Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 23 › Seite 362

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. November 1913, Seite 362

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S er „utheraner

Vizepräses über das große Werk der Allgemeinen Synode, über
ihre Missionen und deren Bedürfnisse, folgte die Synode mit
großer Aufmerksamkeit. Im Anschluß an dessen Bericht über
den Stand der vornehmsten Kassen: die Synodalkasse, die Bau⸗
kasse und die Innere Missionskasse, erfolgte eine lebhafte Be⸗
sprechung der Frage, wie diese Kassen so versorgt werden könn⸗
ten, daß sie den nötigsten Anforderungen gerecht würden. Ein
zur Beratung dieser Angelegenheit eingesetztes Komitee machte
beachtenswerte Empfehlungen. Das Resultat der Verhand—
lungen hierüber wird der Synodalbericht genau wiedergeben.
Einer Empfehlung der Gemeindedelegaten, bei der nächsten
Allgemeinen Synode um Gründung einer Emigrantenmission
an der Pacificküste unsers Landes nachzusuchen, schenkte die
Synode gerne Gehör und beschloß, einen solchen Antrag zu
stellen. Auch eine weitere Empfehlung derselben erhob die
Versammlung zum Beschluß: ein der Missionskommission unter⸗
stelltes Informationsbureau einzusetzen, das Glaubensgenossen,
die in den Kreis unsers Distrikts zu ziehen gedenken, An⸗
gabe macht über die Orte, wo sie Kirche und Schule finden
können.

Am meisten Zeit aber nahm in Anspruch das Missions⸗
werk unsers an Terrain so großen Distrikts und unsere Anstalt
in Oakland. Das Missionswerk fordert jetzt §10,000 pro
Jahr, wovon der Distrikt mehr als zwei Drittel selbst auf⸗
bringen muß. Zur Zeit der Synode mußte bekanntgegeben
werden, daß in den letzten beiden Monaten die Mittel nicht
ausgereicht hätten. Man sah diesem traurigen Tatbestand fest
ins Auge, forschte nach der Ursache der erhöhten Auslagen
(fand sie in der nötigen Besetzung neuer, wichtiger Missions⸗
felder, in dem verminderten Zuschuß aus der Allgemeinen
Missionskasse und in den großen Ansprüchen auf die Baukasse)
und beriet sich ernstlich darüber, wie etwa die Auslagen ver⸗
mindert, die Einnahmen aber aus den selbständigen Gemein⸗
den und den alten Synodaldistrikten erhöht werden könnten.
Die Synode faßte endlich den Beschluß, die Missionskommission
zu ermuntern, bald jede Missionsgemeinde zu besuchen, ihr die
Lage der Dinge vorzustellen und sie zu fragen, ob ihr Beitrag
zum Unterhalt ihres Missionars nicht ein wenig erhöht werden
könne.

Unserm California⸗Concordia⸗College widmete die Synode
nicht ungerne längere Zeit. Die Aufsichtsbehörde legte in
einer Eingabe die Notwendigkeit eines neuen Anstaltsgebäudes
mit solch überzeugender Begründung vor, daß die Synode ein⸗
stimmig die Errichtung eines solchen beschloß. Ein großes Maß
der Freudigkeit zu diesem Beschluß brachte den Synodalen das
große Geschenk, welches die Lutheran Educational Society of
California der Synode kurz zuvor gemacht hatte. Die Gesell⸗
schaft überlieferte nämlich der Synode den deed zu einem in
Oakland gelegenen 4.7 Acker großen, für den Bau einer Lehr⸗
anstalt bestimmten Grundstück, das sie für §11,500 erworben
hatte. 535,000 bewilligte die Synode für den Neubau auf
diesem Grundstück, ermächtigte auch die Trustees der Anstalt,
das alte Eigentum zu veräußern und einen Vertreter zu allen
Gemeinden zu senden, um Gelder für den Neubau zu sichern.

Nachdem alle vorliegenden Geschäfte erledigt waren, wurde
die Synode am Mittwochabend geschlossen. Die nächste Syn⸗
ode soll, will's Gott, in Oakland stattfinden.

A. Hansen.

Versammlung des Westlichen Distrikts.

