Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 9 › Seite 137
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. April 1913, Seite 137
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus 4
SVer „Tuthierantte
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would be just as wrong for you, members of the working
class, as for capitalists. Why? Because life for all of us
now is war without quarter, war for the total abolition of
capitalism, and the practice of the Christian code would
doom you to slavery.“ So schreibt der Sozialist W. T. Brown
in seinem Buche How Capitalism Has Hypnotized Society“,
Seite 26 und 27. Zu deutsch: „Die einzigen Leute, welche
die Sittenlehre des Christentums ehrlich und völlig annehmen
können, sind zufriedene Sklaven. Die Sittenlehre JEsu aber
würde für euch, ihr Glieder der Arbeiterklasse, ebenso verkehrt
sein wie für die Kapitalisten. Warum? Weil Leben für uns
alle jetzt Krieg ist, Krieg ohne Gnade, zur Vernichtung des Kapi⸗
talismus, und die Übung der christlichen Sittenlehre würde euch
verurteilen zur Sklaverei.“ Dies Buch ist herausgegeben von
Charles H. Kerr & Co., Chicago, einem Verlagshaus, das gänz⸗
lich im Dienste der Sozialistenpartei steht. Das Buch wird an—
geführt in einer langen Liste von andern Büchern derselben Art
unter der Überschrift: The Real Socialist Books“, also als ein
echtes sozialistisches Buch. Zur Empfehlung wird noch aus⸗—
drücklich zu der Anzeige hinzugesetzt: „A fearless attack on
so-called moral teachings by which the children of prole-
tarians are induced to oppose the interests of their oπn class.“
„Ein furchtloser Angriff auf sogenannte Morallehre, wodurch
die Kinder des besitzlosen Volks angetrieben werden, den Inter⸗
essen ihrer eigenen Klasse entgegenzuarbeiten.“ Die Schrift hat
also ausgesprochenermaßen den Zweck, die Arbeiter zu belehren
über die Nutzlosigkeit und Schädlichkeit der christlichen Lehre,
damit sie sich davon lossagen, davor hüten. Daher schließt der
Verfasser seine Beschuldigungen, daß das Christentum eine
Sklavenreligion sei, daß alle Tugenden, die es rühme, Sklaven⸗
tugenden seien, daß es den Kapitalisten aber fein dazu diene, die
Lohnsklaven zu hypnotisieren (einzuschläfern), mit dieser Be⸗
merkung, Seite 28: t is for this rœason that there is nothing
more im portant for thρëe worbers of thεe world to Llearn than
t½ù5e hard lesson, the unpleasant lesson, that Cristianity is
utterl) im possible for them ever. Its ethics vilt not uorh.“
Das ist ja deutlich. Das sollen alle Arbeiter der Welt lernen;
es ist für sie nichts Wichtigeres zu lernen, wenn es auch denen,
die doch auch gerne Christen bleiben möchten, eine schwere Lektion
ist, nämlich dies, daß das Christentum für sie stets ummnöglich
sein wird, daß seine Sittenlehre unbrauchbar ist. Und das sagt
nicht irgendein ungläubiger Schwätzer, der sich für einen Sozia⸗
listen ausgibt, sondern das sagt W. T. Brown zur Beförderung
des echten Sozialismus; das ist gedruckt von einer Druckerei —
wie oben genannt —, die es sich seit 1899 zur Aufgabe gemacht
hat, wirkliche sozialistische Schriften zu veröffentlichen; es steht
in einem Buche, das gerade denen, die sich über den Sozialismus
belehren lassen wollen, zum Lesen empfohlen wird; es ist das
zehnte in der langen Liste ähnlicher Bücher, die alle von höchster
Bedeutung, „of first-class importance“, sein sollen.
Was ist nun aber an dieser Beschuldigung, daß die Kirche
die armen Arbeiter unterdrücke, knechte? Es ist durchaus nichts
daran.
Die Führer dieser und jener Gemeinschaften, die Kirchen
genannt werden, die aber mit der rechten christlichen Lehre keinen
Ernst machen, mögen ihre Stellung mißbrauchen, das Volk aus⸗
zusaugen und sich zu bereichern, aber von der wahren Kirche
Christi, die sein Wort hat und bewahrt, ist nichts ferner als dies.
