Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 10 › Seite 157

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Mai 1913, Seite 157

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unglaube 1 · Union 7

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seinen Glauben an den Hauptartikel der christlichen Religion vom
Seligwerden durch den Glauben an Christi Verdienst ohne eigene
Werke bekennt. Morgan hat seinen Kindern auch nach Abzug der
20 Millionen, die er für verschiedene Zwecke testamentarisch ver⸗
macht hat, noch großes irdisches Gut hinterlassen. Aber das beste
Vermächtnis, das er seinen Kindern hinterlassen hat, ist die herz—
liche Ermahnung, unter allen Umständen bei dem seligmachenden
Evangelium von Christo, dem Gekreuzigten, zu bleiben. — Der
andere reiche Mann, der in diesen Tagen wieder die öffentliche
Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, weilt noch unter den Lebenden.
Es ist Andrew Carnegie, der Hauptbegründer der Stahlindustrie
in den Vereinigten Staaten. Sein Reichtum soll den Reichtum
Morgans noch übertreffen, und er hat davon reichlich — man sagt
etwa 175 Millionen Dollars — für öffentliche Zwecke hergegeben.
Aber in dem Herzen und Gewissen Carnegies sieht es ganz schreck⸗—
lich aus. Er weilte vor einigen Tagen in St. Louis bei dem
sogenannten Friedenskongreß und ließ sich über seine Lebens⸗
weisheit (philosophy) von Zeitungsreportern ausfragen. Nach
einem Zeitungsbericht hat Carnegie sich so geäußert: „Meine
Lebensweisheit besteht darin, den Himmel auf Erden zu haben.
Ich wünsche nicht zu sterben und in den Himmel zu kommen. Ich
habe kein Verlangen nach einer von irgend jemand ausgestellten
Fahrkarte in den Himmel. Die Erde ist Himmel genug für mich.
Wenn es mir nur erlaubt wäre zu bestimmen, wie lange ich auf
dieser Erde bleiben könnte, so wären alle meine Wünsche erfüllt.“
Der arme Mann! Er exklärt sich selbst für bankerott. Diese
Erde ist sein Himmel, und doch kann er — das hat er erkannt —
in seinem Himmel nicht bleiben. Er muß, da er 78 Jahre alt
ist, seinen Himmel bald räumen. Wenn Carnegie nicht noch von
seiner „Lebensweisheit“ abkommt — was wir ihm von Herzen
wünschen —, so folgt auf seinen Himmel auf Erden ewiger
Schrecken. Die Schrift kann nicht gebrochen werden, und die
Schrift sagt: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige
Leben; wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht
sehen, sondern der Zorn Gottes bleibet über ihm“, Joh. 3, 36.

In bezug auf Morgans Glaubensbekenntnis in seinem
Testament sagt treffend der Lutheran: „Es ist ein sehr schönes
und ergreifendes Glaubensbekenntnis. Es ist fast eine genaue
Wiedergabe der besten Darstellung der Lehre von der Recht—
fertigung durch den Glauben, die wir haben: „Also hat Gott die
Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle,
die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige
Leben haben“, Joh. 3, 16. Es stimmt sehr schön mit Luthers
unvergleichlicher Erklärung des zweiten Artikels: ‚Ich glaube, daß
IEsus Christus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit ge—
boren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria
geboren, sei mein HErr, der mich verlornen und verdammten
Menschen erlöset hat, erworben und gewonnen von allen Sünden,
vom Tode und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder
Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem
unschuldigen Leiden und Sterben, auf daß ich sein eigen sei und
in seinem Reiche unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Ge—
rechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden
vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit.““ F. P.

Die verschiedenen Kirchen äußerlich zu vereinigen, ohne in
der Lehre einig zu sein, ist bei manchen eine wahre Wut geworden.
Daß verschiedene Kirchen gemeinsame Gottesdienste (union serv-
ices) halten, ist ja nichts Neues mehr. Manchmal kommt es auch
vor, daß Pastoren verschiedener Gemeinschaften ganz brüderlich
miteinander amtieren, wohl sogar mit jüdischen Rabbinern zu—
sammen; und zuweilen tun das sogar Leute, die sich lutherisch
nennen. In manchen größeren Städten bestehen Predigerver—
bindungen, zu denen alle möglichen Prediger gehören, die nicht
einig sind in der Lehre, auch gar nicht versuchen, einig zu werden,

