Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 10 › Seite 158

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Mai 1913, Seite 158

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unglaube 1 · Verlobung 13 · Welt 8

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158

S Ver V„Tutheranee

sches Evangelium auf den Kathedern der Hochschulen und auf den
Kanzeln gelehrt und gepredigt worden, das unser Volk vergiftet
hat. Christus, der hochgelobte, ewige Gottessohn, der von der
Jungfrau Maria Mensch geworden ist, ist seiner göttlichen Herr—
lichkeit beraubt und zu einem Josephssohn erniedrigt worden.
Damit ist das Fundament, das die Pforten der Hölle nicht über⸗
wältigen können, zerstört; damit ist der dreieinige Gott, zu dem
die Kirche sich von Anfang an bekannt hat, vom Throne ge—
stoßen. . . Kann man sich wundern, wenn nun der Unglaube
in erschreckendem Maße Platz greift? „‚Wenn dein Wort nicht
mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn?' Und wenn diese
angebliche Wissenschaft den Zorn Gottes, den selbst die Heiden
kennen, der sie zu blutigen Opfern treibt, streicht und den heiligen,
eifrigen Gott zu einem schwachen Vater macht, kann es da aus⸗
bleiben, daß sich die Bande der Zucht und des Gehorsams lösen?“

E. P.
P. Heyn von der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin
hat — so schreibt die „E. K. Z.“ — ein erneutes Ärgernis ge⸗

geben. In der „Vossischen Zeitung“ hat er eine Karfreitags- wie
eine Osterbetrachtung geschrieben, in der er allem Hohn spricht,
was in der christlichen Kirche an diesen Tagen gepredigt wird.
In der Karfreitagsbetrachtung schreibt er: „Ihr seid im Rechte,
wenn ihr euch gegen eine Erlösung sträubt, die dem Menschen—
geschlechte dadurch widerfahren wäre, daß ein anderer seine Stra—
fen auf sich genommen hatte. Noch heute rächt sich jede Schuld.
Jeder muß die Folgen seiner Sünde tragen. Niemand hat uns
die Strafe abgenommen; der Mensch muß Manns genng sein,
sie selber zu leiden.. Tatfache freilich ist, daß die Erlösung
des Menschengeschlechtes einen guten Schritt vorwärts getan hat,
seitdem der größte Genius seinem Gott und seinen Brüdern Treue
gehalten bis in den Tod. . . . Dadurch überwindet der Mensch
den Tod, daß er freiwillig sterben geht und getrost zu der ewigen
Macht spricht: ‚Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“
Und in der Osterbetrachtung wagt der Mann zu sagen: „Mag
nian über die Einzelheiten der österlichen Berichte denken, wie
man will — meines Erachtens ist es angesichts der tausend
Dunkelheiten und Widersprüche jener Berichte geradezu eine Ver—
messenheit, zu behaupten, nichts stehe so fest wie dies, daß die
christliche Kirche über dem offenen Grabe des Heilandes erbaut
sei. Aber die Tatsache läßt sich nicht hinwegdisputieren, daß
Christus in den Herzen seiner ersten Jünger eine fröhliche Auf—
erstehung hielt.“ — Der letzte Satz heißt in einfachem Deutsch:
Die Jünger haben sich das bloß eingebildet, daß Christus auf⸗
erstanden sei. Das deutschländische Blatt, dem wir diese Nach—
richt entnehmen, setzt hinzu: „Wo bleiben da die, denen das
Wächteramt in der Kirche anvertraut ist?“ Die werden wohl
meinen, wichtigere Dinge zu tun zu haben, als den Wölfen zu
steuern. Wann werden die Christen sich aufraffen und erkennen,
daß sie das selber viel besser besorgen können und eines solchen
„Wächteramtes“, in dem selbst ineist Wölfe sitzen, nicht bedürfen?

Eine reiche Mitgift.

Ein junger Mann, der sich erst kürzlich verlobt hatte, wollte
diese Nachricht einem alten Freunde selber überbringen. Dieser,
ein gelehrter Professor und ernster Christ, hatte sich in vielen
Dingen eine gewisse Originalität bewahrt und machte nicht gern
viel Worte.

