Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 9 › Seite 142
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. April 1913, Seite 142
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
1
142 S Der „Tutherant
„Gut, ich werde Sie examinieren. Können Sie mir das
Wort Katze buchstabieren?“
Der junge Mann schaute erstaunt den Frager an und wußte
nicht recht, ob er auf diese Frage antworten solle oder nicht. Er
entschloß jedoch, es zu tun, und buchstabierte mit lauter Stimme:
„K⸗a⸗tz⸗e.“
„Sehr gut“, meinte der Pfarrer.
Sie mir noch das Wort Hund.“
Unser Bewerber stand mit offenem Munde. „Nur vor—
wärts“, ermunterte der Pfarrer, „fassen Sie Mut! Sie haben
das erste Wort so gut buchstabiert, daß das zweite sicher auch
gehen wird.“
Der Jüngling bezwang sich und buchstabierte: „H-u⸗-n⸗d.“
„Gut“, sagte Wilks, „ich sehe, daß das Buchstabieren geläufig
Nun wollen wir rechnen. Wieviel macht 2 mal 22“
Diese neue Frage stellte die Geduld des angehenden Missio—
nars auf eine harte Probe. Aber er bezwang sich wieder und
gab die gewünschte Antwort. Darauf wurde er entlassen.
Der Bericht des Pastor Wilks an das Missionskomitee in
London lautete nun folgendermaßen: „Ich kann Ihnen den jungen
Mann aufs wärmste empfehlen. Ich habe mir seine Zeugnisse
angesehen, die seine Bildung und sein gutes Betragen rühmen,
und ich habe ihn einem ganz besonderen Examen unterworfen,
das wenige Kandidaten bestanden hätten. Ich habe seine Selbst—
verleugnung geprüft, indem ich ihn früh aufstehen und herkom⸗
men ließ, und er erschien pünktlich. Ich habe seine Geduld ge—
prüft, indem ich ihn mehrere Stunden warten ließ, bis das
Examen begann, und ich vbersicherte mich seiner Vemut, indem
ich ihm Fragen vorlegte, die seinen Stolz herausforderten. Er
„Und nun buchstabieren
geht.
hat mir ganz bescheiden die Wörter Hund und Katze buchstabiert
und gesagt, daß 2 mal 2 vier ist.
Missionar werden.“
Er wird ein ausgezeichneter
—— —
Der Christen Freiheit und Würde.
Ein Christ ist, in der eigentlichen Bedeutung des Wortes.
frei von allen Gesetzen und durchaus niemandem, weder innerlich
noch äußerlich, unterworfen. Doch sage ich mit ganz besonderem
Nachdruck: sofern er ein Christ ist (nicht sofern er ein
Mann oder ein Weib ist), das heißt, sofern er ein Gewissen hat,
das angetan, geschmückt und reich gemacht ist durch diesen Glau—
ben, durch diesen großen und unermeßlichen Schatz oder, wie
Paulus sagt, diese unaussprechliche Gabe, welche nicht hoch genug
erhoben und gelobt werden kann, weil sie Kinder und Erben Goltes
macht. Daher ist ein Christ größer als die ganze Welt, weil er
diese, wie es scheint, kleine Gabe im Herzen hat; aber diese
(scheinbar! geringe Gabe und Wertsache, die er im Glauben
hält, ist größer als Himmel und Erde, weil Christus größer ist,
welcher diese Gabe ist. Wo nun diese Lehre besteht und un⸗
verletzt bleibt, welche die Gewissen zum Frieden bringt, da wer—
den die Christen zu Richtern gemacht über alle Lehren und sind
Herren über alle Gesetze der ganzen Welt.
(Luther. St. L. A. IX. 183 f.)
Todesanzeigen.
