wenn Gott so heilig und gerecht ist, wie Sie sagen,
dann bin ich verloren!“

Nun ging aber der Prediger fort und kam am folgenden Tage
nicht wieder, denn er dachte: Mag doch das, was er jetzt fühlt,
ein wenig tief bei ihm gehen. Endlich ließ der Patient den Pre⸗
diger rufen, und als er kam, sagte er: „Mein Gott, ich weiß
mich vor Angst nicht zu fassen; sagen Sie mir doch wieder etwas
Tröstliches; es ist mir ja, als befände ich mich in der Hölle, oder
die Hölle wäre in mir. Wissen Sie denn nichts, wodurch ich
wieder Beruhigung finden könnte?“ Der Prediger antwortete:
„Gar nichts weiß ich Ihnen sonst mehr zu sagen, als daß Gott
zwar gnädig, aber auch weise, heilig und gerecht ist und vermöge
seiner Gerechtigkeit nicht anders kann, als das Böse zu bestrafen.
Ich wüßte wohl noch viel Schönes und Treffliches, was ich Ihnen
sagen könnte, aber davon wollen Sie ja nichts hören, darum müssen
Sie in diesem unseligen Zustande dahinsterben und drüben Ihr
Schicksal erwarten, und da muß ich Sie von Herzen bedauern.“
„Nun, was wissen Sie denn noch Tröstliches und Gutes? Sagen
Sie mir's doch; kann ich noch gerettet werden!??“ „O ja! aber
sonst nicht, bis ich Ihnen etwas von IEsu sagen darf.“ „Nun,
sagen Sie mir denn in Gottes Namen, was Sie wollen, wenn
ich nur noch aus meiner Verdammnis gerettet werden kann.“

Nun verkündigte er ihm das Evangelium, daß dieser von ihm
bisher so verachtete IEsus sein HErr und Gott, sein Schöpfer und
Heiland sei, zu dem er sich mit allen seinen Sünden wenden und
den er um Gnade bitten solle. Für solche Sünder sei er gestorben
und habe am Kreuz sein Blut vergossen zu einem Lösegeld für ihn
und die ganze Welt.

Nun war dieser Kranke froh, von einem solchen JEsus, der
die Sünder annimmt, etwas zu hören. Er nahm dann auch seine
Zuflucht zu ihm und ging als ein begnadigter Sünder im Glau⸗
ben an das Verdienst IEsu Christi selig aus der Zeit in die
Ewigkeit hinüber. (Jes. 45, 22.) (Luth. Volksbl.)

Todesanzeige.

Es hat dem HErrn der Kirche gefallen, P. em. Georg
Bernthal zu Richville, Mich., nach einem kurzen Feierabend
in die ewige Ruhe zu versetzen. Der Entschlafene gehörte zu den
Pionieren unsers Distrikts. Am 9. November 1837 zu Rosstall,
Bayern, geboren, wanderte er im neunten Lebensjahre mit seinen
Eltern nach Amerika aus. Die Familie ließ sich in der fränki—
schen Kolonie des Saginawtales (Frankenmuth) nieder. Nach⸗
dem er von P. Crämer daselbst konfirmiert worden war, bezog
er etwas später das Predigerseminax zu Fort Wayne und erhielt
dort seine Ausbildung für das heilige Predigtamt.
standenem Examen im Jahre 1859 wurde er als Missionsprediger
für den nördlichen Teil des Staates Illinois berufen. Ein Jahr
später erhielt er einen Beruf von den Gemeinden in und bei
Kankakee, Ill. Auch hier diente er nur zwei Jahre; denn 1862
berief ihn die Michaelisgemeinde zu Frankenhilf, Mich. Hier
sollte nun sein eigentlicher Wirkungskreis sein. Nicht weniger
als ein volles halbes Jahrhundert hat er nämlich an dieser Ge⸗
meinde mit aller Treue und in großer Bescheidenheit gewirkt, seine
Kräfte im Dienste derselben verzehrt. Unter seiner Seelsorge ist
die Gemeinde um beinahe 200 stimmfähige Glieder gewachsen.
— Der Entschlafene war ein Mann, von dem man in Wahrheit
sagen kann: „Ein rechter Israelit, in welchem kein Falsch ist.“
Auch mit Hauskreuz hat ihn Gott nicht verschont. In den Jahren
1860 bis 1863 hat er zwei Lebensgefährtinnen und zwei Kinder
zum Grabe geleiten müssen. Im Jahre 1865 verehelichte er sich
mit der Witwe des seligen P. Wichmann, geb. Beyer. Diese Ehe
segnete Gott mit neun Kindern, von denen ihm vier in die Ewig—
keit vorangingen. — Im Mai letzten Jahres legte er sein Amt
nieder. Anfang November stellte sich bei ihm, der in fünfzig
Jahren nie wegen Krankheit einen Gottesdienst ausgesetzt hatte,
ein Leberleiden ein, das sich kurz vor seinem Ende zur Wasser⸗
sucht entwickelte. Am 8. März, nachdem er kaum eine Woche ge—
legen hatte, ist er im Glauben an seinen Heiland eingeschlafen.
Sein Alter brachte er auf 75 Jahre, 3 Monate und 29 Tage.
Er hinterläßt seine gebrechliche Witwe, vier Söhne, von denen
zwei im Kirchendienst stehen (P. Paul Wichmann und Lehrer J.
Bernthal) und zwei Töchter. Am 12. März haben wir seine
sterbliche Hülle unter großer Beteiligung aus allen Nachbarge—
meinden wie auch der Saginaw-Spezialkonferenz auf unserm
Gottesacker inmitten seiner Schäflein zur Ruhe gebettet. Im
Trauerhause hielt Vizepräses E. A. Mayer eine Ansprache über
1 Kön. 19, 4, in der Kirche predigte Vizepräses H. Speckhard über
Joh. 14, 4, und am Grabe amtierte W. Bekemeier.

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Neue Drucksachen.

Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.

Statistisches Jahrbuch der Deutschen Ev.⸗Luth. Synode von Missouri,
Ohio u. a. St. für das Jahr 1912. Concordia Publishing Houseé,
St. L.ouis, Mo. Preis: 50 Cts.

Dieses Buch gibt Bericht über den äußeren Bestand der Synode in
ihren Gemeinden, Anstalten, Missionen usw. Es liegt darin viel Material
aufgehäuft. Zum ersten Male erscheinen darin auch detaillierte Angaben
über die einzelnen Stationen unserer Heidenmission in Indien. Wer über
alle diese Gebiete der Synode sich informieren will, findet hier die amt⸗
lichen Zahlen und Angaben. Das Jahrbuch hat um 14 Seiten an Umfang
zugenommen gegen seinen l(etztjährigen Vorgänger. E. P.

Nach be⸗

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English translation

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