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sondern ängstlich alle Andeutung einer Verschiedenheit in der Lehre
vermeiden. Eine solche Predigerverbindung hat sich kürzlich eine
gehörige Lektion geholt, und zwar von einer Seite, von der sie
so etwas nicht erwartet hatte. Sie hatte einen Unitarierprediger
aufgefordert, ihrer Verbindung beizutreten. Darauf schrieb der
Unitarier an den Einlader: „Mein rechtgläubiger Freund! Ich
muß mich wundern über Ihre Aufforderung, mich Ihrer Pre⸗
digerversammlung anzuschließen. Ich wundere mich darüber,
daß Sie nicht sehen, daß das doch nicht geht. Im gewöhnlichen
bürgerlichen und geschäftlichen Verkehr braucht ja kein Unter—
schied gemacht zu werden; aber mit glaubensbrüderlichem Ver—
kehr steht es doch anders. Sie geben vor zu glauben, daß die
Bibel das unfehlbare Wort Gottes ist, daß IEsus von einer
Jungfrau geboren und wahrer Gott sei, daß er durch seinen Tod
und seine Auferstehung die Welt erlöst habe, daß er wieder—
kommen werde, die Welt zu richten zum ewigen Leben oder zur
ewigen Pein. Nun wissen Sie doch, daß ich alle diese Dinge
nicht glanbe, und Sie sollten wissen, daß Ihr Buch, wie Sie
selbst es auslegen, Ihnen verbietet, mit mir Gemeinschaft zu
haben. Ihr nennt unsere Kirchen und Seminare Brutstätten der
Ketzerei und behauptet zu glauben, daß wir zur Hölle fahren.
Euer Gott ist für mich ein Teufel. Gemeinschaft zwischen ver—
alteter rechtgläubiger und fortschrittlicher, zeitgemäßer Religion
ist eine Narrheit und ein kolossaler Witz. Glauben Sie denn wirk⸗
lich und aufrichtig, was Sie bekennen? Ich muß verständiger⸗
weise Ihre unverständige Einladung ablehnen. Ein Unitarier.“
— Die Unitarier leugnen ja alles das, was die christliche Religion
ausmacht. Aber in diesem Falle war der Unitarier der einzige,
der verständig handelte. Luther sagt auch so oft: Wer seine Lehre
für Wahrheit hält, kann nicht mit denen, die widerwärtige Lehre
führen, in einem Stalle stehen. Er sagte solchen, die um jeden
Preis vereinigen wollen, auch: Ihr scheint eurer Lehre selbst nicht
gewiß zu sein. Er sagt von solchen Leuten: „Er ist ein Wolf
und ein Fuchs, ein Mietling und ein Bauchdiener und darf Lehre,
Wort, Glauben, Sakrament, Kirchen und Schulen verachten und
übergeben. Er liegt entweder mit den Feinden heimlich unter
einer Decke oder ist ein Zweifler und Windfaher und will sehen,
wo es hinaus wolle, ob Christus oder der Teufel obsiegen werde,
oder ist ganz und gar bei sich selbst ungewiß und nicht würdig,
daß er ein Schüler, will geschweigen ein Lehrer heißen solle, und
will niemand erzürnen, noch Christo sein Wort reden, noch dem
Teufel und der Welt weh tun.“ Damit dient man auch der
Einigkeit nicht, sondern verleugnet und verliert auch den letzten
Rest der Wahrheit, den man noch hatte. E. P.

Ein abergläubischer Mißbrauch der Bibel. Bekanntlich küßt
der Präsident unsers Landes bei seiner Vereidigung und Amts⸗
einführung die Bibel. Das meinen wir nicht unter dem aber—
gläubischen Mißbrauch. Aber nun machen es sich neugierige und
abergläubische Leute zur Aufgabe festzustellen, welche Stelle der
Präsident mit seinen Lippen berührt hat, was dasteht, und ob die
Stelle wohl ein gutes oder böses Vorzeichen sei. So wird be—
richtet, daß Präsident Wilson die Stelle Ps. 119, 43 f. geküßt
habe. Manche wissen noch von einer ganzen Reihe von Präsi⸗
denten anzugeben, welche Stellen in der Bibel sie geküßt haben,
und ob sie sich danach gehalten haben, und ob es ihnen danach⸗
ergangen ist. Vielleicht würde diesem Unfug am schnellsten und
gründlichsten ein Ende gemacht, wenn einmal unter Gottes
Fügung eine solche Stelle geküßt würde, bei der den Leuten solche
Betrachtungen vergehen würden. Es gibt solche Stellen.

E. P.

Die Hauptschuld am Wachstum der Sozialdemokratie und
an der überhandnahme des Unglaubens und der Gottlosigkeit in
Deutschland schreibt die „Kreuzzeitung“ mit Recht der modernen
Theologie zu. Sie sagt: „Seit zwanzig Jahren ist mehr als je,
solange die Kirche Christi besteht, in unserm Vaterlande ein fal—

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