Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 23 › Seite 361
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. November 1913, Seite 361
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus 3
EE Den „Lutheraneß
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Sozialismus gerechter und sittlicher ist, oder weil er mehr mit
menschlichen und göttlichen Geboten im Einklang steht, sondern
weil die Entwicklung der Produktionskräfte zu ihm hinüber⸗
führt, ist sein Sieg gewiß.“
Doch, welche Antwort wird uns denn von den Sozialisten
auf die Frage: Was ist der Sozialismus eigentlich, oder was
will er? Hier ist eine: „Internationaler Sozialismus ist die
Bewegung der Arbeiterklasse der Welt, die Kapitalistenklasse
zu stürzen, Besitz zu ergreifen von dem Lande und der Ma⸗
schinerie, mit welcher sie bisher für die Kapitalisten Reichtum
erworben hat, um hinfort damit für sich selbst Reichtum zu
erwerben.“ Urheber dieser Erklärung ist Charles H. Kerr, der
Redakteur der „besten und größten Sozialistenzeitschrift in der
Welt“, der Soαιι⁰et Revie nämlich, und das Haupt der „größ—
ten Sozialistendruckerei auf Erden“, nämlich in Chicago; er
gibt diese Beschreibung in einem Zirkular, da er eine „Biblio—
thek von Sozialistenmusterschriften“, 26 Bände enthaltend, an⸗
zeigt. Wenn man diese Bücher studiert, so soll man daraus
die gegebene Schilderung des Sozialismus als richtig finden.
Und dem ist also, diese Bücher lehren das.
Der Sozialismus, der international, das heißt, der in allen
Ländern derselbe ist, wesentlich dieselben Grundsätze vertritt,
dasselbe Ziel verfolgt, ist vorerst nur eine Bewegung; er herrscht
noch nirgends, es ist noch kein Volk, in dem er zur Geltung
und in übung gekommen wäre; noch in keiner Stadt ist das
sozialistische System aufgerichtet. Der Sozialismus ist eine
„Bewegung der Arbeiterklassel. Da nimmt man den Mund
zu voll, es sollte heißen „eines Teiles der Arbeiterklasse“. Dieser
Teil der Arbeiter bekämpft die Kapitalistenklasse, die Leute,
welche Kapital, Reichtum, haben, etliche in großem, andere in
geringem Maße. Die Arbeiter wollen alles Land und alle
Maschinen erobern, zu ihrem Eigentum machen, um so für sich
selbst Wohlstand zu erwerben statt für die Reichen. Es soll
hinfort keiner mehr sagen können, wenn der Sozialismus ge—
siegt hat: Dies Land, dies Bergwerk, diese Mine, diese Mühle,
diese Fabrik, diese Maschine gehört mir; es soll vielmehr alles
Gemeingut sein. Aller Klassenunterschied soll aufhören, Reiche
soll es nicht mehr geben, und Arme sollen nicht mehr sein; alle
sollen Besitzer sein, alle sollen vollauf zu leben haben. Jeder
Arbeitsfähige soll arbeiten müssen; aber er braucht nur wenig
zu arbeiten, ein paar Stunden den Tag. Die lange Mußezeit
kann jeder benutzen, wie es ihm gefällt, sei es, daß er sich
jibe in den Künsten und Wissenschaften, sei es, daß er sich ver⸗
gnüge und belustige. Dies ist, wie gesagt, das Ziel, welches
die Bewegung verfolgt. Ist das Ziel erreicht, dann wird der
Sozialismus zu einem Zustande, zu einer Ordnung der mensch⸗
lichen Gesellschaft. Und zwar soll durch den Sturz der Kapita—
listenklasse, durch die Aufhebung des Kapitalismus, der Hauwt⸗
ursache fast aller übel auf Erden, wie die Sozialisten so gerne
und so ausführlich darzulegen suchen, großes Glück für die
Menschheit folgen, sogar die Umwandlung der jetzt so nnartigen,
bösen menschlichen Natur.
Das ist der Sozialismus, das will er. Und wann wird
diese Bewegung bei dem gesetzten Ziele ankommen? Die So—
zjalisten sagen, das werde gar nicht mehr lange dauern, das
müsse bald geschehen, das folge notwendig aus der Wissenschaft.
Doch genug für diesmal. Wir wollen denken an das, was
Jes. 8, 10 geschrieben steht: „Beschließet einen Rat, und werde
nichts daraus; beredet euch, und es bestehe nichts!“ L. S.
