Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 3 › Seite 38

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. Februar 1914, Seite 38

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe 49 · Taufe 63

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zu verwundern, daß darum auch in dem Herzen des Christen,
der seine Schwachheit und Sündhaftigkeit sieht und erkennt,
zuzeiten der sorgende Gedanke aufsteigt: Ach, wenn ich nur
selig sterbe! Wenn es dem Teufel nun doch gelingen sollte
mich zu fällen, ehe das Ziel erreicht ist! Ach, wenn mich der
Tod unvorbereitet überraschen sollte!? — Wer immer auf dem
schmalen Wege wandelt, der kennt auch solche beunruhigende
Gedanken. Und doch, hat ein Kind Gottes wirklich Grund,
den Tod, das Sterben, zu fürchten? Nein, tausendmal nein!
Du bist ja getauft, und gerade dein Taufkleid, Christi Blut und
Gerechtigkeit, gibt dir die Freudigkeit und Glaubensgewißheit,
fröhlich zu jubeln und zu bekennen: „Tod, wo ist dein Stachel?
Hölle, wo ist dein Sieg?“ Ach wie freue ich mich, daß ich als
getaufter Christ sterben kann, da ich dann ganz sicherlich werd'
den schönen Himmel erben!

So birgt also die heilige Taufe eine Fülle des reichsten
Trostes in sich für unser ganzes Christenleben. Zugleich soll
aber die Erinnerung an unsere Taufe alt und jung zu ernster
Mahnung gereichen. — Der ganze Reichtum der göttlichen
Gnade und des Verdienstes Christi ist uns, wie wir gehört
haben, in der heiligen Taufe zu eigen geschenkt; aber wir
wissen, wir tragen diesen Schatz noch in irdischen Gefäßen;
solange wir noch hier im Fleisch wandeln, können wir durch
eigene Schuld diese Taufgnade wieder verlieren. Und unsere
Zeit mit ihrem immer offener und dreister auftretenden Un⸗
glauben, mit ihrer immer weiter umsichgreifenden Gleichgül⸗
tigkeit gegen das Heil der Seele, mit ihrem wilden Weltsinn
und Sündendienst, mit ihrem Jagen nach dem Mammon dieser
Erde — diese unsere Zeit ist ganz besonders dazu angetan, dem
Christen das in der Taufe angezogene herrliche Kleid der Ge⸗
rechtigkeit Christi zu besudeln, zu beschmutzen, zu zerreißen und
zu verderben. ö

Zu ernster Mahnung soll darum die Lehre von der Taufe
erstlich allen jungen Christen dienen. Wohl ruft dir,
junger Freund, Gottes Wort zu: „Freue dich, Jüngling, in
deiner Jugend und laß dein Herz guter Dinge sein in deiner
Jugend“; aber immer mit dem, dessen Kleid du trägst. Das
vergiß bei keiner Gelegenheit! Wenn du ins Theater gelockt
wirst, wo deiner Seele so mancher süße Gifttropfen eingeflößt
wird; wenn dein alter Mensch dich hin zum Tanzboden zieht;
wenn du an die Orte gerätst, wo du gar leicht ein Sklave des
Weins und Branntweins wirst, in solche Gesellschaften, wo
der christlichen Zucht und Keuschheit der Laufpaß gegeben ist:
o dann halt ein, steh still und frage dich: Kann ich in meinem
Taufkleide dahin gehen? Bleibt es da rein und unbeschmutzt?
Ist da der bei mir, der Tag und Nacht der Schutz und Schirm
meiner Seele sein muß? O wie mancher müßte nicht auf eine
in Sünden verlebte und verlorne Jugendzeit zurückblicken, wie
mancher wäre nicht ein Sklave der Trunksucht, der Unkeusch⸗
heit, der Fleischeslust geworden, wäre nicht im Strudel sünd⸗
licher Jugendlust untergegangen, hätte er in all den Jugend⸗
kämpfen und »versuchungen sich dessen stets erinnert: Ich bin
ein getauftes Kind Gottes!

