Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 9 › Seite 135
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. April 1913, Seite 135
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Widerſprüche
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Und in Kraft der Fürbitte des Mittlers sind jetzt schon unge—
zählte Scharen in der Herrlichkeit bei ihm und werden getröstet,
mit ewigem Manna gespeist und mit Wollust getränkt als mit
einem Strom. Und große Scharen von Kindern Gottes war—
ten noch dieser Herrlichkeit. Sie sind noch in der Welt, wan⸗
deln noch im Glauben und noch nicht im Schauen. Aber sie
wissen, an wen sie glauben, und sind gewiß, daß ihre Beilage
ihnen gewiß, in guten Händen ist. Als Mittler im höchsten
Thron macht der Heiland sein Verdienst, seine Versöhnung gel—
tend und erbittet und verschafft den Seinen alles, was er ihnen
erworben hat, und was zu ihrem ewigen Heile dient.
ö Wie ist da alles mit Fleiß darauf angelegt, den Christen
im Glauben der Gnade und der Seligkeit fröhlich und gewiß
zu machen. Christus ist die Versöhnung für unsere, für der
ganzen Welt Sünde. Gott versöhnte in Christo die Welt mit
uns selber. Gott ist der Welt versöhnt, vollständig versöhnt.
Nun läßt er sein Evangelium predigen, das Wort von der
Versöhnung, die Gnadenproklamation. Auf Erden sendet er
den Heiligen Geist, der durch das Evangelium unsere Herzen
gewinnt, daß wir uns versöhnen lassen mit Gott. Und in⸗—
dessen ist er, der Mittler im höchsten Thron, die lebendige
Garantie, daß der Vater uns stets versöhnt und väterlich ge—
sinnt ist. Der Heilige Geist wirkt in uns den Glauben und
das Gebet. Und damit das Gebet ja rechter Art sei, weil wir
nicht wissen, was wir beten sollen, wie sich's gebührt, da ver⸗
tritt der Geist selbst uns aufs beste mit unaussprechlichem
Seufzen. Der vertritt die Heiligen nach dem, was Gott gefällt,
und der die Herzen forschet, der weiß, was des Geistes Sinn
sei, Röm. 8, 26. 27. Und alle diese Bitten gehen noch durch
die Hände des Heilandes, des Mittlers, und gehen obendrein
noch an den Vater, der uns auch kein Fremder, kein Tyrann ist,
den wir nicht knechtisch fürchten sollen, denn „er selbst, der
Vater, hat euch lieb“, Joh. 16, 27.
Welch eine greuliche Verkehrung dieser gnädigen Ordnung
Gottes ist da das Treiben des Papsttums, da man nicht nur
zwischen den Christen und Gott, sondern sogar zwischen den
Christen und Christum die Jungfrau Maria und ein ganzes
Heer mehr oder weniger Heiliger als Fürsprecher und Mittler
schiebt, zu denen er schreien soll: „Bitt' für mich!“
„Wir haben einen Fürsprecher bei dem Vater.“ „Es
ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Men—
schen, nämlich der Mensch Christus IEsus, der sich selbst ge⸗
geben hat für alle zur Erlösung“, 1 Tim. 2, 5. 6. Der ist „uns
Menschen auch in's Himmels Thron zum Mittler auserkoren“.
(Lied 149, 6.) Seiner trösten wir uns:
Wenn Sünd' und Satan mich anklagt,
Und mir das Herz im Leib verzagt,
Alsdann brauchst du dein Mittleramt,
Daß mich der Vater nicht verdammt. (Lied 315, 6.)
Und wenn wir an das letzte Gericht denken, dann ist die Bitte
an unsern Heiland gerichtet:
Derhalben mein Fürsprecher sei,
Wenn du nun wirst erscheinen. (Lied 433, 6.) ö
Und solange wir hienieden wallen, und um unserer Sünden
willen das Kyrieeleison, das „SErr, erbarme dich!“ unser täg—
licher Schrei ist, soll der Schrei an ihn gerichtet sein:
Christe, aller Welt Trost,
Uns Sünder allein du hast erlöst.
O JIEsu, Gottes Sohn,
Unser Mittler bist in dem höchsten Thron.
Zu dir schreien wir aus Herzensbegier: Eleison!
„Ist das nicht ein Widerspruch?“
Oder wie ist das?
ö 4.
Wir wollen ein Gleichnis sagen.
Zwei Männer, A. und B., haben beide denselben verborge⸗
nen Krebsschaden.
Beiden sagt es der Arzt und verspricht Heilung, wenn sie
sich von ihm behandeln lassen.
A. schlägt das in den Wind, und es geht ihm gut — eine
Zeitlang. Und er lebt sorglos dahin.
B. gibt sich in die Behandlung des Arztes, und es geht
ihm übel — eine Zeitlang. Er hat eben eine Kur, auch eine
Operation durchzumachen. Und während dieser Zeit wollen
ihm Gedanken kommen, daß A. es doch ohne Arzt besser habe
als er mit dem Arzt.
Auf einmal bricht bei A. der Krebsschaden mit Gewalt
heraus und tötet ihn.
B. wird gerettet und ist weise für die Folgezeit. —
Nun wollen wir die Anwendung dieses Gleichnisses hören.
Wir Menschen alle sündigen gegen den allerhöchsten Gott,
in dem wir doch leben, weben und sind. Und so ist Gottes
Zorn über uns zu zeitlichem Elend und Tod und ewiger Ver⸗
dammnis.
Uns alle hat Christus versöhnt mit Gott, so daß Gott uns
die Sünde vergibt und das ewige Leben schenkt.
Und uns allen wird beides durch Gottes Wort gesagt.
Viele schlagen das in den Wind und leben dahin nach
den Lüsten ihres Fleisches und sind stolz und sicher — eine
Zeitlang.
Manche nehmen das im Glauben an und sind Gottes
Kinder. Und Gott zieht sie zum ewigen Leben durch sein Wort
und den Heiligen Geist. Und Gott wehrt dabei ihrem ver—
derbten Fleische dadurch, daß er sie dem zeitlichen Elend und
allerlei Kreuz unterworfen sein läßt und auch dem Tode —
hier auf Erden. Und da will es sie oft anfechten, daß sie, die
doch Gottes Kinder sind, solches leiden müssen, während es
den Gottlosen nicht schlechter, sondern gemeiniglich besser geht
als ihnen.
Aber da hilft ihnen Gottes Wort und Geist und lehrt sie,
daß die Gottlosen plötzlich verloren gehen, während sie, die
Gottesfürchtigen, gerettet sind und dem ewigen Leben entgegen⸗
geführt werden. Und sie sind getröstet und sie klagen ihren
Unverstand an und sie singen:
Dennoch bleibe ich stets an dir;
Denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
Du leitest mich nach deinem Rat
Und nimmst mich endlich mit Ehren an.
Wenn ich nur dich habe,
So frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
So bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
Denn, siehe, die von dir weichen, werden umkommen;
Du bringest um alle, die wider dich huren.
Aber das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte
Und meine Zuversicht setze auf den HErrn HErrn,
Daß ich verkündige alle dein Tun.
Das lehrt der 73. Psalm.
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Aber wie ist es nun mit dem 91. Psalm? Wie ist es
mit dessen Wort: „Keine Plage wird zu deiner Hütte sich
nahen“? Wie ist es mit dem w„Wider alle Fährlichkeit be—
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