Am 4. April starb in Hochheim, Wis., im Glauben an seinen
Heiland P. Theodor Hoffmann. Er wurde am 19. Okto⸗
ber 1865 zu Margonin in der Provinz Posen geboren. Seine
Eltern gehörten der Breslauer Freikirche an. In seinem neun—
zehnten Jahre wanderte er nach Amerika aus. Im folgenden
Herbst trat er in das theologische Seminar zu Springfield ein,
wo er im Jahre 1891 seine Studien vollendete. Am 21. Aprill
desselben Jahres trat er mit seiner ihn überlebenden Gattin,
Maria, geb. Mühl, in den heiligen Ehestand. Im heiligen Pre⸗
digtamt bediente er etwa ein Jahr lang die Mission in und bei
Superior, Wis. Dann folgte er einem Berufe der Petrige—
meinde bei Theresa, wo er sieben Jahre tätig war. Von da be⸗
rief ihn die Parochie Hochheim, bestehend aus der oberen und
unteren Immanuelsgemeinde in Theresa Tp. Dreizehneinhalb
Jahre war es ihm vergönnt, dort im Segen zu arbeiten. Dort
sollte er aber auch seine Tätigkeit beschließen. Nach einem
Krankenlager von nur einigen Tagen starb er im Alter von
47 Jahren, 5 Monaten und 16 Tagen an Lungenblutung. Am
7. April wurde er unter zahlreicher Beteiligung seiner Amts⸗
brüder in Hochheim zu Grabe getragen. Im Trauerhause spendete
P. C. Zollmann den trauernden Angehörigen Trost, in der Kirche
predigte der Unterzeichnete über 1 Petr. 1, 3—5 a, und am Grabe
amtierte P. F. Eggers. Die Hinterbliebenen sind seine betrübte
Gattin und zehn Kinder. R. Schroth.
Am 31. März entschlief im Glauben an seinen Erlöser
Lehrer H. A. Röglin infolge von Rückenmarkentzündung, wozu
sich zuletzt noch Lungenentzündung gesellte. — Der Entschlafene
wurde am 11. April 1876 in Dramburg, Pommern, geboren.
Als achtjähriger Knabe kam er mit seinen Eltern nach Amerika,
die sich nach zweijährigem Aufenthalt bei St. Peter, Minn., im
Town Waterville, Minn., niederließen. Hier besuchte er die Ge⸗
meindeschule zu Elysian, Minn. Nach seiner Konfirmation sandten
ihn seine Eltern auf das Concordia-College zu St. Paul, Minn
Nach drei Fahren bezog er als Seminarist das Lehrerseminar zu
Addison. Nach abgelegtem Examen im Jahre 1900 nahm er
den Beruf der Immanuelsgemeinde in Minneapolis, Minn., an.
Zwei Jahre später folgte er einem Ruf der Gemeinde in Mount—
ville, Minn. Im Dezember 1911 berief ihn die Dreieinigkeits⸗
gemeinde zu Rochester, Minn. — Am 2. April fand unter großer
Teilnahme von seiten der Gemeinde der Leichengottesdienst statt,
in welchem der Unterzeichnete über Ps. 4, 4 die Predigt hielt.
Tags darauf wurde die entseelte Hülle unter Begleitung von zwei
Vertretern der Gemeinde nach Elysian gebracht und dort von
P. C. Albrecht christlich beerdigt, nachdem auch dort zuvor in der
Kirche ein Leichengottesdienst abgehalten worden war. — Der
Entschlafene erreichte ein Alter von 36 Jahren, 11 Monaten und
20 Tagen. Er hinterläßt nebst seiner tiefbetrübten Gattin fünf
unmündige Kinder. Der liebe Gott tröste die Hinterbliebenen mit
der süßen Hoffnung eines fröhlichen Wiedersehens!
Martin Weinhold.
Ein lieber, treufleißiger Schüler, Albert Frincke, ist
uns durch den Tod entrissen worden. Er starb an Herzrheumatis⸗
mus am 31. März im Pfarrhause zu Monroe, Mich., im Alter
von 14 Jahren und 3 Monaten. Am Sarge redete P. F. Otte
von Detroit über Röm. 8, 11. Am Begräbnistage fand auch
hier in unserer Anstalt eine Trauerfeier statt. M. Lücke.
ra=. . —.ẽ.e ee O.)d9é
Neue Drucksachen.
Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing IIouse, St. Louis, Mo., zu den bei—
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht worrätig.
BOOK OF DEYOTION. Whe Psalms, with Prefaces, Summaries,
and Prayers, for Family Use. Compiled by Vev. F. Ruegele.
Concordia Publishing House, St. Louis, Mo. 282 pages. Price:
Black cloth with stained edges, §1.25; gilt edge, §1.50.
In diesem Andachtsbuch wird jedesmal ein Psalm oder bei längeren
Psalmen ein Teil desselben mit Vorrede, Summa rium und einem kurzen
English translation
Not yet translated.