Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 23 › Seite 363
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. November 1913, Seite 363
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SVer Tutherane
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P. J. A. Friedrich berichtete über die Heidenmission in
Indien. Für das Bergheim, für das die Gaben so schnell und
reichlich geflossen sind, fehlt noch ein Lehrer und Verwalter. In
Nagercoil hat man ein Seminar angefangen zur Ausbildung
christlicher Katecheten und Lehrer aus den Eingebornen. Auch
die ärztliche Mission ist in Angriff genommen worden.
Das Allgemeine Präsidium legte den üblichen Bericht ab
über den Stand der Synode und machte besonders aufmerksam
auf den traurigen Stand der Synodalkasse. Im Anschluß dar⸗
an wurde der Vorschlag einer Synodalgemeinde, die ein aus⸗
führliches System für das geordnete Einsammeln der nötigen
Gelder vorschlug, besprochen. Die Synode hielt den vorge—
schlagenen Plan für zu schwerfällig und beschloß, bei den
Detroiter Beschlüssen zu bleiben und diese auszuführen.
über unser Gymnasium in Concordia wurde berichtet, daß
dessen Schülerzahl von Jahr zu Jahr steige. Das von der
Synode beschlossene Hospital ist gebaut worden, muß aber ge⸗
braucht werden, um den Schülern Schlafraum zu gewähren.
Die Anstalt wird die nächste Delegatensynode um ein ferneres
Gebäude bitten. Auch wurde darauf aufmerksam gemacht, daß
in Concordia keine Turnhalle ist. Es wurde beschlossen, daß
der Westliche Distrikt mit Genehmigung der Allgemeinen Auf⸗
sichtsbehörde den Bau einer Turnhalle in Concordia in die Hand
nehme. Die Ausführung soll Direktor Käppel, der Concordia⸗
Aufsichtsbehörde und der Allgemeinen Aufsichtsbehörde über⸗
lassen sein.
Kassierer Waltke berichtete eine Jahreseinnahme von
540,437.40. Auch wurden Berichte abgelegt über Taubstum⸗
menmission, Negermission, Stadtmission, Kirchbaukasse und
über die Kasse für arme Studenten.
Als Vertreter des Distrikts bei der nächstjährigen Synodal⸗
konferenz wurden gewählt: Prof. F. Bente (Ersatzmann: P. J.
H. Ehlers), P. H. A. Klein (P. O. R. Hüschen), Präses J. J.
Bernthal (P. M. J. Brüggemann), Lehrer G. H. Runge
(Lehrer A. Eichmann), Lehrer G. Windisch (Lehrer G. Hen—
nig), Herr C. Kellermann (Herr M. Heinicke).
Als Wahlbehörde werden der Delegatensynode vorge—
schlagen: für St. Louis: PP. J. A. Friedrich, Fr. Brust und
W. Behrens; für Concordia: PP. L. J. Schwartz, J. Roschke
und H. A. Klein.
Die Schulpredigt hielt P. G. Hilpert, die Pastoralpredigt
P. C. Zöllner. Am Sonntagabend fand die Abordnung der
neuen Heidenmissionare O. Ehlers und J. Williems statt, wo⸗
bei P. J. H. Ehlers die Predigt hielt.
Den Gemeinden in Nord-St. Louis, die die Einquartie⸗
rung übernommen, und den Frauen, die das Mittagessen be—
sorgt hatten, wurde der Dank der Synode votiert.
Die Gemeinde in St. Charles lud die Synode ein, ihre
nächste Sitzung in ihrer Mitte abzuhalten. Die Zeit der Sitzung
soll der einladenden Gemeinde und unserm Präses überlassen
bleiben. E. P.
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Aus unserer Judenmission.
