Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 9 › Seite 141
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. April 1913, Seite 141
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SDer 2„Tuthieranesss
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Versprechen gehalten hat, zeigt ein Brief seines Privatsekretärs,
des Lord Knolly, an den Bibelsekretär Brading. Dieser Brief
lautet: „Sehr geehrter Herr! Ich hatte die Ehre, Ihren Brief
dem Könige zu unterbreiten, und bin beauftragt, Ihnen in Er⸗
widerung Ihrer Anfrage mitzuteilen, daß es völlig der Wahrheit
entspricht, daß der König um das Jahr 1881 der Königin Alexan—
dra das Versprechen gegeben habe, täglich ein Kapitel in der Bibel
zu lesen, und daß er seither diesem Versprechen nachgekommen ist.“
— Selbst wenn der König zu Anfang nur aus Liebe und Ge⸗
horsam gegen seine Mutter sein tägliches Kapitel der Bibel ge—
lesen hätte, so haben sich dazu gewiß auch noch andere Beweg—
gründe hinzugefunden. Nach dreißigjährigem täglichen Umgang
mit Gottes Wort steht zu erwarten, daß einer zu dem Stand⸗
punkt jener Samariter gelangt, die zu dem Weibe, das sie auf
IEsum aufmerksam gemacht hatte, sagten: „Wir glauben nun
fort nicht um deiner Rede willen; wir haben selber gehöret und
erkannt, daß dieser ist wahrlich Christus, der Welt Heiland“,
Joh. 4, 42. Es ist schon sehr viel gewonnen, wenn man einen
Menschen an Gottes Wort herangebracht hat. In Gottes Wort
ist Gottes Geist und Kraft. E. P.
Ein „Tierfriedhof“ befindet sich in der Müllerstraße in
Berlin, auf dem Hunderte von Grabhügeln mit marmornen
Grabsteinen zu sehen sind, auf denen der Verlust der geliebten
Tiere beklagt wird. Auch ein Zeichen für unser verweichlichtes,
immer tiefer sinkendes Geschlecht. Wenn aber auf den Gräbern
hin und her sich auch das Kreuz findet, so ist das nicht nur ein
neuer Beweis, wie wenig unsere „aufgeklärte“ Zeit die Bedeutung
des Kreuzes versteht und wie sinnlos zu handeln man trotz aller
Bildung und Wissenschaft imstande ist, sondern aucheine Ver⸗
letzung des christlichen Gefühls. Wir wollen nicht nach der Polizei
rufen, aber der Tierschutzverein, der ja in Charlottenburg die Er⸗
richtung solcher „Tierfriedhöfe“ erstrebt, sollte doch dafür sorgen,
daß die christliche Religion und ihre Symbole nicht um der Tiere
willen des ihr gebührenden Schutzes entbehren müssen. Es würde
sich übel miteinander reimen, auf der einen Seite die Kirche um
Tierschutzpredigten anzugehen und auf der andern Seite solche
Mißachtung der Kirche zu dulden oder gar großzuziehen.
(D. A. G.)
Das Tischgebet.
Luther nennt das Vaterunser einen der größten Märtyrer,
weil es sich gefallen lassen müsse, sich täglich allerorten zu unge-⸗
zählten Malen durch gedankenloses Hersagen entheiligen zu lassen.
Ein nicht geringeres Martyrium ist noch einem andern klei—
nen Gebet beschieden, das in unzähligen Häusern täglich mehr⸗
mals gesprochen wird; es ist unser wohlbekanntes Tischgebet:
Komm, HErr JEsu, sei unser Gast
Und segne, was du uns bescheret hast!
Wie oft oder vielmehr wie selten unter den tausenden Malen
mag wohl diese Bitte mit dabei ruhenden Gedanken, mit der vollen
Erfassung ihrer Bedeutung gesprochen werden? Wie hört man
nicht so oft schon dem Tonfall an, daß das kleine Gebet eilig und
flüchtig aus Gewohnheit erledigt wird, während ein vorher be—
gonnenes Gespräch der Tischgenossen lebhaft und interessiert un—
mittelbar nach dem „Anten“ fortgesetzt wird! Ja, es kommt
sogar vor, daß, wenn gleich nach Beendigung des Gebetes eine
unerwartete Störung die Hausgenossen auseinanderruft, sie sich
später beim Zusammenfinden verlegen fragend ansehen: „Ja,
hatten wir denn eigentlich schon gebetet?“ Sie wissen sich dessen
nicht mehr zu erinnern; so vollständig spurlos sind die oft ge⸗
hörten Worte an ihrem Ohre vorübergeglitten.
