Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 9 › Seite 138

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. April 1913, Seite 138

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus 4 · Synodalverſammlung 6

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SE Ver „Tutherante

leisten und schon längst geleistet haben; denn ihrer sind ja viele,
wie sie selbst rühmen, so daß sie nach wenig Jahren schon die
Welt regieren wollen, und dazu sind sie auch nicht erst von
gestern her. Daß sie aber Gelder sammeln zur Unterstützung
anderer, hört man nur, wenn sie irgendwo einen sogenannten
Streik zum Siege führen wollen. Wenn ihre Hauptleute
Staatsämter erobern und dann fette Gehälter ziehen, schränken
sie sich dann selbst ein und geben etwa die Hälfte ihrer Ein⸗
nahme her zur Steuerung der Not unter den armen Arbeitern?
Die Geschichte hat davon gewiß bisher wenig berichtet.

Auf die Pastoren haben die Sozialisten besonders ihr Ab⸗
sehen, wenn sie die Kirche anklagen, daß sie den Arbeitern schäd—
lich sei; diese schelten sie als böse Pfaffen und Feinde der Armien.
Mit welchem Recht denn? Freilich, Männer, die sich Priester
oder Prediger nennen, aber wirklich Bauchpfaffen sind, gibt es
ja leider auch; die haben solche Strafe redlich verdient. Aber
alle diejenigen, welche wirklich den Namen christlicher Pastoren
verdienen, die also auch wirklich die christliche Lehre der Kirche,
worum es sich hier handelt, treiben, sind mit sehr wenigen Aus⸗
nahmen im Irdischen sehr gering gestellt, gehören zu den Leu—
ten, die von der Hand in den Mund leben müssen, wie man
sagt, ja, ihrer viele haben ein recht dürftiges Auskommen. Was
Gaben und Ausbildung betrifft, so stehen sie im allgemeinen
auf einer Stufe mit den Arzten, Advokaten und andern Män⸗
nern, die etwas Ordentliches gelernt haben auf hohen Schulen
und für gutes Geld, dazu mit vieler Mühe. Aber wieviel nie—
driger sind ihre Gehälter der Regel nach als die Einnahme
jener Leute! Es gibt keinen Stand auf Erden, der so billig
arbeitet und sich so willig aufopfert für das Wohl anderer als
gerade der Stand der Prediger und Lehrer der christlichen
Kirche. Und zu wem haben die Armen, auch sogar die kirch—
losen und verkommenen Bettler, noch das größte Zutrauen?
Zu wem gehen sie am ersten in ihren Nöten und bitten um
Hilfe? Zu den Pastoren. Wenn nun aber die, welche der
Kirche vorstehen und ihre Lehre predigen, selbst zu den armen
Leuten gehören, wenn sie dabei auch noch öffentlich bekannt
sind als Freunde und Helfer der Armen, wie kann dann die
Kirche darauf ausgehen, die Armen zu unterdrücken und zu
knechten, zu ihrer Ausplünderung die Hand zu reichen? Die
Anklage von sozialistischer Seite ist daher ganz grundlos,
widersinnig und ungerecht. L. Schulze.

Zur kirchlichen Chronik.

Amerika.

Die Zeit der Versammlungen unserer
Distriktssynoden ist gekommen. Vergessen wir nicht die Vor-—
bereitungen auf diese Versammlungen! Die einzelnen Ge—
meinden sollten es nicht versäumen, in ihren Gemeindeversamm—
lungen sich mit den Hauptgegenständen bekannt zu machen, die
ihrer Distriktssynode zur Beratung vorliegen werden, und dann
ihre Delegaten zur Distriktsversammlung wählen. In dem letzt⸗
jährigen Synodalbericht sind alle Hauptgegenstände genannt, und
wo Erklärungen nötig sind, werden die Pastoren solche Er—
klärungen bereitwillig geben. Insonderheit sollten die zur Synode
abgeordneten Delegaten sich im voraus auch mit dem Gegenstand
der Lehrverhandlungen bekannt machen. Es ist ja schon
viel wert, wenn man bei der Distriktsverfammlung das meist recht
ausführliche und gründliche Referat des Referenten hört. Aber

Aus der Synode.

die Lehrverhandlungen werden noch viel interessanter und nütz-
licher, wenn die Delegaten, Pastoren und Laien, sich auf die Lehr⸗
verhandlungen vorbereitet haben und sich an der Darlegung und
Anwendung der heilsamen Lehre beteiligen. Gott segne unsere

