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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Mai 1913, Seite 149
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72—
. Und ich sahhe cinen Engel —
iegen mitten durch den 74
Himmel, der hatte ein ewig
Evangelium, zu verkündigen
denen, die auf Erden sizen
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mil groher Slimmt:
Lürchten Golt, und geber
ünn die Ehre; denn die Zeit
seints Gerichts ist komnien,
udd betel an den, der gemacht
hal Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser⸗
brunnen.
4.——
Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Zynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkolleginm des theologischen Seminars in St. Louis.
x
69. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 13. Mai 1913.
Nr. 10.
Ach, komm doch in mein Herze,
O werter Heil'ger Geist!
Sei meiner Seele Kerze,
Die sie zum Himmel weist,
Und mach' sie neu und rein.
Ich habe groß Verlangen,
O Geist, dich zu empfangen;
Ach, kehre bei mir ein!
Komm, gib mir neue Stärke
In meinem Christentum
Und heil'ge meine Werke
Zu deinem Dienst und Ruhm.
Ach, mache mich ganz neu,
Daß ich stets bet' und finge
Und nur allein vollbringe,
Was dir gefällig sei.
Komm, heil'ge meinen Willen
Und reiß ihn von der Welt,
Damit ich mög' erfüllen,
Was dir, mein Gott, gefällt.
Ich geb' mich gänzlich dir;
Regiere meine Sinnen,
Mein Leben und Beginnen
Und wohne stets in mir.
Wird sich mein Leben enden,
Daß ich abscheiden soll,
So ist in deinen Händen
Mir auch im Sterben wohl.
Zerrinnt des Lebens Saft,
Daß ich nicht mehr kann beten,
So wirst du mich vertreten
Durch deiner Seufzer Kraft.
J. F. Stark.
—
„Habt ihr den Heiligen Geist empfangen?“
Im 19. Kapitel der Apostelgeschichte wird erzählt, daß
Paulus in Ephesus etliche Jünger fand, denen er die Frage
vorlegte: „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, da ihr
gläubig worden seid?“ Eine merkwürdige Antwort erhielt
der Apostel auf seine Frage. Sie antworteten ihm: „Wir
haben auch nie gehört, ob ein Heiliger Geist sei.“ Danmit woll⸗
ten diese Leute natürlich nicht sagen, daß sie noch nie etwas
vom Heiligen Geist gehört und gewußt, nie gewußt hätten, ob
es überhaupt einen Heiligen Geist gibt. Das müßten sonder⸗
bare „Jünger“ gewesen sein. Diese Leute waren geborene
Juden. Die müßten aber vom Alten Testament auch rein gar
nichts gesehen und gehört haben, wenn ihnen die Nachricht vom
Dasein des Heiligen Geistes eine unerhörte Neuigkeit wäre.
Wird doch gleich im zweiten Vers der Bibel gesagt: „Der Geist
Gottes schwebte auf dem Wasser.“ Selbst Sadduzäer, die da
„sagen, es sei keine Auferstehung noch Engel noch Geist“, Apost.
23, 8, selbst die würden nicht sagen: Wir haben nie etwas von
einem Heiligen Geist gehört. Leute, denen das ein bitterer
Vorwurf war, wenn der SErr sie fragte: „Habt ihr nie ge⸗
lesen? Ihr irret und wisset die Schrift nicht“, die wußten
von so mancher Stelle im Alten Testament, die vom Heiligen
Geist redet. Als der SErr in der Schule zu Nazareth eine
Weissagung des Propheten Jesaias vorlas, die anfängt: „Der
Geist des HErrn ist bei mir“, da war keinem in der Schule die
Stelle neu und unerhört. Das einzig Neue und Unglaubliche
war ihnen, daß der SErr hinzusetzte: „Heute ist diese Schrift
erfüllt vor euren Ohren“, Luk. 4, 18. 21. Juden, die an
dem Psalter ihr Gesang⸗ und Gebetbuch hatten, kannten Ge⸗
bete wie diese: „Nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir“,
Pi. 51, 13, und: „Dein guter Geist führe mich auf ebener
Bahn“, Ps. 143, 10. Diese Jünger in Ephesus waren getauft
„auf Johannis Taufe“, V. 3. Als Jünger Johannis des
Täufers mußten sie aus Johannis Munde auch den Bericht
gehört haben: „Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine
Taube vom Himmel und blieb auf ihm“, Joh. 1, 32. Denn
das sagte Johannes gerade in dem, was er immer sagte, was
seine Hauptpredigt war, sein „Zeugnis“ von Christo, dem er
den Weg bereiten sollte.
Nein, diese Leute meinten die Wundergaben des Heiligen
Geistes. Von denen hatten sie noch nicht gehört, daß die jetzt
da sind. So ist es anch gemeint Joh. 7, 39: „Denn der Hei—
lige Geist war noch nicht da; denn JIEsus war noch nicht ver—
kläret.“ Daß von den besonderen Wundergaben des Heiligen
Geistes die Rede ist, geht auch aus dem Folgenden hervor,
wo es heißt: „Und da Paulus die Hände auf sie legte, kam
der Heilige Geist auf sie, und redeten mit Zungen und weis—
sagten“, V. 6.
„»„Habt ihr den Heiligen Geist empfangen?“ Das ist auch
für uns die wichtige Pfingstfrage. Pfingsten ist ja das Fest
des Heiligen Geistes. Der wurde da gegeben und ausgeteilt.
So erklärt der Apostel Petrus in seiner Pfingstpredigt das,
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