Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 9 › Seite 133

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. April 1913, Seite 133

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Wori ind Lulleerg

8— V
, Und ich sahe einen Engel 15
ISlliegen mitten durch den

Himmel, der hatte ein ewig
Euangeliun, zu verkindigen
denen, dit aus Erden siden
und wohnen, und allen Hei-
den, und Seschlechtern, und
Sprachen, und Vülkern, und
sprach mit großer Stinmme:
KTLürchten Galt, und gebet
imn die Chre; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen,
und beteh an den. der gemacht
hat Himmcl, uind Erde, und
Meer, und die Wasser-

Jbrunnen. Ossb. Joh. 14, 6.7.

Derausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

69. Jahrgang.

St. Louis, Mo., den 29. Rpril 1913.

„Wir haben einen Fürsprecher bei dem Vater.“
1 Joh. 2, 1.

Es ist Tatsache, daß die Christen sich aus der Himmelfahrt
Christi viel zu wenig machen. Der Himmelfahrtstag wird kaum
noch als ein Festtag angesehen; und wenn er gefeiert wird, wie
schwach und gering ist die Beteiligung an der Feier! Während
am Karfreitag und zu Ostern die Kirchen voll sind, sind sie am
Himmelfahrtsfest gewöhnlich sehr leer. Nun liegt das ja frei⸗
lich zum großen Teil daran, daß unsere Zeit im Irdischen so
sehr beschäftigt ist und es ihr der Festtage leicht zu viel werden.
Aber es liegt auch daran, daß die Christen den Wert der Him—
melfahrt Christi, ihren Wert für uns, nicht genügend er—
kennen und bedenken. Daß Karfreitag und Ostern von überaus
hoher Bedeutung sind, das wissen sie; denn da ist Christus um
unserer Sünde willen dahingegeben und um unserer Gerechtig—
keit willen auferweckt worden. Aber die Himmelfahrt Christi
sehen sie vielfach an als ein bloßes Abtreten Christi vom Schan⸗
platz, daß er nach vollendetem Werk nun wieder zurückkehrt zum
Vater, der ihn gesandt hat, in den Himmel, den er zur Mensch—
werdung und Erlösung verlassen hatte. Nach Christi armem
Erdenleben und nach seinem furchtbaren Leiden und bitteren
Sterben, nach seiner tiefen Erniedrigung gönnt man ihm die
Erhöhung, die Ehre und Freude der Himmelfahrt und der
darauffolgenden Herrlichkeit. So könne der Sinn einer Feier
dieses Festes doch nur der sein, daß wir uns mit Christo freuen
an seinem Ehrentage. Das ja auch. Aber Christi Himmel—
fahrt geschah auch uns zu gut. Auch der Tag seiner Himmel—
fahrt ist ein Tag reicher Beute, großen geistlichen Segens.
Durch seinen Tod ist unsere Erlösung vollbracht, und durch
seine Auferstehung ist sie versiegelt und göttlich anerkannt und

bestätigt. An seiner Auferstehung liegt so viel, daß der Apostel
ja sagt: „Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer

Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden; so sind auch die,
so in Christo entschlafen sind, verloren“, 1 Kor. 15, 17. 18.
So ist alles von unermeßlichem Wert, was uns der Auferstehung
Christi gewiß macht. Der beste Beweis für die Auferstehung

Christi sind ja die mancherlei Erscheinungen des Auferstan⸗
denen, da er sich lebendig erzeigte. Eine solche besonders in die
Augen fallende Bestätigung seiner Auferstehung ist seine Him—
melfahrt, da der IEsus von Nazareth, der gekreuzigt und ge—
storben und begraben war, vor einer Menge Menschen, die ihn
als solchen lange gekannt haben, sichtbar gen Himmel fährt.
Seine Himmelfahrt selbst ist auch geradezu eine Bestätigung
der Vollgültigkeit seines Erlösungswerks. Er geht hin zu
dem, der ihn gesandt hat. Der Vater hatte ihn gesandt zu
einem bestimmten großen Werk. Das hat er ausgerichtet. Er
hat ein gutes Gewissen. Getrost und ohne Scheu kehrt er
zum Vater zurück; er darf sich vor dem Vater sehen lassen und
sagen: „Ich habe vollendet das Werk, das du mir gegeben hast,
daß ich es tun sollte“, Joh. 17, 4. Und er wird nicht zu—
schanden. Bei seiner Himmelfahrt gibt es keine Enttäuschung.
Der Vater verläßt, verwirft und verstößt ihn nicht als einen,
der der Welt Sünde noch ungebüßt auf sich hat. „Der HErr
wird aufgenommen, der ganze Himmel lacht.“ Der hat sein
Werk vollbracht und ausgerichtet. Und das ist unser Mittler,
wir sind unserer Erlösung gewiß.

Vor seiner Himmelfahrt sendet er sein Evangelium an
alle Kreatur, das Wort von der Versöhnung. So sorgt er für
die Gründung, Erhaltung und Ausbreitung seiner Kirche. Es
ist seinen Jüngern gut, daß er hingeht. „Denn so ich nicht
hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber gehe,
will ich ihn zu euch senden“, Joh. 16, 7. So rüstet er seine
Apostel und Zeugen des Evangeliums aus; sie reden, getrieben
von dem Heiligen Geist. Derselbe Geist wirkt durch das Evan—
geliim an den Herzen derer, die es hören; die beruft er, er—
leuchtet sie, heiligt und erhält sie im rechten Glauben. Und
nun fährt er, von dem das Evangelium verkündigt, daß er
allein der Weg ist zum Vater, daß in keinem andern Heil ist,
daß niemand gen Himmel fährt, denn der vom Himmel her—
niederkommen ist, nämlich des Menschen Sohn, Joh. 3, 13,
und daß, wer in den Himmel will, sich im Glauben an ihn
anklammern muß — nun fährt er vor unsern Augen gen
Himmel. Da ist vor Augen gestellt: die Bahn ist frei, er hat

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