Synodalversammlungen zu seines Namens Ehre und zur Aus:

breitung seiner Kirche! F. P.
Zur Einigung der lutherischen Kirche Amerikas. Im Lu-
theran vom 17. April finden sich tresffliche Worte darüber, daß
alle gemeinsame kirchliche Arbeit sich auf den gemeinsamen Glau⸗
ben gründen müsse, der in dem schriftgemäßen Bekenntnis unserer
lutherischen Kirche bekannt ist. Es wird eingeschärft, daß wir
„klar und furchtlos, zur Zeit oder zur Unzeit, den Inhalt des
reinen Evangeliums unsers HErrn und Heilandes IEsu Christi,
wie es von der lutherischen Kirche bekannt wird, laut werden
lassen“. Das sind, wie bemerkt, treffliche Worte. Wenn nach
diesen Worten gehandelt wird, wird die ganze lutherische Kirche
Amerikas bald in der Lehre einig sein und auch überall im ganzen
Lande kirchlich gemeinsam arbeiten können. Hier ist aber, wenn
wir in die Vergangenheit zurückblicken, eine Erinnerung nötig.
Wir müssen unser herrliches, schriftgemäßes Bekenntnis an⸗
nehmen, wie es lautet, und es nicht noch wieder „auslegen“
wollen. Das war in der Vergangenheit bei vielen der große
Fehler, daß sie zwar „auf dem Grunde des Bekenntnisses stehen“,
aber das Bekenntnis so „auslegen“ wollten, daß es mit ihren
eigenen Meinungen oder mit den Meinungen solcher Theologen,
die vom Bekenntnis abgewichen sind, stimme. Das hat gerade
auch D. Jacobs, der die oben angeführten trefflichen Worte in
Philadelphia kürzlich gesprochen hat, früher getan. D. Jacobs
macht in seiner Ausgabe des Konkordienbuchs vom Jahre 1882,
Seite 528, zum elften Artikel der Konkordienformel eine An⸗
merkung, nach der es scheint, als ob er die Lehre von einer ewigen
Erwählung „according to foreseen faith“ in das lutherische Be⸗
kenntnis hineinschieben wollte. Dies ist aber nicht die Lehre
unsers lutherischen Bekenntnisses, sondern die Lehre späterer
Theologen, die in diesem Stück vom lutherischen Bekenntnis ab⸗
gewichen sind. Nach dem lutherischen Bekenntnis ist der Glaube
und der ganze Christenstand, in dem die Christen in der Zeit
stehen, eine Folge und Wirkung ihrer ewigen Erwählung, wie die
Schrift überall lehrt, wo sie von dieser Sache handelt: 2 Tim.

1, 9; 2 Thess. 2, 13; Eph. 1, 3 ff.; Apost. 13, 48; Röm.
8, 29 ff. Wenn wir das Bekenntnis nicht stehen lassen, wie es

lautet, sondern immer erst noch wieder „auslegen“ wollen,
dann ist der „Auslegungen“ kein Ende, und wir fahren bei allen
unsern Bemühungen in alle Richtungen auseinander. Lutheraner
stehen nicht auf Auslegungen des Bekenntnisses, sondern auf
dem Bekenntnis selbst. Gerade wie wir Lutheraner in
bezug auf die Heilige Schrift nicht auf Auslegungen der Schrift,
sondern auf dem Schriftwort selbst stehen, wie Luther
immerfort den Römischen und den Sekten gegenüber ausführt.
Was die Stellung zur Heiligen Schrift betrifft, so verhält sich die
Sache so: Die römische Kirche steht nicht auf der Schrift, son⸗
dern auf der Auslegung des Papstes; die Sekten, insofern sie
von uns abweichen, stehen nicht auf der Schrift, sondern auf der
Auslegung Zwinglis und Calvins. Die lutherische Kirche hin⸗
gegen steht nicht auf der Auslegung Luthers noch irgendeines
andern Lehrers, sondern auf dem Schriftwort selbst. Die
lutherische Kirche hält sich nach dem Wort Christi, Joh. 8, 31. 32:
„So ihr bleiben werdet an meiner (Christi) Rede, so seid ihr
meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen; und die
Wahrheit wird euch freimachen.“ Auf das lutherische Bekenntnis
stellen wir uns, weil das den aufgetauchten Irrtümern gegen⸗
über nicht mehr und nicht weniger als Christi Wort bekennt.

Luthers Rücktehr gewünscht. Angesichls der drohenden Hal⸗
tung, die die römische Kirche unter Anführung der Jesuiten selbst

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