Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 23 › Seite 359

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. November 1913, Seite 359

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wiſſenſchaft 12 · Schöpfung 3

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Geschichten Märchen und Sagen bieten solle.

helfen sie uns zum Gehör.

Veränderungen und Umwälzungen zu haben.

S Ver „utheranesS

359

September vorletzten Jahres wurden zwei weitere Kanäle dem
Betrieb übergeben. Und wenn jene Marsiten nicht gestorben
sind, bauen sie heute noch Kanäle. — In Current Vvents, einem
Kinderblatt, das in manchen öffentlichen Schulen den Kindern
in die Hand gegeben wird, war neulich die Geschichte von den
Kanälen der Marsiten zu lesen. Ungläubige Schullehrer for⸗
dern bekanntlich, daß man der Jugend anstatt der biblischen
Man ist auf dem
besten Wege dahin.

Die braven Atome.

(Nach Büchner & Ko.)

In der Märchenwelt der Wissenschaft gibt es nicht nur
Riesen, sondern auch Zwerge. Wir meinen damit nicht die
Phobositen und Deimositen, die Bewohner der beiden Mars⸗
möndlein, von denen in einem von dem Oxforder Professor
Pritchard warm empfohlenen Handbuch der Astronomie ge—
schrieben steht: „Die größere dieser beiden Welten ist kaum
größer als Paris. . . . Aber wer weiß? Sintemal der Mensch
je eitler ist, je geringer sein Vermögen, so besitzen die win—
zigen, mit Vernunft begabten Wesen, welche

1 zweifellos auf ihrer Oberfläche wimmeln, viel—
leicht auch stehende Armeen, die einander bis aufs Blut be—

kämpfen um den Besitz eines Sandkörnleins.“ Von diesen
Zwergen wollen wir hier aber nicht erzählen, sondern von jenen
viel kleineren, aber ungemein rührigen und zähen Gesellen, die
die Wissenschaft Atome nennt. Das sind so winzig kleine Urstoff—

teilchen, daß man sie mit dem bloßen Auge nicht sehen kann;

ja, erst wenn Millionen auf einem Punkt sich versammeln, kann
man etwas wahrnehmen. In einem Stecknadelkopf sind zum

Beispiel so viele Atome, daß ein Mensch 250,000 Jahre brau⸗

chen würde, sie zu zählen. Diese kleinen Atome sind aber nicht
tote Substanz, sondern sind mit Geist und Leben erfüllt. In
ihnen steckt alle Kraft und Intelligenz, die auf der Welt zutage
tritt. Ihrem Verstand und ihrer Ausdauer verdanken wir alles,
was wir haben. Hören wir, wie unser seliger Professor Lange

einem ungläubigen Verehrer der Wissenschaft diesen Unsinn

unter die Nase rieb — oder eigentlich ans Ohr hängte. Es
kam nämlich die Zeit, da der Mensch Ohren haben mußte. Was
sollen alle diese schönen Märchen, wenn der Mensch kein Ohr
hätte, sie zu hören? So viel größer und komplizierter als der
Stecknadelkopf aber das Ohr ist, so viel mehr Atome mußten
sich bereitfinden lassen, dies zu bilden, sie mußten auch viel ge⸗
scheiter sein als die gewöhnlichen Stecknadelkopfatome. Aber
von allen Teilen des Weltalls kam die erforderliche Zahl ge—
eigneter Atome herbeigeflogen, fand gleich auch ihre rechte
Stelle, bildete kunstgerecht das wunderbar geformte Ohr, und
alle diese sich umschlingenden Trillionen faßten den Entschluß,
bis zum letzten Atemzug treu auszuhalten. Solange der Mensch
lebt, halten diese klugen, selbstverleugnenden, zähen Gesellen
fest, und indem so einer dem andern unter die Arme greift, ver⸗
Ganz die diensteifrigen Zwerge der
Kindermärchen. Wer's nicht glaubt, verliert seinen wissenschaft⸗
lichen Kredit.
Wie die Atome Revolution machten.
(Nach Laplace.)