Zu ungewohnter Zeit, in den heißen Tagen vom 20. bis
zum 26. August, versammelte sich der Westliche Distrikt in der
Zionskirche zu St. Louis. In dem üblichen Eröffnungsgottes⸗
dienst hielt der Allgemeine Vizepräses J. Strasen die Predigt
über 1 Kor. 16, 13. Am Nachmittag verlas Präses J. Bern⸗
thal seine Synodalrede und den Präsidialbericht. Anwesend
waren 321 Synodale, während 68 fehlten. Es wurden im gan⸗
zen zehn Sitzungen abgehalten, die von dem erwählten Kaplan,
P. Wenger, mit einem liturgischen Gottesdienst eröffnet wurden.

In den Vormittagssitzungen legte Prof. Mezger sein Refe⸗
rat vor über „Die Christen als Arbeiter in Gottes Reich“. Der
rechte Grund wurde gelegt, indem zuerst die Arbeiter be⸗
schrieben wurden, die Christen. Das sind nicht Leute, die unter
lauter Gesetzeszwang aus Furcht vor der Hölle, und um sich die
Seligkeit zu verdienen, eine saure Arbeit tun, sondern Leute,
die ihr Gott und Heiland ohne alle ihr Tun so selig gemacht hat,
und die nun aus Liebe und Dankbarkeit mit Lust und Liebe die
Arbeit tun, die ihr gnädiger Heiland von ihnen getan haben
will. Ihre Arbeit ist dies eine: Gottes Reich auf Erden aus⸗
breiten zu helfen, und ihr Werkzeug ist Gottes Wort, besonders
das Evangelium. Das ist zugleich eine mannigfache
Arbeit: Arbeit an sich selbst, in ihren Häusern, in der Gemeinde,
an den Brüdern und an denen, die draußen sind, die Arbeit,
die sie als Synode betreiben, die mancherlei Missionen.
ist die köstlichste Arbeit, die es gibt; und wenn sie auch dem
Fleisch der Christen unangenehm ist, und sich mancherlei Hinder—
nisse in den Weg stellen, so schöpfen die Christen doch immer
wieder Lust und Freudigkeit aus dem, was Gott an ihnen ge—
tan hat, und wissen, sie haben den auf ihrer Seite, dem alle Ge⸗
walt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Und in Aussicht
steht obendrein noch ein herrlicher Gnadenlohn. In unserer
Zeit, wo der Arbeit immer mehr wird und das Fleisch nicht
frömmer geworden ist, kann das Referat den Christen heilsame
Ermunterung bringen und sie vor Müdigkeit bewahren, daß
sie fröhlich wirken, solange es Tag ist.

Die Synode hatte die Freude, Glaubensbrüder aus fernen
Ländern in ihrer Mitte zu haben und aus ihrem Munde zu
hören, wie bei ihnen das Werk des HErrn gedeiht. Präses
Kunstmann von Dresden, Sachsen, gab einen Überblick über
Entstehung und Wachstum der Deutschen Freikirche. Was ihre
Arbeit schwer macht, ist der Umstand, daß ihre kleinen Gewein⸗
den so weit zerstreut sind, daß sie keine Gemeindeschulen haben
dürfen, und daß der Austritt aus der Landeskirche umständlich
und kostspielig ist. — Prof. Gräbner von Australien überbrachte
die Grüße seiner Synode, die nicht eine Tochter, sondern eine
Schwester unserer Synode ist. Um dieselbe Zeit, da die Väter
unserer Synode in dieses Land einwanderten, zogen Lutheraner
nach Australien und legten da den Grund zu der jetzt dort
blühenden Kirche. Ihre Hauptfreude ist ihre Lehranstalt, aus
der sie die ersten Zöglinge ins kirchliche Amt entlassen konnten.

Die Kommission für Innere Mission des Distrikts berich—
tete, daß auch in unserm Distrikt noch Raum sei für Innere
Mission; in der Hälfte der Counties des Staates Missouri haben
wir keine Gemeinden. Die Kasse bedarf wenigstens 58000.00
das Jahr, da unser Distrikt einer von denen ist, die den großen
Missionsdistrikten des Nordwestens von ihrem Überschuß ab⸗
geben sollten.

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