Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 10 › Seite 153
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Mai 1913, Seite 153
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hierbei immer fleißiger mitzuhelfen. Wie denn auch durch den
Propheten Jesaias geschrieben steht: „Hebe deine Augen auf
umher und siehe: alle diese kommen versammelt zu dir. So
wahr ich lebe, spricht der HErr, du sollst mit diesen allen wie
mit einem Schmuck angetan werden und wirst sie um dich legen
wie eine Braut.“ „Hebe deine Augen auf und siehe umher:
diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden
von ferne kommen und deine Töchter zur Seite erzogen werden.
Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz
wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am
Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt“,
Jes. 49, 18; 60, 4. 5.
So wollen denn auch wir, nachdem der Winter wieder
eimnal ausgeschneit, und im Reiche der Natur überall neues
Leben hervorzusprießen begonnen hat, aufs neue unsere Lust
sehen an Gottes großem Tun in der mannigfaltigen Missions⸗
arbeit, die er unserer Synode anvertraut hat, und wollen uns
auch wieder aufmuntern lassen, die angenehme Zeit, in der
er uns noch leben und wirken läßt, je länger, desto eifriger
auszunutzen, damit „allhier auf Erden den Menschen weit und
breit sein Reich bekannt mög' werden zur ew'gen Seligkeit“.
Es gilt ja auch uns heute noch der Zuruf unsers SErrn und
Heilandes: „Hebet eure Augen auf und sehet in das Feld;
denn es ist schon weiß zur Ernte“; und: „Die Ernte ist groß:
aber wenig sind der Arbeiter. Darum bittet den SErrn der
Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende“, Joh. 4, 35;
Matth. 9, 37. 38. Nun also: „Unsere Missionen“ in einem
Überblick! x
1. Die Innere Mission in Nordamerika.
Die Innere Mission, das heißt, die Aufsuchung und
Sammlung zerstreuter Glaubensgenossen, war von Anfang an
und ist heute noch das vornehmste Missionswerk unserer Synode,
die gerade durch dieses Werk (wie durch kein anderes) so wun⸗
derbar erbaut worden ist, daß sie jetzt (soweit die Berichte
lauten) 4061 Gemeinden und Predigtplätze zählt, in denen
bald eine Million Seelen unter geistlicher Pflege durch Gottes
reines Wort und unverfälschte Sakramente stehen, in Einigkeit
des Geistes bedient von etwa 3500 rechtgläubigen Pastoren und
Schullehrern. Ist das nicht etwas Großes und Herrliches?
Wahrlich, wenn jener, der ein Jünger JEsu gescholten wurde,
sprach: „Von der Welt an ist's nicht erhöret, daß jemand einem
gebornen Blinden die Augen aufgetan habe“, Joh. 9, 32, so
können wir auch sagen: Von der Welt an ist's nicht erhöret,
daß Gott solchen Segen über eine kirchliche Gemeinschaft aus⸗
geschüttet habe. Weil der reiche Segen seine Gabe ist, deren
wir nicht würdig sind und dié wir nicht vergelten können, darum
wollen wir auch nicht vergessen hinzuzusetzen: „Nicht uns,
SErr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deine
Gnade und Wahrheit“, Ps. 115, 1.
Sämtliche 22 Synodaldistrikte betreiben das Werk der
Inneren Mission mit rührigem Eifer zunächst innerhalb ihrer
eigenen geographischen Grenzen, etliche derselben, weil ihnen
vor anderen dazu die reichlichste Gelegenheit geboten ist, in
geradezu großartigem Maßstabe und notgedrungenerweise, ohne
jedoch andern ins Gehege zu kommen, sogar weit über ihre
ursprünglichen Grenzen hinaus. Beispielsweise sei hier nur
hingewiesen auf British Columbia (vergleiche das herzbeweg—
liche „Vernon winkt!“ im „Lutheraner“, S. 43 und 47), wo
unsere jüngsten Gemeinden ihre Missionskommission 2000 Mei—
len entfernt in — Minnesota zu suchen haben; sowie auf Kuba
und die benachbarten Inseln, die zwar unserm Südlichen Di⸗
strikt am nächsten liegen, aber — „so nah und doch so fern“!
