Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 9 › Seite 140
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. April 1913, Seite 140
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Ser 2⁰⁷ utheranee
anständige Welt sich entsetzt, und deren Fäulnis gen Himmel
stinkt, für die christliche Kirche die ernste Aufforderung, ja eifrig
zu sein, aller Kreatur, auch den Verworfensten, das Evangelium
zu bringen. E. P.
Böse Folgen unsinniger Schwärmerei. Aus Hinton, W. Va.,
melden die täglichen Zeitungen, daß die Grand Jury einund⸗
zwanzig Mitglieder der Holy Rollers, einer ganz besonders tollen
Schwärmerbande, in Anklagezustand gesetzt habe wegen einer Ver⸗
schwörung, den Tod eines gewissen David King herbeizuführen.
Weil King es nicht gestatten wollte, daß seine Frau sich den Loby
Rollers anschließe, beteten diese mehrere Male öffentlich, daß Gott
ihn aus dem Wege räumen möge. Und als King einmal in die
Versammlung kam und seine Frau herausholte, wurde ihm von
dem Leiter der Versammlung angekündigt, daß Gott ihn bald aus
dem Wege räumen werde. Bald darauf fand man King tot. Die
Häupter der Sekte leugnen, King zum Tode verholfen zu haben,
leugnen aber nicht, für seinen Tod gebetet zu haben. Nun hat
die Grand Jury sie wohl weniger um ihres gottlosen und mörde—
rischen „Gebets“ angepackt als infolge des Verdachts, daß, wer
so „beten“ kann, auch imstande ist, zur „Erhörung“ eines solchen
„Gebets“ etwas nachzuhelfen. Solche „Gebete“ verraten ja die
Gottlosigkeit dessen, der sie tut; aber dem, gegen den sie gerichtet
sind, sind sie ungefährlich, wenn nicht menschliche Nachhilfe, also
Mord, dazukommt. Von einem solchen gottlosen „Gebet“ stirbt
niemand. Gott der HErr hat ja verheißen, Gebete zu erhören.
Aber er ist keine willenlose Maschine, die in Tätigkeit gesetzt wird,
wenn jemand durch etwas, was der „Gebet“ nennt, auf den Knopf
drückt. Nein, Gott ist ein persönliches Wesen mit Verstand und
Willen, und zwar von großer Weisheit, Gerechtigkeit und Güte.
Der sieht sich alle Gebete erst an. „Das ist die Freudigkeit, die
wir haben zu ihm, daß, so wir etwas bitten nach seinem
Willen, so höret er uns“, 1 Joh. 5, 14. Was gegen Gottes
Gebot angeht, wie hier gegen das fünfte, das ist nicht nach sei—
nem Willen. Da ist das auch tröstlich: „Wir wissen, daß Gott
die Sünder (die Gottlosen] nicht höret“, Joh. 9, 31. Ein Christ
braucht alles Verfluchen, Verwünschen. Bezaubern, Bannen und
„Beten“ der Gottlosen nicht zu fürchten, weil ihre Ausführung
jedesmal durch die Hände des weisen, gütigen und gerechten Got⸗
tes, seines lieben Vaters in Christo, gehen muß, ohne dessen mit
Betteln eingeholter Erlaubnis der Teufel selbst nicht einmal einer
Sau was zuleide tun kann. Matth. 8, 31. E. P.
Ausland.
Zu den Stücken des zweiten Artikels, über die gegenwärtig
in Deutschland heftig gestritten wird, gehört auch das „Geboren
aus Maria der Jungfrau.“ Viele wollen den Satz gestrichen
haben; es sei ja auch doch nichts daran gelegen, ob Christus von
einer Jungfrau geboren sei oder nicht. Aber es gibt doch auch
noch Christen, die mit ganzem Ernst für diese Wahrheit eintreten.
So schrieb ein Prof. Bayer in der „Evangelischen Kirchenzeitung“
von Berlin folgende schönen Worte: „Leider gibt es heutzutage
viele, die zwei Richtungen in der Kirche für berechtigt halten, die
eine mit dem Jungfrauensohn, der von Ewigkeit her beim Vater
war, die andere mit dem Josephssohn, für den es keine Präexistenz
gibt (das heißt, der nicht von Ewigkeit ist. Wir haben aber
ein Evangelium in der Kirche, wir kennen nur ein Christen⸗
tum, das Bekenntnis zu dem dreieinigen Gott, Vater, Sohn und
Heiligem Geist, in dessen Namen zu taufen uns unser Heiland
selber befohlen hat; dieses sein Wort, das Losungswort des Chri⸗
stentums, kann uns keine Wissenschaft rauben. Wir protestieren
dagegen, daß es eine Erfindung von Menschen sei und fälschlich
dem Heiland in den Mund gelegt sei von einem Apostel, der doch
nach seinem ausdrücklichen Worte in alle Wahrheit geleitet ist und
an alles, was Christus geredet hat, erinnert ist. Wir lassen nur
dies eine Evangelium vom dreieinigen Gott, für das Tausende
von Märtyrern ihr Leben gelassen haben, das die rechtgläubige
Kirche durch alle Jahrhunderte festgehalten hat, das auch der falsche
Prophet mit seinem starren Monotheismus nicht hat fällen kön⸗
nen, gelten. Das unantastbare Fundament der Lehre von der
heiligen Dreieinigkeit ist aber die Jungfrauengeburt; wird sie 4
geleugnet, so bleibt ein Monotheismus (die Lehre, daß nur ein
Gott ist! übrig, der nicht mehr Christentum ist, der dem Juden⸗ 4
tum, dem Mohammedanismus ähnlich ist. Darum nennt Luther
die Leugner der Jungfrauengeburt ‚Türken“ und „Heiden“. ..