Ernste Mahnung liegt in der heiligen Taufe aber auch
für alle, die schon im reiferen Lebensalter stehen. Die
Sucht, mit möglichst wenig Mühe es im Irdischen so weit wie
möglich zu bringen und dem alles zu opfern, der Wunsch, keine
Entbehrungen sich auflegen, keine Opfer bringen zu müssen,
ein so gemächliches Leben wie möglich zu führen, greift auch

unter den Christen wie ein böser Krebsschaden immer mehr
um sich. Und je mehr durch solchen Weltsinn der Geist Gottes
aus den Herzen und Häusern verdrängt wird, desto mehr zeigen
sich auch wieder die andern Stücke des alten Adams: Unzufrie⸗
denheit und Ungenügsamkeit, Lieblosigkeit, Zank und Streit⸗
sucht, Unredlichkeit und Falschheit und anderes Unkraut des
fleischlichen Ackers. Und in dieser Luft lebst auch du, mein
lieber Mitchrist, und wirst wohl auch mehr oder weniger davon
angesteckt, folgst wohl schon manchmal ohne ernste Gewissens⸗
bisse dem Strom der Zeit, hast dich vielleicht schon daran ge⸗
wöhnt, hie und da nicht nach dem neuen, sondern nach dem
alten Menschen zu handeln und zu wandeln. Und weißt du,
was das heißt? Da will dir der Teufel ganz langsam und
unbemerkt dein Taufkleid ausziehen, und ehe du dich's ver⸗
siehst, stehst du trotz äußerlicher Ehrbarkeit und äußerlichen
Christentums wieder nackt und bloß da in dem schmutzigen
Kleide des natürlichen Menschen, des Sündendieners, und gar
mancher wandert dann so gleichsam mit verbundenen Augen
weiter, bis er ins Grab stolpert und, wenn er dann wieder auf⸗
wacht, das schreckliche Wort hört: „Freund, wie bist du herein⸗
kommen, und hast doch kein hochzeitlich Kleid an?“

Wohl dem, dem also seine Taufe täglich zu reichem Trost,
zu ernster Mahnung gereicht! Wohl dem, dem sie immer mehr
sein Leitstern wird durchs ganze Leben, sein Wanderstab auf
seiner ganzen Pilgerreise, sein Schwert und Schild in allen
Kämpfen, Anfechtungen und Versuchungen, sein Licht und seine
Leuchte durch Nacht und Finsternis! Das gute Werk, das sein
Heiland in der Taufe in ihm angefangen hat, wird er dann
auch, wenn Leib und Seele sich scheiden, gar herrlich vollenden.

Efdt.

Etwas aus dem Leben und Wirken des seligen
D. H. Wunder.

ö 2.

Chicago zählte, als D. Wunder sein Amt hier antrat, etwa
30,000 Einwohner. Er fand eine Gemeinde vor, die klein
war an Gliederzahl; sie hatte um ihres Glaubens willen vor
kurzem ihr Gemeindeeigentum darangegeben. Wunder bezog
jahrelang kein bestimmtes Gehalt. Was die Liebe ihm brachte,
mußte für seinen Lebensunterhalt genügen. Dabei herrschte
an zeitlichen Gütern unter den Lutheranern Chicagos kein
überfluß. Ein Kandidat für das Schulamt an der Gemeinde
hatte zum Beispiel kurz zuvor erklärt, mit dem gesetzten Jahres⸗
gehalt von 100 Dollars könne er nicht auskommen, er müsse
104 Dollars haben. In der ersten Tochtergemeinde sang man
ein paar Jahre später „Nun danket alle Gott“, als ein Glied
sich erboten hatte, 100 Dollars zu 12 Prozent zu einer Schul—⸗—
denzahlung zu leihen. Und doch schreibt ein alter Amtsbruder:
„Bei Wunder kehrte kein Notleidender vergeblich ein. Er war
überaus freigebig, schier zu freigebig. Man konnte ihm bald
das Herz und den Geldbeutel auftun.“ Mancher arme Stu⸗
dent zumal wußte davon zu erzählen.

Zur Arbeit hatte Gott D. Wunder Lust und Kraft ver⸗
liehen. Er war fast nicht zu ermüden; Arbeit schien ihm Ruhe,
Ruhe Arbeit zu sein. Weite Wege mußten damals zu Fuße
zurückgelegt werden. Und in welcher Beschaffenheit befanden
sich oft Fahr⸗ und Fußwege! Lachend pflegte der nun zur

U

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