Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 23 › Seite 366

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. November 1913, Seite 366

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S Wer 2„Tutßgeraned

tümlichkeiten, und du fragst nichts danach beim Brotkaufen, wenn
das Brot nur gut ist.“

„Aber in welchem Zusammenhang steht denn ein Bäcker und
der Pastor?“

„Der Bäcker bereitet das Brot, um deinen Leib zu speisen,
und der Pastor gibt dir geistliches Brot für deine Seele.“

„Das ist wohl wahr. Aber was in der Kirche gepredigt
wird, ist doch mehr oder weniger immer dasselbe, nichts anderes,
als was wir schon in der Schule gelernt haben. Wenn immer
etwas Neues gepredigt würde, dann hätte das Kirchengehen mehr
Reiz für mich.“

„Bedenke doch, Nachbar, kommt auf deinen Tisch immer
etwas Neues? Sind es nicht stets dieselben Nahrungsmittel,
höchstens ab und zu etwas anders zubereitet? Sagst du da: Ich
mag nicht essen, denn das ist ja nichts Neues? Wie du aber
deinen Hunger mit demselben Brot stillst, so solltest du deinen
Seelenhunger mit demselben Lebensbrot stillen, mit Christo, dem
Brot des Lebens. Du siehst, die Ausrede: ‚Das weiß ich alles
schon“ hält nicht Stich. Ich glaube, der eigentliche Grund ist:
man ist träge, will aber doch ein Christ sein. Im Irdischen er⸗
kennt man es an: wer gesund ist und gesund oder vielmehr am
Leben bleiben will, der muß essen; aber man bildet sich ein, ein
Christ sein und bleiben zu können, geistliches Leben zu haben,
ohne geistliche Speise zu genießen.“

„Aber, Wilhelm, das mußt du zugeben, daß Kirchengehen
nicht selig macht.“

„Das ist wohl wahr, aber das Nicht⸗zur⸗Kirche⸗-Gehen, wenn
man gehen kann, verdammt.“

„Wie so? Das ist mir etwas Neues!“

„Es ist wohl viel behauptet; aber höre! Töten verdammt
doch. Warum? Weil man damit ein klares Gebot Gottes über⸗
tritt, das Wort: ‚Du sollst nicht töten.“ Das gibst du doch zu?
Töten ist Sünde. Und leichtfertig den Gottesdienst versäumen
auch. Sind das nicht klare Worte Gottes: „Selig sind, die
Gottes Wort hören und bewahren“; „Bewahre deinen Fuß,
wenn du zum Hause Gottes gehest, und komm, daß du hörest“;
„Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort; darum höret ihr
nicht, denn ihr seid nicht von Gott'; „Du verwirfst Gottes Wort,
darum will ich dich auch verwerfen“?? Gottes Wort verachten,
verwerfen ist also Sünde, verdammliche Sünde. Und nicht zur
Kirche gehen wollen, ist doch sicherlich Gottes Wort geringachten,
verwerfen, eine Sünde gegen das dritte Gebot.“

„Ja, das gebe ich zu: wenn man eine Sache hochhält, gern
hat, dann beschäftigt man sich auch damit. Doch damit ist noch
nicht gesagt, daß man zur Kirche gehen muß. Man kann doch
auch zu Hause lesen, beten und über Gottes Wort nachdenken.“

„Das letztere ist wohl wahr. Doch bedenke, es kann jemand
stets selbst sein Essen bereiten und alleine essen und dabei am
Leben bleiben, aber es schmeckt doch nicht so, als wenn man an
einem wohlgedeckten Tisch mit andern sitzt und ein wohlzubereitetes
Mahl zu sich nimmt. Da kommt der Appetit mit dem Essen. In
Fällen, wo man nicht zur Kirche gehen kann, obschon man gern
hinginge, soll man sich zu Hause erbauen. Aber anders ist es,
wenn man zur Kirche gehen kann und will nicht. Und es irre sich
keiner! Gott kann es leicht dahin bringen, daß man vielleicht
später mal will und dann nicht kann. Meistens, wenigstens viel⸗
fach, ist das eine bloße Ausrede, wenn man sagt: „Ich kann mich
zu Hause erbauen.“ Man ist eben träge und hat kein Verlangen
nach Gottes Wort. Und bedenke, wenn jemand wirklich erkennt,
daß er ein Sünder ist und einen Heiland nötig hat und so gern
von diesem Heiland liest und von ihm hören will, daß es ihn an—
treibt, zu Hause zu lesen, treibt es ihn doch gewißlich auch zur
Kirche, damit er noch besser und mehr lerne und dem Willen seines
Heilandes nachkomme. Nein, wer nicht zur Kirche gehen will,