Wir sündigen zwiefach, wenn wir die Jungfrauengeburt nicht für
das Losungswort des Christenglaubens halten: wir verringern
einmal die Herrlichkeit des HErrn IEsu und berauben ihn seiner
ewigen Gottheit; zum andern brechen wir die Schrift, wir er⸗
klären Matth. 1, Luk. 1 für Legenden; unsere teure Bibel, das
untrügliche Gotteswort, ist dann ein Buch, in dem Wahrheit und
Lüge vermischt ist, aus dem sich jeder aussuchen darf, was er für
Wahrheit hält; damit verlieren wir das Felsenfundament: Es
steyt geschrieben.“ Weil es nun zurzeit so kläglich mit unserm
Glauben steht, daß das lautere Evangelium getrübt und ver⸗
fälscht wird, müssen wir es für unsere heiligste Pflicht ansehen,
laut zu verkündigen, daß wir an den Worten des Apostolischen
Symbolums: „Empfangen vom Heiligen Geiste, geboren von der
Jungfrau Maria“ festhalten. Darum müssen wir auch an andere
die Frage stellen, ob sie bei diesem Bekenntnis bleiben oder nicht.“
„über den mit Spannung erwarteten Ausfall der Kirchen⸗
wahlen in Berlin schreibt der Evang. Kirchl. Anzeiger“: ‚Der
Ausfall der Kirchenwahlen in Berlin weist wieder einen bedauer⸗
lichen Rückgang der Positiven auf. Die Liberalen haben ganz
gewonnen die Auferstehungs⸗, Gnaden⸗, Gethsemane⸗, Luisen⸗
stadt⸗, Christus⸗ und Lukaskirche, halb Kapernaum und Lazarns
und eine gemischte Partei St. Elisabeth. Die Wahl in der Sama⸗
riterkirche ist wegen Stimmengleichheit noch unentschieden. Den
Verlusten stehen positive Gewinne nicht gegenüber. Doch sind die
Positiven in erfreulicher Aufwärtsbewegung in der Bartholo—
mäus⸗, Parochial⸗ und Luisenkirche in Charlottenburg. Für die
Kreissynoden ist das Resultat fast ohne Bedeutung. Die liberale
Mehrheit ist gewachsen in Synode Verlin Stadt J im Osten, er⸗
halten geblieben in Berlin⸗Kölln (Süden) und in Friedrichs⸗
werder II (Charlottenburg und Schöneberg). Die positive Mehr⸗
heit bleibt unangefochten in Berlin Stadt II und III (Moabit
und Norden); sie ist stark bedroht in Friedrichswerder I (Zen⸗
trum und Westen). In der Berliner Stadtsynode haben die
Liberalen ihr Ziel, die positive Mehrheit zu brechen, noch nicht
erreicht: 118 vereinigten Positiven (einschließlich der Mittel⸗
partei) stehen etwa 100 liberale Synodale gegenüber. So kann
die positive Arbeit auch in den folgenden drei Jahren noch getan
werden, zumal der Gewinn der drei neuen Schöneberger Gemein⸗
den, der die positive Mehrheit um neun verstärken wird, mit ziem⸗
licher Gewißheit zu erhoffen steht. In Schöneberg wurden 1620
positive und 1110 liberale Stimmen abgegeben. Die Resultate
aus einigen kleineren Gemeinden standen noch aus. Setzt man
die Zahlen von 1909 ein und zählt man die Zahl der Gemeinden
hinzu, die außerhalb des dreijährigen Turnus gewählt haben, so
stehen 30,021 liberalen Stimmen 25,309 positive und etwa 750
mittelparteiliche gegenüber. Die Zahl der abgegebenen Stimmen
ist gewachsen.“ Möge dieses unter den schwierigen Verhältnissen
der gegenwärtigen Zeit nicht ganz ungünstig zu nennende Resultat
die Positiven zu treuer Weiterarbeit ermutigen!“ — So meldet
die „E. K. Z.“ Für unsere Leser fügen wir noch zur Erklärung
hinzu, daß „liberal“ so viel heißt wie ungläubig und „positiv“ so
viel wie mehr oder weniger gläubig. E. P.
Regelmäßiges Bibellesen. Der König von England hat vor
mehr als dreißig Jahren seiner Mutter das Versprechen gegeben,
täglich ein Kapitel der Bibel zu lesen. Wie gewissenhaft er sein
*
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