Sie unterdrückt nicht, sondern sie hilft; sie knechtet nicht, son⸗
dern sie macht frei. „So euch der Sohn freimacht, so seid ihr
recht frei“; und er, Christus, wirkt durch die Kirche.
Es ist wahr, die Kirche lehrt, daß nach Gottes Willen neben
Reichen auch Arme sein sollen, daß Gott die Güter dieser Erde
austeilt nach seinem Wohlgefallen, daß er etliche zu Haushaltern
über viel und andere über wenig setzt, gerade wie er auch die
Geistesgaben schenkt, etlichen ein großes Maß, andern ein ge⸗
ringes. Die Kirche macht es nicht wie die Sozialisten, die alle
Armut, alles Elend den Kapitalisten zur Last legen, sondern sie
straft das gottlose Wesen so vieler, die ganz offenbar ihre Armut
und Not selbst verschuldet haben, viele durch Faulheit, viele durch
Spielwut, viele durch Saufen, viele durch Prassen und Schwel⸗
gen, viele durch Unzucht, viele durch andere tolle und unver⸗
nünftige Streiche oder gottlose Werke. Solche Menschen nimmt
die Kirche nicht in Schutz, sondern predigt ihnen Buße, daß sie
sich ändern, bessern und ein neues Leben anfangen sollen, damit
es ihnen danach auch besser gehe. Von dieser Quelle des Elends
unter dem Volke pflegen freilich die Sozialisten nicht zu reden,
davon kann man in ihren Schriften so viel wie nichts lesen. Die
Wahrheit, welche die Kirche lehrt: „Die Sünde ist der Leute Ver⸗
derben“, setzen sie beiseite. Ihre Reden gehen immer darauf hin⸗
aus, daß die Kapitalisten die eigentliche Quelle aller Not und
Armut auf Erden seien, daß die Leute in Wirklichkeit keine
Schuld hätten, sondern daß es alles liege an dem System, welches
herrsche, an dem Kapitalismus. Ja, das System, das böse
System, soll im letzten Grunde alles Unglück in der Welt ver⸗
ursachen. Von der Sünde weiß man nichts, schon das Wort
Sünde vermeidet man sorgfältig. Soll nun die christliche Kirche
auch so reden und lehren? Davor behüte sie Gott! Die gott⸗
losen Armen soll und muß sie strafen, ebenso wie die gottlosen
Reichen.
Aber die unschuldig Armen haben keinen besseren Freund
auf Erden als die christliche Kirche. Für sie hat die Kirche nur
warme Worte der Liebe und des Trostes und der Hilfe. Wie
könnte sie anders? Ist doch ihr HErr und Meister, IEsus
Christus, der ärmste unter allen Menschen geworden, so daß
er auch nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegte. Wer hätte die
Armen je lieber gehabt als er? Die Kirche besteht selbst vor⸗
nehmlich aus dem armen, geringen Volk. Wenig Reiche, wenig
Vornehme, wenig Gewaltige findet man in ihrer Mitte. Wie
sollte denn die Kirche dazu kommen, die Armen zu verstoßen?
Wie sollte sie den reichen Mann, der alle Tage herrlich und in
Freuden lebt, huldvoll in ihre Arme schließen, dagegen den
armen Lazarus vor der Tür liegen und in seinem Elend um⸗
kommen lassen? Nimmer! Die Kirche sorgt vielmehr, soweit
sie das nach den Mitteln ihrer treuen und wahren Glieder
vermag, für die Bedürftigen. Es wird wenig christliche Ge⸗
meinden geben, wo die liebe Armut zu Hause ist, in welchen
keinerlei Armenpflege geübt würde. überall schließen sich die
Christen zusammen, um Waisenhäuser, Hospitäler, Altenheime
und andere Wohltätigkeitsanstalten zu erbauen und zu erhalten.
Nicht bloß Tausende, sondern Millionen von Dollars werden
jährlich allein in unserm Lande von christlichen Gemeinden für
solchen Zweck gesammelt. Alle solche Anstalten sind lautredende
Denkmäler der fürsorgenden Liebe der Kirche für die Armen.
Hierbei möchte man fragen: Wo sind denn die Waisenhäuser
und andere Versorgungsanstalten der Sozialisten? Wenn diese
Leute so gar sehr brennen von Verlangen, den Leidenden zu
helfen, so sollten sie doch wohl auch in dieser Beziehung etwas
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