Und doch dürfen wir die Gedankenlosigkeit und Unaufmerk⸗
samkeit nicht zu scharf anklagen; denn unser menschlicher Geist
*
ist nun einmal so beschaffen, daß er sich an oft Gehörtes gewöhnt,
daß er sich durch Wiederholungen ein und derselben Worte ab—
stumpft. Selbst nachdenkliche Menschen vermögen einem Spruche,
der jahrelang, jahrzehntelang in gleicher Weise ihr Ohr trifft, ihr
Gemüt nicht in der nämlichen Empfänglichkeit und Aufmerksam⸗
keit offen zu halten, die sie ihm widmeten, als sie ihn zum ersten
Male vernahmen.
Wie finden wir aber den Klang, der alle Tage von neuem
die gleiche Aufmerksamkeit sich einholt? Nun, wenn nicht anders,
dadurch, daß wir zwar täglich das Tischgebet beten, aber immer
nach kurzer Zeit einen andern Spruch wählen. Versucht es ein—⸗
mal, am Mittagstisch oder beim Abendbrot ein neues Tischgebet
zu beten! Ihr werdet staunen, welch neugestraffte Aufmerksam—
keit rings im Kreise ist, wie heute kein einziger zerstreuter Ge—
danke träge abschweift.
Da ist zum Beispiel das würdige, ausdrucksvolle Tischgebet:
„Aller Augen warten auf dich, HErr, und du gibst ihnen ihre
Speise zu seiner Zeit. Du tust deine Hand auf und erfüllest alles,
was lebet, mit Wohlgefallen.“ Dieser Spruch ist dem Psalter
entnommen, in dem sich gewiß auch noch weitere Stellen für unsern
Zweck geeignet erweisen würden, wie zum Beispiel folgende Verse
des 147. Psalms: „Lobet unsern Gott mit Harfen! Der den
Himmel mit Wolken bedeckt und gibt Regen auf Erden, der Gras
auf Bergen wachsen läßt, der dem Vieh sein Futter gibt, den
jungen Raben, die ihn anrufen.“
Sehr frisch und herzlich, wie eine freundliche Einladung an
einen reichbesetzten Tisch voll köstlicher Gaben, scheint mir fol⸗—
gender Spruch zu sein: „Schmecket und sehet, wie freundlich der
HErr ist! Wohl dem, der auf ihn trauet!“ (Vergleiche vor allem
die Tischgebete in Luthers Kleinem Katechismus.)
In manchen Häusern, in welchen es Sitte ist, das Tischgebet
von einem der Kinder sprechen zu lassen, muß dann die Wahl
natürlich auf einen leichtverständlichen Spruch fallen; und hierzu
scheint mir folgendes kurze, zutrauliche Verslein nicht übel zu
passen:
Lieber Gott, laß uns beim Essen
Deiner Güte nicht vergessen!
Bei der kleinen Anregung, welche diese kurze Zeilen bilden
sollen, möge es mit den wenigen angeführten Beispielen sein Be⸗
wenden haben. Gewiß könnte diese kleine Auswahl aus dem Ge—
dächtnis so manchen Lesers noch um weitere wertvolle Tisch—
sprüche bereichert und ergänzt werden; und vielleicht findet gar
hier und da einer seine Freude daran, selbst in der reichen Bibel
nach geeigneten Worten zu forschen. Dies wäre sicher die schönste
Frucht der gegebenen Anregung.
(Ev.⸗luth. Gemeindeblatt.)
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Ein sonderbares Eramen.
Ein junger Mann, der sich bei der Londoner Missionsgesell⸗
schaft als Missionar gemeldet hatte, wurde von ihr behufs Prü⸗
fung an den Pastor Wilks gewiesen. Dieser schrieb dem Aspiran⸗
ten, der eine gute Stunde entfernt wohnte, daß er sich am nächsten
Morgen Punkt sechs Uhr im Pfarrhaus einzufinden hätte. Der
junge Mann stellte sich pünktlich ein, mußte aber volle drei Stun⸗
den warten, bis der Pfarrer erschien. Endlich kam Wilks, näherte
sich dem Kandidaten und fragte: „Sie wollen ein Missionar wer—
den, junger Mensch?“
„Ja, mein Herr.“
„Haben Sie den HErrn IEsum lieb?“
„Ja, ich hoffe es.“
„Haben Sie einige Bildung?“
„Ja, ein wenig.“
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