Versammlung des California⸗ und Nevada⸗Distrikts.
Vom 16. bis zum 22. Juli war der genannte Distrikt unse⸗
rer Synode zu Los Angeles, Cal., in der Gemeinde P. Arth.
Michels versammelt. Die Zahl der Synodalen betrug bei—
nahe 100.
Zur Eröffnung der Versammlungen wurde am Abend des
16. Juli ein Gottesdienst in der neuen, prächtigen Dreieinig⸗
keitskirche abgehalten, in welchem der Ehrw. Allgemeine Vize⸗
präses J. W. Miller eine treffliche Predigt hielt über Röm.
3, 28. Außerdem wurde noch gepredigt am Freitagabend von
P. G. Kirchner über Mission, ann Sonntagvormittag von P. F.
Menzel und am Sonntagabend in englischer Sprache von Prof.
W. Dau über christliche Erziehung. Im feierlichen Schluß⸗
gottesdienst, verbunden mit Abendmahlsfeier, hielt P. C. Bauer
die Beichtrede und P. J. H. Theiß die Pastoralpredigt.
In den Vormittagssitzungen wurden Lehrverhandlungen
gepflogen. Prof. W. Dau leitete diese. Sein Thema war:
„Daß das lutherische Urteil noch feststeht: „Das Papsttum ist
ein Menschengedicht, das nicht geboten, ohne Not und vergeb—
lich ist.“ (Schmalk. Art., Tl. II, Art. 4, § 5, S. 307.) Es
wurde in sehr interessanter Weise schlagend nachgewiesen (gegen
Kardinal Gibbons' The Faith of Our Fathers“, Kap. 9):
„J. Die göttliche Einsetzung der Papstgewalt läßt
sich nicht durch die Vergleichung mit dem Amt des Hohenprie—
sters im Alten Testament noch mit dem weltlichen Kaisertum
als wahrscheinlich erweisen. 11. Die göttliche Einsetzung
der Papstgewalt läßt sich weder aus Matth. 16, 13—19 noch
aus Joh. 21, 15—17 als tatsächlich vollzogen nach⸗
weisen.“ Das Verneinte dieser beiden Sätze ist es, was Kar—
dinal Gibbons in jenem Kapitel seines Buches mit tollster Kühn—
heit als Wahrheit behauptet. Der Begründung des Verneinten
zu lauschen, war den Synodalen ein Hochgenuß, und getrost
stimmten sie alle dem Ausspruch der Väter unserer Kirche zu:
„Das Papsttum ist ein Menschengedicht, das ohne Not und
vergeblich ist.“ Das Referat, das unverkürzt im Distriktsbericht
erscheinen, und um dessen Verbreitung im Separatabdruck unser
Verlagshaus ersucht wird, zeitigte aber nicht bloß Erneuerung
jenes alten Urteils, sondern mahnte auch eindringlich die Her—
zen, Gott unablässig zu danken für seine große Heilstat durch
1). M. Luther: die Offenbarung des unheiligen, ungeistigen
und frechen Papsttums in der katholischen Kirche als Weltübel,
und warnte nachdrücklich vor undankbarem, gewiß verhängnis—
vollem Schweigen zu den in dieser Zeit, sonderlich in unserm
lieben Lande, erhobenen Schmähungen des heilvollen Werkes
Luthers, wodurch der Papst sich Gönner und Anhänger zu sam—
meln versteht, „daß (hier) mit Macht werd' hergebracht des
alten Greuels finstre Nacht“. Allen Christen, denen Roms
Lehre verhaßt, die Bibellehre Luthers aber lieb ist, sei diese
Arbeit Prof. Daus herzlich empfohlen.
Die Nachmittagssitzungen wurden den Geschäftsverhand—
lungen gewidmet. Die Berichte der Komiteen, welche die Kon⸗
ferenzprotokolle und -arbeiten, die vorgelegten Berichte der
Kassenführer, die Konstitutionen aufnahmebegeheender Gemein—
den, Eingaben und anderes mehr zu prüfen hatten, wurden ge—
hört und angenommen. Eine Zuschrift der Behörde der Anstalt
für schwachsinnige Kinder und für Epileptische wurde verlesen.
Den Mitteilungen und Erinnerungen des Ehrw. Allgemeinen
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