obwohl er kann, der hat keinen geistlichen Hunger, dem fehlt es
an geistlichem Leben. Und je mehr das geistliche Leben zunimmt,
desto mehr verlangt er nach geistlicher Speise. Es ist und bleibt
wahr: Fleißiger Kirchengang — starkes geistliches Leben; laxer
Gottesdienstbesuch — schwaches geistliches Leben; und gar kein
Kirchenbesuch trotz reicher Gelegenheit — gar kein geistliches
Leben. Man bilde sich ja nicht ein, ein Christ zu sein und Chri⸗
stum zu lieben, wenn man kein Verlangen hat, von Christo zu
hören und zu lernen. Darum, willst du als ein Christ gelten
und wirklich einer sein, so verachte des HErrn Wort nicht. Ich
will hoffen, daß du dich mit dem neuen Kirchenjahr in dieser Be⸗
ziehung besserst. überlege dies ernstlich und lebe danach!“

—

Warum?

Warum soll ich für die Anstalten zur Ausbildung von Pre⸗
digern und Lehrern beisteuern?

Darum, weil der HErr JeEésus seiner Christenheit befohlen
hat: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller
Kreatur!“

Darum, weil dieser Befehl deines HErrn und Heilandes auch
dir gilt, so du anders ein Christ bist und sein willst.

Darum, weil die Prediger und Lehrer des Evangeliums zu
ihrem Amt und Werk ausgebildet werden müssen.

Darum, weil Gott dich in einen Beruf gestellt bat. wo du
nicht selbst als Prediger hinausgehen kannst.

Darum, weil Gott dir deine Berufsarbeit so gesegnet hat,
daß du geben und helfen kannst, andere auszubilden und zu senden.

Darum, weil die Ausbildung von Predigern und Lehrern
des Evangeliums das vornehmste und wichtigste Unternehmen in
der Missionsarbeit der Christenheit ist.

Darum sollst — nein, darum willst du, o Christ, gern für
diese Anstalten beisteuern.

„Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priester⸗
tum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr ver⸗
kündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der
Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“, 1 Petr. 2, 9.

(Wbl.)

Neue Drucksachen.

Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.

Fünfundvierzigster Synodalbericht des Sstlichen Distrikts der Deut⸗
schen Ev.⸗Luth. Synode von Missouri, Ohio u. a. St. Concordia
Publishing House, St. Louis, Mo. 84 Seiten. Preis: 16 Cts.

Die Lehrverhandlungen beschäftigen sich mit Paulus dem Märtyrer

(S. 39—60), indem sie uns sein Leben von seiner Gefangennahme in Jeru⸗

salem an bis zu seinem Zeugentod in Rom unter Kaiser Nero schildern;

und sie handeln von Paulus dem Theologen (S. 12—38) und Seelsorger.

Damit hat der Referent, P. W. Bröcker, seine durch mehrere Distriktsver⸗

sammlungen sich hinziehende wertvolle Arbeit über Paulus, den Apostel

IEsu Christi, zum Abschluß gebracht. Er dankt zum Schluß Gott von

Herzen für den reichen Segen, den er selbst bei der Meditation über diese

Arbeit empfangen hat; und seine Zuhörer in den Versammlungen sowie

die Leser der Synodalberichte konnten und können gleichfalls an diesem

Segen teilhaben. K.

Sang und Klang fürs Christenhaus. Aus dem Schatz deutscher
Lyrik gesammelt von J. W. Theiß. Illustriert vom Sammler.
228 Seiten 5½4 47½; Goldschnitt, Deckel in Farbendruck und
Goldverzierung. Concordia Publishing House, St. Louis, Mo.

Preis: 51.00.
Aus dem reichen Material, das der Verfasser, P. J. W. Theiß von
Los Angeles, Cal., in den letzten achtzehn Jahren gesammelt hat, bietet er
in diesem Werke eine große Anzahl der edelsten Perlen alter und neuerer

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