Kuba insonderheit betreffend, standen ja erst kürzlich, in Nr. 2
und 5 des „Lutheraner“, erfreuliche Mitteilungen zu lesen.
Nicht so umfangreich und weniger in die Augen springend er⸗
scheint die innere Missionsarbeit in manchen andern Distrikten,
deren Gebiete kleiner, oder die schon länger und gründlicher
durchmissioniert sind. Doch lassen sich auch solche Distrikte
weder faul noch unfruchtbar erfinden auf dem Felde der Mission.
Sie suchen und finden vielmehr noch immer wieder hier und
da eine offene Tür, einen schönen Eingang mit dem Worte des
Lebens; sie sammeln und gründen eine neue Gemeinde nach
der andern; sie halten an manchen Orten eine, wenn auch
späte, so doch noch recht erfreuliche Nachlese; sie bauen manch—
mal sogar aus den Trümmern alter, unmöglich oder doch un—
erträglich gewordener Zustände das Haus des HErrn. Und
über das alles lassen sie auch noch einen Teil ihrer Missions—
kollekten in die Allgemeine Kasse fließen, aus welcher diejenigen
Distrikte, welche es bedürfen, die nötige Beihilfe zur Fortfüh⸗
rung und Erweiterung ihres Missionswerkes bekommen sollen.
Gerade bei diesem Punkte tut nun freilich eine Erinnerung
not: daß nämlich alle Distrikte, die es vermögen, sich noch mehr
als bisher dahin bemühen möchten, die Allgemeine Missions⸗
kasse bei Kräften zu erhalten. Denn im letzten Jahre hatte
sie an sehr empfindlicher Entkräftung zu leiden, weil ihr nur
etwas über §19,000 zur Verfügung standen, während nahezu
526,000 begehrt wurden und sehr nötig gewesen wären, um
einzelne Distrikte vor den Schulden zu bewahren, in die sie
leider allzutief geraten sind. Weiteres erklärt folgender Ab—
schnitt aus einem Schreiben der Kommission: „Für unsere Allge⸗
meine Missionskasse sollten wir zum wenigsten §25,000 für das
Jahr 1913 haben. Die Bedürfnisse werden immer größer, da
wir eine größere Anzahl Kandidaten ins Feld stellen können.
Diese gehen meistens in die Missionsgebiete, und daher bedürfen
wir mehr Geld. Unsere neueste Mission in Kuba erfordert auch
bessere Unterstützung. Unser Visitator, den wir nach Kuba
sandten, berichtet uns, daß unsere Mission die beste Aussicht hat,
und empfiehlt dringend, noch einen Pastor und einen Lehrer
nach der Isle of Pines zu senden. Wenn unser Missionar dort
Hilfe hätte, so könnte er die Mission in Havana, wo wir be—
reits immer fester Fuß fassen, besser betreiben. Allerdings ist
diese Mission sehr teuer. Allein die Inkorporation unserer
Synode dort, so daß unser Missionar an Gräbern amtieren
kann usw., kostet uns 5300.00. Das Leben ist auch sehr teuer.
Wenn nur alle Distrikte sich an der Allgemeinen Missionskasse
beteiligen würden! Es würde Geld genug einkommen. Sonst
bleibt uns nichts anderes übrig, als daß wir uns bei Verteilung
der Missionsfestgelder in Reihe und Glied stellen und unsere
Hand hinhalten.“
Ja, aber! Sollte denn nicht die Hand, die der Schreiber
vorstehender Sätze hiermit hinhält, auf die von der Synode
längst geordnete Weise gefüllt werden können? Ist es nicht ein
Werk, das liebe Missionswerk, das wir an allen Ecken und
Enden der ganzen Synode alle gemeinsam treiben? Sollte
darum nicht auch die Not einzelner Distrikte zugleich die Not
aller andern Distrikte sein? Es nimmt sich doch gewiß nicht
fein aus, wenn manche Distrikte sich eines großen Kassenbestan⸗
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