Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 10 › Seite 154

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Mai 1913, Seite 154

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er „Tutherane

des erfreuen, während andere bitteren Mangel leiden, und ist
auch unserer alten, immer noch zu Recht bestehenden Synodal—
ordnung nicht gemäß, bei deren Aufstellung wohl das von dem
hohen Apostel Paulus (2 Kor. 8, 13—15) durch den Geist
Gottes zur Anwendung gebrachte Vorbild mit Recht unsern
Vätern vorgeschwebt haben mag. Was aber jene leider noch
nicht hatten, unsere heutigen Kirchbaukassen, die, als liebe
Schwestern, mit den Missionskassen Hand in Hand gehen, auch
nicht die Allgemeine Kirchbaukasse, die der Missionskasse man—
ches Sümmchen ersparen kann, die wollen wir auch, gleichwie
die Allgemeine Innere Missionskasse, sorgfältig weiter pflegen,
damit beide in immer reicherem Maße denselben gesegneten
Zwecken dienen können.

2. Die Innere Mission in Südamerika.

„Das wichtigste Feld dieses Zweiges unserer Mission ist
Brasilien, ein Land, in welchem päpstliche Finsternis seit Jahr—
hunderten die unumschränkte Herrschaft hatte. Vor dreizehn
Jahren schickten wir einen Kundschafter in jenes Land. Das
war der Anfang; und heute sind dort 30 Prediger, die an
71 Plätzen das Evangelium verkündigen. 46 Schulen- haben
sie schon, in denen 1400 Kinder unterrichtet werden. Durch
die Kontinentalbahn wird es ermöglicht werden, daß bald auch
in Südamerika von Ozean zu Ozean von unsern Boten das Wort
vom Heil in Christo wird gepredigt werden. Aber die Leute
find hier arm, sehr arm; und die KRirche daselbst muß noch man⸗
ches Jahr von uns kräftig unterstützt werden, ehe sie sich zur
Selbständigkeit entwickeln kann.“ So hieß es letztes Jahr.
Die Zahl der Gemeinden und Predigtplätze ist aber jetzt bereits
auf 100 und darüber gestiegen; und nicht nur in Brasilien,
sondern auch in der Nachbarrepublik Argentinien blüht unsere
Mission empor.

Nur ist der Mangel an Reisepredigern, Missionaren und
Gemeindeschullehrern ganz erschrecklich groß, wenn man die
ungeheure Ausdehnung der Arbeitsfelder und die Menge der
zerstreuten, kirchlich verwahrlosten Glaubensgenossen in Betracht
zieht. Obwohl gerade in den letzten Jahren unser Brasilia—
nischer Distrikt aus unsern nordamerikanischen Lehranstalten
wiederholt einen recht erfreulichen Zuwachs an tüchtigen Arbeits—
kräften für seine zum größten Teil noch recht wilden Gegenden
erhalten hat, so dringt doch gerade von dorther immer wieder
die alte Klage herüber: „Was ist das unter so viele?“ Und
unsere Kommissüon muß vor uns allen die Gegenklage erheben:
„Es ist schwer, ganzen Gemeinden und Missionsgebieten auf
ihre Bitte: Sendet uns doch für uns und unsere Kinder Lehrer
der Gerechtigkeit!' antworten zu müssen: ‚Wir können nicht,
wir haben keine Männer, die wir senden können““, wenigstens
lange nicht so viele, wie ihr nötig hättet. Finden wir auch
solche, die bereit wären, ihre Heimat zu verlassen, alle Gaben
und Kräfte ihres Geistes und Körpers in den Dienst der Mission
in jenem fremden Lande zu stellen, so wird ihnen von allen
Seiten zugerufen, daß man gerade solche Männer hier eben—
sosehr wie dort bedürfe usw.