So beharrlich aber diese Ohrenatome an der bestehenden
Ordnung festhalten, so leicht sind die Atome im allgemeinen für
Es mögen etwa
400 Millionen Jahre her sein, da setzten sie die erste große Ver⸗

änderung ins Werk. Dazumals war der Weltenraum ange⸗
füllt von den ewigen Nebel und Dunst. Die Gelehrten können
uns übrigens darum auch, wenn sie von jener Zeit berichten,
nichts als Dunst vormachen. Aber den Atomen gefiel dieser
Nebeldunst nicht auf die Dauer. So brachten sie ihn dahin, daß
er sich verdichtete und zu drehen anfing. Die ungeheure Kugel
geriet aber bald in eine so schwindelhaft schnelle Drehung (Ro⸗
tation), daß viele Atome ihren Halt verloren, und ein Stück
nach dem andern sprang ab von der Mutterkugel, der Sonne.
Diese Abgesprungenen, die sich auch immer niehr verdichteten
und größere und kleinere Stücke abspringen ließen, fühlten
sich aber immer noch zur Mutterkugel hingezogen und bewegten
sich um dieselbe, und die Revolution der Planeten war fertig.
Die schwächeren Atome klammerten sich an den Merkur, der
eine verhältnismäßig kleine Kreisbahn gefunden hatte, wäh—
rend die stärkeren Brüder den ungeheuer weiten Weg des Nep⸗
tun gehen mußten. Indem aber diese Atome zu revolutionieren
anfingen, bekamen manche auch eine revolutionäre Gesinnung.
Denn während die gesetzesmäßige Bewegung der Himmels—
körper die von Westen nach Osten ist, so haben die Halleyschen
Kometenatome und verschiedene andere die entgegengesetzte Rich⸗
tung eingeschlagen und befinden sich heute noch in einem Zu—
stand der Revolution. Ein Glück ist es, daß auch die Erdatome
sich gegen die ursprüngliche Ordnung aufgelehnt haben. Je
mehr nämlich die Planetenmasse sich verdichtet, desto mehr be—
schleunigt sich nach der festgesetzten Ordnung der Dinge die
Drehung, desto mehr Stücke springen dann aber auch ab, und
wenn unsere Atome sich dem nicht von Anfang an steif und fest
widersetzt hätten, so wäre nicht viel von unserer Erde übrig—
geblieben.
Die kluge Giraffe.
(Nach Darwin.)

Von der Revolution kommen wir zur Evolution. Auf
dem Gebiet der Evolution (der „natürlichen Entwicklung“) hat
die Giraffe ein sonderliches Kunststück vollbracht. Wer hätte
nicht schon ihren langen, geschmeidigen Hals bewundert? Ihr
dürft aber nicht glauben, daß sie immer ein solch nützliches Glied
hatte. Sie hat es auch nicht von ungefähr. Dieser Hals zeugt
vielmehr von einer unglaublichen Ausdauer des Giraffen⸗
geschlechts. In Afrika herrschte einst eine entsetzliche, lang⸗
wierige Dürre. Alles Gras war vertrocknet. Sehnsüchtig blick⸗
ten die Giraffen das saftige Laub der hohen Bäume an, das,
ich weiß nicht, aus welchem Grunde, nicht vertrocknete, aber mit
ihren kurzen Hälsen konnten sie es nicht erreichen. Sehnsüchtig
reckten und streckten sie die Hälse nach dem rettenden Laub, und
wenn auch eine Generation nach der andern dahinstarb, so setz⸗
ten doch die Nachkommen das Sehnen'und Dehnen fort. Und
siehe da, langsam wuchs der Hals, immer länger wurde er, und
endlich war das ersehnte Ziel erreicht: die Giraffe weidet zwi⸗
schen den Mimosenästen und zeigt uns stolz ihren langen Hals.
Warum wollt ihr's nicht glauben? Hat sich der Affenschwanz
verkürzt, so erfordert das Gleichgewicht der Dinge, daß sich der
Giraffenhals verlängert.

Diese Geschichten erzählen uns Männer der Wissenschaft
als teils gewisse, teils ziemlich gewisse Wahrheit. Und viele
sprechen: Was uns die Bibel von der Schöpfermacht Gottes
berichtet, ist unglaublich; wir halten es lieber mit der Wissen—
schaft. Denen sagen wir: Da ihr euch für weise hieltet, seid ihr
zu Narren geworden. E.

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