Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 3 › Seite 44

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. Februar 1914, Seite 44

37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner70_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

44 er Tuthraneß
ruins. The world will not accept such theology, nor should it. gekommen. So fragte der Pastor bei jenem Zusammentreffen

It is not a rational theology.“) Christus hat der Bibel das

Zeugnis ausgestellt: „Die Schrift kann nicht gebrochen werden“,

Joh. 10, 35. Wer nun Christi Zeugnis über die Bibel nicht

annimmt, kann ihn auch nicht als supreme teacher“ gelten lassen.
F. P.

Wie Erzbischof Glennon den St. Lonisern Sand in die
Augen zu streuen sucht. Erzbischof Glennon hielt kürzlich eine
Predigt über „die weltliche Macht des Papstes“. Er hat auch
dafür gesorgt, daß die Hauptteile dieser Predigt von den Tages⸗
zeitungen veröffentlicht worden sind. Glennon erklärt die Be⸗
hauptung, daß der Papst nach politischer Macht in den Vereinigten
Staaten strebe, für „so gänzlich närrisch und unbernünftig, daß
er nicht begreifen könne, wie ein Mensch von gesunden Sinnen so
etwas auch nur für einen Augenblick glauben könne“. So
Glennon. Papst Leo XIII. aber erklärt in seinem Rundschreiben
(Immortale Dei) vom 1. November 1885 unter anderm fol⸗
gendes: Staat und Kirche dürften nicht getrennt sein. Jeder
Staat sei verpflichtet, die Papstreligion zu bekennen, zu beschützen
und zu befördern. Andere Religionen könnten vom Staat nur
zeitweilig „getragen“ werden. Der öffentliche Unterricht des
Volkes sollte in den Händen der Papstkirche sein. Rede⸗ und
Preßfreiheit, das heißt, die Freiheit, gegen die Papstkirche zu
reden und zu schreiben, gehöre nicht zu den Rechten eines Bürgers
und sollte daher auch von einem recht verfaßten Staat nicht ge⸗
duldet werden. Schließlich wird allen Katholiken die Pflicht auf⸗
erlegt, durch rege Teilnahme am bürgerlichen und politischen
Leben dahin zu wirken, daß das ganze Staatswesen nach der
Ordnung der Papstkirche eingerichtet werde. Trotzdem behauptet
Glennon, daß der Papst nicht nach politischer Macht strebe. Ent⸗
weder kennt Glennon die päpstlichen Rundschreiben nicht — und
das ist kaum anzunehmen —, oder er redet bei gesunden Sinnen
dreist die Unwahrheit. F. P.

In Minnesota gibt es eine Loge, die sich den „Orden der
Modernen Samariter“ nennt. Wenn man den Namen hört,
fragt man sich unwillkürlich, warum denn „moderne“ Sama⸗
riter? Was mag wohl der Unterschied sein zwischen den moder⸗
nen Samaritern und dem Samariter, der dem unter die Mörder
Gefallenen die Nächstenliebe erwies? Die Frage findet ihre Be⸗
antwortung in einer Zeitungsnotiz, die von einem Kampf inner⸗
halb der Loge berichtet. Wir vernehmen da zu unserm Erstaunen,
daß die „Modernen Samariter“ ihren alten Gliedern, die schon
jahrelang Beiträge entrichtet haben, die Raten erhöhen wollen!
Und zwar hat das Imperial Council der Loge diesen Beschluß
gefaßt, trotzdem schon vor Jahren den alten Gliedern die Zu⸗
sicherung gegeben war, daß die alten Raten weiterbestehen sollten.
Die so Geschädigten wehren sich jetzt, und die Sache kommt vors
Gericht. Zwar haben auch andere Logen ihre alten Glieder auf
diese Weise „ausgefroren“, doch sollte das einem Orden, der sich
mit dem Namen des barmherzigen Samariters schmückt, nicht zur
Entschuldigung dienen. Jedenfalls kommen in jenem Gleichnis
Personen vor, deren Handlungsweise eher an die Gesinnung die⸗
ses Ordens erinnert als die Tat des Samariters. Hätten die
Gründer dieser Loge etwa den Namen „Orden der Priester
Jerichos“ oder „Söhne der Leviten“ gewählt, so hätten die alten
Glieder jetzt weniger Grund zur Klageführung. G.

