Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 23 › Seite 365
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. November 1913, Seite 365
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Feststimmung erfüllte aller Herzen und fand ihren Ausklang in
den verschiedenen Festgesängen und Solos, die zum Vortrag
kamen. Die Kollekte wurde zur Abzahlung auf die kleine Orgel
bestimmt, welche die Gemeinde bestellt hat. Ein gemeinschaftliches
Mittagsessen vereinigte dann alle, bis es Zeit wurde zur Ge—
meindeversammlung. Es wurden drei neue stimmberechtigte
Glieder aufgenommen, so daß wir jetzt hier 21 zählen. Vor
allem aber wurden unsere Finanzen besprochen. Wir haben hier
tief in Schulden gehen müssen und haben noch §450.00 für
Baumaterial abzutragen. Unsere eigenen Mittel aber sind völlig
erschöpft. Wir haben bauen müssen, sobald wir die Nach⸗
richt erhielten, daß wir einen Vikar für diese Schule von St. Louis
bekommen würden; denn ein anderes Gebäude hätten wir hier
nicht mieten können. Im Vertrauen auf Gott, unsern HErrn,
sind wir an diesen Bau gegangen, der gewiß in der Heimat vieler
Herzen willig machen und lenken wird, daß sie uns in unserer
Not mit ihren Scherflein beistehen. In der Versammlung kam
es auch zur Sprache, wie kümmerlich wir hier vor nun bald zwei
Jahren mit nur wenigen angefangen haben mit dem ersten Gottes⸗
dienst im Freien. Nun hat uns der treue Gott zu einem eigenen
Heim geholfen. In der Schule sollen auch vorläufig unsere
Gottesdienste abgehalten werden. Sie hat ein großes Zimmer
mit sechs Fenstern, die aber kein Fensterglas haben, sondern nur
Holzklappen, die bei Sturm oder Regen geschlossen werden können,
Orgel, Schulbänke, Kanzel und einen einfachen, aber schönen
Altar, den ein Glied der Gemeinde aus besonders gutem Holz
gebaut hat. Hinter der Schule ist eine Veranda und ein Zimmer
als Lehrerwohnung angebaut. Ein kleiner Turm ziert das Ge—
bäude. Die Glocke fehlt noch. Der Anstrich ist in brauner
Kreosotfarbe. Die Treppen sind von Zement. Der Schule Zierde
und herrlicher Schmuck ist das reine Gotteswort. Darum ist sie
eine Wohnung Gottes. — Den Kirchbau in Santa Fe haben wir
verschieben müssen, da die erwartete Hilfe aus unserer Synode
bis jetzt noch ausgeblieben ist. Möge der treue Gott doch bald
vieler Herzen willig machen, damit wir in Santa Fe auch ein
Heim für die Gemeinde bekommen!“ G.
Furchtbare Gotteslästerung. Die Ungläubigen Deutschlands
haben ein eigenes „Komitee Konfessionslos“, das heißt, Leute,
die die Aufgabe haben, mit allen Mitteln den Leuten das Chri⸗
stentum zu verleiden und sie zum Massenaustritt aus der Kirche
zu bewegen. Was die an Gotteslästerung fertigbringen, zeigt
folgende Auslassung eines amtlichen Blattes dieses Komitees, ge—
nannt „Der Weg der Jugend“ und für die Jugend bestimmt:
„Eigenartig: ein Wurm, der getreten wird, krümmt sich. Der
liebe Herrgott tut nicht dergleichen, trotz Dreschflegel, Heugabel,
Flederwisch und Stinkbombe. Er sitzt gemütlich auf seinem
Throne, schmaucht sein Pfeifchen und verkörpert so recht aus
tiefstem Herzensgrunde den internationalen Humor (nach der
Zeichnung von Thomas Theodor Heine). Was er dabei denken
mag, liegt mir fern, ergründen zu wollen. Schließlich wäre das,
was er denkt, eine Gotteslästerung (nach Auffafsung des königlich⸗
preußischen Oberstaͤatsanwalts). Kurz und gut, er fühlt sich an⸗
scheinend sehr mollig bei den Hieben, die man ihm appliziert, greift
absolut nicht zu dem Weltgedonner und auch nicht zur Sintflut,
um uns mit Heuschrecken und Kamelen zu überschwemmen. Es
wird hohe Zeit, daß der Herrgott endlich selbst das Wort zur
Klärung der verzwickten Situation ergreift. Denn es handelt
sich für ihn um Sein oder Nichtsein.“ — Der arme Mensch, die
nichtige Kreatur, fordert Gott heraus zu zeigen, daß er da ist,
und wundert sich, daß Gott nicht dreinschlägt, wo er doch so gegen
ihn tobt. Es muß bei einem solchen Gottlosen dasselbe Hoch⸗
gefühl sein, das sich findet bei dem armen Hunde, der den Mond
anbellt und sich wundert, daß der Mond das aushalten kann und
nichts dagegen tut. Die ganze für den Fall nötige Belehrung
daß nichts dagegen zu sagen wäre.