„Mein lieber Sohn“, sagte er, „ich bin sehr erfreut über
diese Botschaft, denn ich hoffe, daß deine Braut alle die Eigen—
schaften in sich vereinigt, die für euer künftiges Glück erforder⸗
lich sind.“

„Gewiß, sie gehört einer sehr angesehenen Familie an.“

L

Der Professor erhob sich stillschweigend, näherte sich einer

schwarzen Tafel, die an der Wand seines Studierzimmers hing,
nahm ein Stück Kreide und schrieb vor den Augen des erstaunten
Verlobten eine Null hin.

„Sie ist schön“, sprach der Jüngling.
zweite Null.

„Sie ist reich.“ Eine dritte Null.

„Sie ist die einzige Erbin eines großen Vermögens.“
eine Null.

„Sie ist sehr gescheit.“

„Sie hat ein bezauberndes Wesen.“
sechste Null an die Wand.

„Ach, ich vergaß Ihnen zu sagen, daß sie ein frommes, gottes⸗
fürchtiges Mädchen ist.“

„Warum hast du mir das nicht gleich gesagt?“ erwiderte
lebhaft der schweigsame Alte, und in freudiger Erregung malte
er eine prächtige 1 vor die Reihe der sechs Nullen, indem er hin⸗
zufügte: „Ohne Frömmigkeit würden die verschiedenen Eigen—
schaften, die du mir aufgezählt hast, dein Glück sehr zweifelhaft
gemacht haben und lauter Nullen gewesen sein; erst die zuletzt
genannte gibt allen andern ihren Wert.“

Der Alte schrieb eine

Wieder eine Null.
Der Gelehrte setzte die

Wie man das Singen verlernt.

Der Evangelist Moody erzählt von einem Besuch, den er ein—
mal bei einem Herrn in England gemacht hat. Er bemerkte da—
bei einen durch sein goldgelbes Gefieder sich besonders auszeich⸗
nenden Kanarienvogel im Käfig und bewunderte seine Schönheit.

Darauf erwiderte der Besitzer des Vogels: „Ja, er ist schön.
Nur hat er leider seine Stimme verloren. Früher war er ein
herrlicher Sänger; aber ich hatte die Gewohnheit, seinen Käfig
vor das Fenster zu hängen. Da kamen die Sperlinge mit ihrem
beständigen Gezwitscher zu ihm heran, und nach und nach hörte
er auf zu singen und lernte von den Spatzen das Zwitschern.
Alles, was er jetzt noch kann, ist zwitschern und zwitschern.“

Moody knüpfte daran die Betrachtung: „Welch passende
Darstellung ist das von so manchen Christen! Einst konnten sie
freudig und fröhlich ihrem HErrn Lob- und Danklieder singen.
Aber sie kamen in zu enge Berührung mit solchen, deren Stimme
nur für die Welt und für oberflächliches Gezwitscher da ist; da
verlernten sie das Singen wie der Kanarienvogel und wissen nun
gar nichts anderes, als zu zwitschern und immer wieder zu
zwitschern.“

—

——

Das Geheimnis der Erfolge des Atheismus.

Dr. Brauer, Professor der Geologie (Erdlehre) an der Uni—
versität zu Berlin, also ein Mann, dessen Urteil auch die Atheisten
(Gottesleugner) anerkennen müssen, nennt „die Trägheit der
Massen in sittlicher Hinsicht“ die Ursache des großen Erfolges des
Atheismus. In seinem Buch „Der Stand unserer Kenntnisse vom
fossilen Menschen“ schreibt er, die Atheisten wiederholt mit ge—
wissen, nicht gerade sauberen Tieren vergleichend: „Das ganze
Geheimnis des grunzenden Behagens, mit dem die Menge die
Lehre des Atheismus so willkommen heißt, liegt in der Trägheit
der Menschen in sittlicher Beziehung begründet. Durch den
Atheismus wird den Massen das Leben in sittlicher Beziehung
so unsäglich bequem gemacht. Sie dürfen nur hinuntersteigen
von der unbequemen Höhe, zu welcher die Menschheit durch die
christliche Religion in sittlicher Beziehung sich entwickelt hat, einer
Höhe, auf welcher der Mensch nur durch Anstrengung weiterkommt.
hinab auf die bequemen Weideplätze, auf denen das Tier sich
wälzt.“

Noch

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