Stimmen Logentum und Christentum? Darauf gibt auch
folgendes Amtserlebnis eines unserer Pastoren die Antwort.
Der betreffende Pastor traf auf einem Gange einen Mann, der
sich manchmal in den Gottesdiensten einfand, aber noch nicht
gliedlich angeschlossen war, weil er dem Orden der Maccabees
angehörte. Er war der Loge beigetreten auf das Drängen seiner
Frau hin, die von der „billigen“ Lebensversicherung der Loge ge⸗
hört hatte. Seine Frau war sonst eine leidlich gute Kirch⸗
gängerin gewesen, doch war sie in den letzten Wochen nicht mehr

den Mann, wie es komme, daß er weder ihn noch feine Frau mehr
in der Kirche sehe. Der Mann antwortete: „Ja, sehen Sie, es
gefällt meiner Frau nicht, daß Sie so viel über die Logen
vorlesen in der Kirche.“ Der Pastor: „Ich verstehe nicht;
was meinen Sie?“ „Nun, die Abschnitte, die Sie am Altar lesen,
die wählen Sie so, daß immer etwas gegen die Loge drin steht,
meint meine Frau.“ „Wie“, antwortete der Pastor, „die Ab⸗
schnitte am Altar — das sind ja die Epistel- und Evangelien⸗
texte, wie sie in allen unsern Kirchen gelesen werden! Und
in denen hat Ihre Frau etwas gegen die Loge
gefunden — so viel gegen die Loge, daß sie nicht mehr zur
Kirche kommt, weil ihr das Gewissen sonst keine Ruhe läßt?
Mein lieber Mann, wenn auch Ihre Frau in ihrer Gier nach
der billigen Versicherung“ diese Warnung mißachtet, sollten Sie
jetzt nicht erkennen, daß das Logenwesen dem klaren Worte
Gottes, auch ohne jede Auslegung vorgetragen, schnurstracks
widerspricht? ... — Was meint der Leser, stimmen Loge
und Christentum? G.

Daß die Welt immer besser wird, gilt vielen Leuten als
ausgemachte Sache. Zuweilen versuchen auch die Zeitungen den
Beweis dafür zu liefern, daß gerade unser Volk sittlich voran⸗
schreitet. So meldeten New Yorker Blätter, daß bei der dies⸗
jährigen Neujahrsfeier in den Restaurants und den Speise⸗
sälen der Hotels bedeutend weniger getrunken worden sei als in
früheren Neujahrsnächten. Das sieht zuerst wirklich wie sitt⸗
licher Fortschritt aus. Liest man aber weiter, so vernimmt man
auch den Grund, weshalb es vielerorts an den üblichen Sauf⸗
gelagen fehlte. Es wird nämlich berichtet, daß in den öffent⸗
lichen Speiselokalen die Gäste die neuen Tanzweisen, den be—
rüchtigten Tango und die übrigen Schiebetänze, getanzt haben,
also vor Tanzwut und sinnlicher Lust nicht zum Trinken ge⸗
kommen sind! Und darin will die Neu Porh World einen sitt—
lichen Fortschritt erkennen! Tatsächlich handelt es sich um ein
Austreiben des Teufels durch Beelzebub wie bei jeder Reform,
die nicht ihren Grund im Evangelium hat. G.

Die katholischen Arbeiter Deutschlands lassen sich nicht so
ganz von Rom aus regieren, wie der Papst und die Bischöfe es
wünschen. In Deutschland gibt es im Gegensatz zu andern
Arbeitervereinen christliche Arbeiterverbindungen, die sich aus
Protestanten und Katholiken zusammensetzen. Der Papst hatte
nun in einem öffentlichen Rundschreiben seine maßgebliche Mei⸗
nung dahin ausgesprochen, daß die Katholiken diese Verbindungen
verlassen sollten. Die Sache kam auf einem Arbeiterkongreß zur
Sprache, der im Dezember vorigen Jahres in Berlin tagte. Die
Berliner Delegaten, wahrscheinlich unter dem Einfluß der Ber⸗
liner römischen „Germania“, beantragten, daß die katholischen
Arbeiter sich nach den Weisungen des Papstes zu halten hätten.
Der Kongreß beschloß aber mit allen Stimmen gegen zehn, daß
es beim alten bleiben solle. F. P.

Wenn die Katholiken in Deutschland stärker zunehmen als
die Protestanten, so kommt das nicht daher, daß die Katholiken
mehr Protestanten zu sich herüberziehen als umgekehrt. Wiewohl
es in den protestantischen Landeskirchen Deutschlands, was die
Predigt des reinen Wortes Gottes betrifft, überaus traurig aus⸗
sieht, so treten doch jährlich mehr Katholiken in die protestantischen
Landeskirchen ein, als umgekehrt Protestanten zu den Katholiken
übergehen. Nach den statistischen Berichten stellte sich in manchen
Jahren das Verhältnis wie 1 zu 10 zugunsten der Protestanten.
Die stärkere Zunahme der Katholiken hat mehrere andere Gründe.
Ein Grund ist der, daß die Protestanten durchschnittlich wohl⸗—
habender und kultivierter sind. Diese Tatsache bringt gewisse
Zustände und Laster mit sich, die die natürliche Zunahme eines
Volkes hindern. F. P.

English translation

Not yet translated.