Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 8 › Seite 121

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1913, Seite 121

117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Synode 16

⤓ Download .txt · copy text

S Ner „Tutherane

121

und sollen sie nicht darauf aufmerksam machen, daß ihr Pre⸗
diger und ihre Gemeinde sie ganz verkehrt behandeln. Die
betreffenden Gemeinden und Prediger werden das alles ver—
antworten müssen am Jüngsten Tage, wenn sie werden Rechen⸗
schaft geben nüssen, wie sie eine jede Seele geweidet und ver—
sorgt haben.

Wir haben wohl genng daran zu tun, darauf zu sehen,
daß wir Rechenschaft geben können für die Seelen, welche uns
schon anbefohlen sind und bei denen gar kein Zweifel darüber
sein kann, ob wir ein Amt an ihnen haben oder nicht, also an
denen wir ein gewisses Amt haben, und zwar ein sehr schweres
und verantwortungsvolles.

Zeugnis aus der Allgemeinen Synode.

D. F. Pieper redete als Allgemeiner Präses die Delegier—
tenversammlung der Synode in seinem Präsidialbericht also
an: „Auf eine immer wiederkehrende Gefährdung der brüder—
lichen Gemeinschaft innerhalb der Synodalkonferenz muß ich
aufmerksam machen. Es kommt, wie in früheren Jahren, so
auch jetzt innerhalb der Synodalkonferenz immer wieder vor,
daß Glieder aus Gemeinden einer Schwestersynode aufgenom—
men oder kirchlich bedient werden, ehe sie eine „friedliche Ent⸗
lassung' erlangt haben. Dies Verfahren streitet sowohl mit dem
glaubensbrüderlichen Verhältnis als auch mit den besonderen
Abmachungen, die zwischen den Synoden der Synodalkonferenz
bestehen. Hält man dafür, daß die friedliche Entlassung‘ mit
Unrecht versaͤgt werde, so halte man die Betreffenden an, daß
sie bei Hihrer Gemeinde, beziehungsweise bei ihrer Synode, ihre
Beschwerde einreichen. So wird einerseits dem Unrecht abge—
holfen, falls ein solches vorliegt, andererseits wird der Störung

der brüderlichen Gemeinschaft zwischen den Synoden vorge⸗

beugt.“ (Bericht der Delegatensynode 1905, S. 21.) Ja, es
ist an dem: Leute aus Schwestergemeinden ohne friedliche Ent—
lassung aufnehmen oder kirchlich bedienen, an ihnen arbeiten,
heißt Argernis, Unfrieden und Störung in der Kirche anrichten.

Stellung der Synodalkonferenz.

Aus den „Leitenden Grundsätzen“ der Ev. Luth. Synodal⸗
kouferenz von Nordamerika: „Die Synodalkonferenz hält da—
für, daß kein Glied gegen den Willen seiner bisherigen Ge—
meinde von der andern Gemeinde aͤufgenommen werden dürfe.
Der Pastor, zu welchem eine solche Person übertreten will, soll
vielmehr selbst alles tun, dieselbe davon abzuhalten, und ihr
vorstellen, daß an Friede und Einigkeit zweier ganzer Gemein⸗—
den unendlich mehr liege als an der Bequemlichkeit des ein—
zelnen und dergleichen.“ W. L.

———

Die Kirchweih zu Turahyeri.

Wir haben eine Lehmkirche mit gutem Ziegeldach auf
unserm Missionsgehöft — unsere gute, alte Kirche. Herrliche
Gottesdienste haben wir in ihr halten dürfen. Aber die Mehr⸗
zahl meiner Christen wohnt in Turayeri, und von da zu uns
führt nur ein schmaler, dorniger und steiniger Weg. Von
Anfang an war es mir klar, daß es eine mißliche Sache wäre,
wenn unsere Christen von überallher auf das Missionsgehöft
in die Kirche kommen müßten. Wollen wir fruchtbarer arbei⸗
ten, so müssen wir Kirchen und Schulen in die Dörfer legen,

damit die Heiden auch die äußerliche Gestalting des Christen—
tunis vor Augen haben. Es ist nicht die Meinung, daß wir
in jeden kleinen Pariadorf eine Kirche errichten wollten, viel⸗
mehr sollen mehrere Pariadörfer in eine Kirche, die in einem
gutgelegenen Dorfe stehen muß, eingepfarrt werden, bis sie
zu klein geworden ist und eine neue an einem andern passenden
Orte gebaut werden muß — und so fort.