Es war darum gewiß sehr wohlgetan, daß man auch in
Brasilien bereits vor einer Reihe von Jahren auf eine eigene
Lehranstalt bedacht war, die in der Stadt Porto Alegre ins
Leben gerufen wurde, nämlich ein Lehrer⸗ und Predigerseminar,
das letztes Jahr bereits seine ersten Früchte gezeitigt hat, indem
drei Lehramtskandidaten in die Arbeit an Gemeindeschulen ein—

treten konnten. Von den übrigen Schülern der Anstalt wurde

unter anderm gemeldet: „Zwei studieren nun auch fleißig Grie⸗
chisch und suchen sich auch noch die englische Sprache anzueignen,
da sie die Absicht haben, später in eins unserer nordamerika—
nischen Gymnasien einzutreten und ihr Studium in St. Lonis
zu vollenden.“ Wie fleißig unsere lieben brasilianischen Be—
kenntnisgenossen für die nötig gewordenen Neubauten ihrer
Lehranstalt in ihren Gemeinden und Predigtplätzen gesammelt
haben und noch sammeln, auch wie fröhlich sie das Hauptgebäude
am Michaelisfeste letzten Jahres eingeweiht haben, darüber ist
ja in „Lutheraner“ einige Male berichtet worden. Höchst er—
freulich ist es gewiß auch, daß nun bereits ein A nfang gemacht
ist, auch den eingebornen Brasilianern mit dem Wort der reinen
Lehre in ihrer portugiesischen Muttersprache zu dienen. Jüng—

linge heranzubilden, die zu solcher Missionsarbeit befähigt sind,
dazuwird mit Gottes Hilfe auch unser Concordia-Seminar in'

Porto Alegre in nicht allzuferner Zukunft dienen.

Was sollen wir aber nun sagen zu der Erinnerung an die
jammervolle irdische Notlage so vieler unserer armen Brüder
und Schwestern in Südamerika? Herzzerreißend waren ja die

Beschreibungen, die uns sonderlich seit letzten Sommer zu 4

wiederholten Malen vor die Augen gehalten wurden. Wer
hätte dabei wohl kalt oder gleichgültig bleiben können? Leib—
liche Hungersnot! Wie viele oder wie wenige unter uns mögen
dieselbe wohl aus Erfahrung kennen gelernt hahen? Nun
wissen wir ja, daß uns gesagt ist: „Lasset uns Gutes tun an
jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ „Gutes
tun“, ja, das sollen und wollen wir; „Gutes tun“ in leiblicher
Not, in welcher auch die Welt helfen kann; wieviel mehr in
geistlicher Not, in welcher nur wir Christen es können, denen
vertrant ist, was Gott geredet hat, nämlich in den Hunger,
„nach dem Wort des HErrn zu hören“, wovon der SErr durch
den Propheten Amos redet, Kap. 8, 11 ff. Haben wir nun
unsere Herzen nicht zugeschlossen vor der leiblichen Not unserer
armen Glaubensgenossen in Brasilien, wollen wir an ihnen auch
fernerhin „Gutes tun und nicht müde werden“, ihnen zur Be—
schaffung des irdischen Lebensunterhalts behilflich zu sein, wie
viel mehr sollen und wollen wir uns bereitfinden lassen, ihnen
auch in diesem Jahre wieder einen Teil unserer Missionsopfer
(etwa §18,000 mögen wohl nötig sein) zukommen zu lassen,
damit sie an den geistlichen Bedürfnissen, an dem, was zur Er—
bauung ihrer Seelen dient, keinen Mangel leiden, sondern die
Dienste des heiligen Predigtamts hinfort noch reichlicher ge—
nießen mögen, daß das Wort des SErrn bei ihnen laufe und
gepreiset werde wie bei uns. (Vergleiche 2 Thess. 3, 1.) Ge⸗
wiß, ihr geliebten, teuren Brüder und Schwestern in weiter
Ferne! Unserer Fürbitte in dieser Sache dürft ihr versichert
sein, also auch unserer Liebesgaben! Sind doch bereits ge—
nügende Zeugnisse zu uns herübergedrungen, daß wir das gute
Vertrauen zu euch haben können, ihr werdet ja selbst euch schul—
dig erkennen, trotz eurer Armut, nach allem eurem Vermögen
denen allerlei Gutes mitzuteilen, die euch unterrichten mit dem
Wort des ewigen Lebens, und ihr werdet, sobald ihr es ver—
mögt, auf unsere Beiträge zu eurem Gemeindehaushalt gern
verzichten, damit wir dieselben zusammen mit euren Missions⸗
opfern dann wieder andern Bedürftigen zuwenden können.

„Es grüßen euch die Gemeinden in Asien“, schrieb einst St. Pau—

lus an die Korinther. Und wir rufen euch zu: Es grüßen euch
die Gemeinden in Nordamerika, die mit euch fest verbunden sind

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