Noch immer agitieren die Agenten der jüdischen Anti—
missionsliga gegen unsere Judenmission in New Nork. Wohl
schien es eine Zeitlang, als sei ihrem Handeln gesteuert. Ein
Richter hatte ihr Treiben endlich verurteilt. Als vor einem
Abendgottesdienst eine jüdische junge Weibsperson einen Be⸗
sucher unserer Mission am Arm faßte, um ihm mit Gewalt
den Eintritt zu verwehren, und, als ihr das nicht gelang, ihn
mit einem häßlichen Schimpfwort beleidigte, ließ der so An⸗
gegriffene sie verhaften. Obwohl der Gerichtssaal gedrängt
voll Juden war und ein Rechtsanwalt der Liga als Verteidiger
erschien, gab der Richter der verhafteten Person erst eine Lek⸗
tion über Religionsfreiheit; er erklärte, daß es hierzulande
jedermann freistehe, irgendeine anständige Versammlung zu
besuchen, und daß niemand dabei belästigt, noch viel weniger
beleidigt werden dürfe. Endlich stellte er sie für zwei Monate
unter die Aufsicht eines Probationsbeamten. Doch die Hoff⸗
nung, daß diese Lektion etwas helfen würde, hat sich nicht
erfüllt. Als der Missionar am 9. Oktober das Missionslokal
betreten wollte, fand er sämtliche Fensterscheiben, soweit Men⸗
schenhand reichen konnte, zerschlagen, und die starke Tür durch⸗
brochen. Man wollte es dem Missionar unmöglich machen, am
Jom Kippur, dem großen Versöhnungstage, Gottesdienste ab⸗
zuhalten. Neue Glasscheiben wären wieder zerbrochen worden.
Deshalb ließ der Missionar die unteren Hälften der Fenster
mit Blech beschlagen. Am Abend des 10. Oktober, dem Be—
ginn des Versöhnungstages, stellten sich schon um ein Viertel
vor sieben Uhr so viele Juden ein, daß der Missionar Gottes⸗
dienst halten und ihn um 8 Uhr wiederholen mußte. Er pre⸗
digte auf Grund von Joh. 3, 16 über die große Versöhnung,
die durch IEsum Christum geschehen ist. Alle Versuche der
Agenten der Liga, die vor dem Missionslokal stark vertreten
waren, die Juden vom Eintritt in die Mission abzuhalten,
schlugen fehl. Die Einlaßkarten zu ihren Synagogen, die an
diesem hohen Judenfeste viel Geld kosten, wurden den Be⸗
suchern der Mission frei angeboten, aber von diesen zurückge⸗
wiesen. Zwei Polizisten sorgten dafür, daß die Besucher der
Gottesdienste beim Hinausgehen nicht beleidigt werden durften.
Ist es nicht wunderbar, daß trotz alles Wütens der Antimis⸗
sionsliga noch immer so viele Juden zu den Missionsgottes⸗
diensten kommen?
Die meisten der jetzt einwandernden Juden kommen aus
dem Osten Europas. Tausende landen hier in jeder Woche.
Sie reden die sogenannte jiddische Sprache, deren Grundlage
merkwürdigerweise die deutsche Sprache ist, verflochten mit
hebräischen Wörtern und Wörtern derjenigen Landessprache,
die in ihrer Heimat gebraucht wurde, besonders mit der pol⸗
nischen Sprache. Hier mischen sich dann noch englische Wörter
mit ein. Sie wird mit lauter hebräischen Buchstaben geschrie⸗
ben. Diese jiddische Mischsprache ist es nun, die sich hier zur
allgemeinen Judensprache herausgebildet hat. In derselben er⸗
scheinen die jüdischen Zeitungen, deren mehrere über hundert⸗
tausend Leser haben; in ihr werden die jüdischen Unterhal⸗
tungsbücher gedruckt; in ihr reden die Schauspieler in den
dichtbesetzten jüdischen Theatern. Die Juden sind stolz darauf,
daß diese ihre Mischsprache hier in New Vork eine solche Macht
geworden ist, daß selbst die obrigkeitlichen Erlasse, Warnungs⸗
tafeln usw. neben der englischen, deutschen und italienischen
auch diese ihre Sprache in hebräischen Buchstaben enthalten.
Wir haben nun noch keine Übersetzung von D. Luthers Kleinem
Katechismus in die hebräische und in die jiddische Sprache.
Die hebräische übersetzung würde uns in unserer Mission wenig
helfen. Der Missionar, der seine Predigten in der jiddischen
Sprache hält, ist nun von der Kommission beauftragt worden,
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