So beschlossen wir nun den Bau einer kleinen Kirche in
Turayeri. Das war aber ein schweres Stück Arbeit. Von
keiner Seite gibt es einen Fahrweg ins Dorf. Kalk, Sand,
Holz und Steine mußten von Kulis auf dem Kopfe herzugeholt
werden. Die Maurer sowie die andern Arbeiter waren oft
unzuverlässig. Dazu haben sie — als Heiden — ungezählte
Feste und Feiertage. Der ganze Kirchbau hat mir manchen
Seufzer ausgepreßt und manche schlaflose Nacht bereitet. Aber
auch an Freuden hat es mir dabei nicht gefehlt. Ein teures
Gotteskind in Deutschland, dessen Namen ich nicht nennen darf,
schenkte mir zwei Glocken für die Kirche, ein Harmonium und
eine Serie alt- und neutestamentlicher Bilder zum Schmuck für
die Wände.

Endlich stand die Kirche mit schmuckem Turm vollendet da.
Inwendig befindet sich eine liebliche Kanzel über dem Altar,
dahinter ein Christusbild, zu dessen beiden Seiten je ein buntes
Fenster, gegenüber ein kleines Orgelchor, in der Mitte das
Schiff. An den Wänden hängen die erwähnten biblischen Bil⸗
der. Die Pariachristen, die nicht lesen können, erquicken sich an
diesen Bildern und erklären sie den Heiden. Auch Bibelsprüche
sind an den Wänden angebracht. Oben hinter der Kanzel stehen
die Worte Joh. 10, 12 und Joh. 17, 17: „Ich bin ein guter
Hirte“ und: „Dein Wort ist die Wahrheit.“ über dem Orgel⸗
chor lesen wir Ps. 118, 29: „Danket dem SErrn; denn er ist
freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“ An der Südseite
sind die Sprüche Jes. 43, 25 und Joh. 11, 25, an der Nordseite
Jes. 42, 8 und Luk. 19, 10 angebracht: „Ich, ich tilge deine
Übertretung um meinetwillen und gedenke deiner Sünden
nicht.“ „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an
mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe.“ „Ich, der
SErr, das ist mein Name; und will meine Ehre keinem andern
geben noch meinen Ruhm den Götzen.“ „Des Menschen Sohn

ist kommen zu suchen und selig zu machen, das verloren ist.“

Auch an bunter Farbe haben wir es nicht fehlen lassen, denn
so gefällt es den Eingebornen. Kurz, das ganze Innere der
Kirche sieht schön, evangelisch freundlich und würdig aus.

Schon im Frühjahr war die Kirche fertig, aber mit der
Einweihung derselben wollten wir warten, bis der Herr Mis⸗
sionsdirektor zur Visitation nach Indien kommen würde, vor⸗
ausgesetzt, daß es noch in diesem Jahre geschähe. Das war
auch für das Gebäude kein Schade, denn dadurch konnte es
vor dem Gebrauch recht gut austrocknen. Unser Herr Direktor
kam, und so konnte die Einweihung am dritten Sonntag des
Advents vor sich gehen. Ich hatte die Brüder Stallmann und
Küchle dazu eingeladen, aber sie konnten leider nicht kommen,
und so war ich allein zu dem sich recht lang gestaltenden Gottes⸗
dienst.

Am Abend vorher, um 6 Uhr, wurde das Fest eingeläutet.
Wie feierlich klangen die Glocken! Wir können sie gut in
unserm Hause hören. Aus unserm Herzen aber klingen sie
weiter als Dank an den liebevollen Spender.

Am genannten Sonntagvormittag um 10 Uhr begann der

English translation

Not yet translated.