gibt der 2. Psalm. Er sagt, das Toben und Reden der Leute
ist vergeblich, V. 1. Er sagt, wie Gott sich dazu stellt: „Aber
der im Himmel wohnet, lachet ihrer, und der HErr spottet ihrer“,
V. 4. Wie das enden wird, sagt er auch: „Er wird einst mit
ihnen reden in seinem Zorn und mit seinem Grimm wird er sie
schrecken“, V. 5. Das Verständigste, was da die Leute tun
können, ist, daß sie sich weisen und züchtigen lassen, V. 10, Buße
tun und an Christum glauben, damit sie dem ewigen Verderben
entgehen. „Küsset den Sohn, daß er nicht zürne, und ihr um—
kommt auf dem Wege; denn sein Zorn wird bald anbrennen.
Aber wohl allen, die auf ihn trauen!“ V. 12. E. P.
Gegen den Kinobesuch der Schüler hat der preußische Kultus⸗
minister in einem Runderlasse sich gewandt, in dem es heißt:
„Die Kineniatographen-Theater haben eine solche Verbreitung
gefunden, daß schon in dem hierdurch veranlaßten übermäßigen
Besuch von Veranstaltungen, durch den die Jugend vielfach zu
leichtfertigen Ausgaben und zu einem längeren Verweilen in ge⸗
sundheitlich unzureichenden Räumen verleitet wird, eine schwere
Gefahr für Körper und Geist der Kinder zu befürchten ist. Viele
dieser Lichtbildbühnen wirken auf das sittliche Empfinden dadurch
schädigend ein, daß sie unpassende und grauenhafte Bilder vor-
führen, die die Sinne erregen, die Phantasie ungünstig beein—
flussen und deren Anblick daher auf das empfängliche Gemüt der
Jugend ebenso vergiftend einwirkt wie die Schmutz- und Schund⸗
literatur. Das Gefühl für das Gute und Böse, für das Schick⸗
liche und Gemeine muß sich durch derartige Darstellungen ver—
wirren, und manches unverdorbene kindliche Gemüt gerät in
Gefahr, auf Abwege gelenkt zu werden. Aber auch das ästhetische
Empfinden der Jugend wird auf diese Weise verdorben, die Sinne
gewöhnen sich an stärkere, nervenerregende Eindrücke, und die
Freude an ruhiger Betrachtung guter künstlerischer Darstellungen
geht verloren. Diese beklagenswerten Erscheinungen, die sich auf
kleine Orte erstrecken, machen es zur Pflicht, geeignete Maßregeln
zu treffen, um die Jugend gegen die von solchen Lichtbildbühnen
ausgehenden Schädigungen zu schützen. Hierher gehört vor allem,
daß der Besuch der Kinos denselben Beschränkungen unterworfen
wird wie andere Theater und so weiter. Hierauf soll mit Strenge
gesehen werden.“ — Was man in Deutschland Kinos nennt, ist
dasselbe, was wir hier als maving picture shows kennen. Selbst⸗
verständlich können solche Vorstellungen so eingerichtet werden,
Aber es wird da, wie in den
andern Theatern, geboten, was das Publikum haben will und was
sich bezahlt. Da läßt sich erwarten, daß da meist Bilder zur
Darstellung kommen, die, wie der Kultusminister sagt, das Gefühl
für das Gute und Böse, für das Schickliche und Gemeine ver—
wirren und das kindliche Gemüt auf Abwege lenken.
— ——
(Eingesandt.)
Ein Gespräch über Kirchengehen.
„Guten Abend, Nachbar! Wieder ist ein Kirchenjahr zur
Neige, und du bist noch immer derselbe wie früher.“
„Was meinst du, Wilhelm, mit dem Wort „derselbe?“
„Nun, du hast mir ja immer gesagt, wenn du älter würdest,
dann würdest du auch anfangen, zur Kirche zu gehen.“
„Ja, das Jahr ist dahin, aber ich konnte mich noch nicht dazu
entschließen.“
„Und dürfte ich vielleicht fragen, was dich zurückhält?“
„O da ist mancherlei. Einmal gefällt mir manches an eurem
Pastor nicht.“
„Das ist doch keine Entschuldigung; denn jeder Mensch hat
seine Eigentümlichkeiten. Die Bäcker haben auch alle ihre Eigen—
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