Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 3 › Seite 45
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. Februar 1914, Seite 45
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeitſchriften 2 · Zeitſchriften 4
— Ner „VTuthsransd
4⁵5
Wie sammelt man Leser für unsere Zeitschriften? An der
Westküste hat einer unserer Pastoren mit folgendem Plane einen
schönen Erfolg gehabt. Er ließ eine Aufforderung zur Sub⸗
skription drucken und fügte derselben einen Bestellzettel bei, auf
dem die Zeitschriften der Synode der Reihe nach aufgeführt waren,
so daß der Besteller nur die gewollte Zeitschrift zu markieren und
den Zettel seinem Pastor einzuhändigen hatte. Das Resultat war
ein sehr gutes. Ein anderer Pastor schrieb uns kürzlich: „Etwas
Erfreuliches habe ich zu berichten über die Verbreitung des ‚Luthe⸗
raner“ in meiner Gemeinde. In einigen Gemeindeversammlungen
wurde darüber geredet, daß doch auch in unserer Gemeinde mehr
Lutheraner“-Leser sein sollten. Auf eigene Faust machte sich dann
ein Gemeindeglied, das gerade ohne Arbeit war, daran und ging
von Haus zu Haus in der Gemeinde und suchte neue Leser für
den Lutheraner'. In wenigen Tagen hatte er sechzig neue Leser
gewonnen. Er ist noch an der Arbeit. Hoffentlich wird das
Blatt auch von allen, die es bestellt haben, fleißig gelesen, dann
wird sich der Segen bald zeigen.“ G.
Doch in noch anderer Weise kann man für die Verbreitung
unsers Blattes wirken. Unser Korrespondent schließt mit dem
Wunsch, daß die Abonnenten nun auch die Zeitschrift wirklich
lesen möchten. Nun ist es aber klar, daß eine Zeitschrift um
so begieriger gelesen wird, je besser der Inhalt derselben ist.
Gerade hierin nun können die Leser dem „Lutheraner“ dienen.
Und das in mehrfacher Weise. Ein Beispiel. Vor einigen Mona⸗
ten machte ein Leser die Redaktion darauf aufmerksam, daß über
das Verhältnis verheirateter Kinder zu ihren Eltern einmal etwas
geschrieben werden sollte. Wir wandten uns an einen Mann,
der in einem Altenheim Amtsbesuche zu machen hat, und legten
ihm das Gesuch vor. Das Resultat finden unsere Leser in der
vorliegenden und nächsten Nummer, in zwei ganz vorzüglichen
Artikeln über den genannten Gegenstand. Von anderer Seite
sind wir auf Predigten und Konferenzarbeiten aufmerksam ge⸗
macht worden, die wir uns dann auch zustellen ließen und die wir
in nächster Zeit zu veröffentlichen gedenken. Auch in anderer
Weise sind wir durch Aussprachen verschiedener Leser in der
Redaktionsarbeit unterstützt worden und haben manchen wert⸗
vollen Wink betreffs zu behandelnder Lehr⸗ und Zeitfragen er⸗
halten. Wolle man nun aber auch ein Weiteres tun und unser
Blatt andern empfehlen, die es noch nicht halten. Wenn
dem Leser ein Artikel besonders wertvoll und lehrreich erscheint,
so unterlasse er es nicht, die Hausgenossen darauf aufmerksam zu
machen und dann auch durch Weitergabe an Nichtleser, mit Hin⸗
weis auf solche Artikel, dem Blatte neue Bekanntenkreise zu er⸗
schließen. Auch in Gemeindeversammlungen sollte auf Artikel,
die in der betreffenden Gemeinde mit besonderem Interesse ge⸗
lesen werden dürften, hingewiesen, oder, wie das kürzlich ge⸗
schehen ist, die ganze Gemeinde nach dem Gottesdienst zurück⸗
behalten und ihr das Lesen einer bestimmten Nummer ganz
besonders ans Herz gelegt werden. Vor allem sollten aber auch
die Gemeindevorsteher in dieser Sache ihrer Gemeinde und Kirche
dienen und erstlich selber den „Lutheraner“ halten, sodann ihn
auch lesen und dann in der Gemeindeversammlung wie auch
privatim dahin wirken, daß die Leserzahl zunehme. G.
——
Opferwilligkeit.
In meiner früheren Gemeinde in C. bestand die Sitte, jähr⸗
lich am Tage ihrer Kirchweihe ein besonderes Opfer darzubringen
zur Abtragung der Schuld, die noch auf der Kirche lastete. Dieses
Opfer wurde durch Kuverte, die die Gemeindekollektoren unter die
Abendmahlsglieder verteilten, am Kirchweihfest eingelegt. Als
vor sieben Jahren das Kirchweihfest wieder nahte, bat ich die
Kollektoren, es diesmal mir gestatten zu wollen, die Kuverte
unsern Leuten zu bringen, da ich gerne noch einmal — es war
im Herbst — durch die Gemeinde wollte. Als ich mich anschickte,
die Runde zu machen, vermeldete ich von der Kanzel das heran⸗
nahende Fest und auch mein Kommen mit den Kuverten. Da
kam ich eines Tages zu einer siebzigjährigen Mutter, die eine
arme, für sich lebende Witwe war. Ihre Kinder brachten ihr die
nötigen Lebensmittel ins Haus. Ihre Wohnung bestand aus
einem Stübchen, das ihr als Küche, Wohn⸗ und Schlafzimmer
diente. Ich begrüßte sie und gar freundlich nahm sie mich auf.
Ich sagte dann etwa so: „Mutter L., Sie wissen ja, daß wir
bald unsern Kirchweihtag festlich begehen und an demselben durch
Kuverte eine Gabe zur Verminderung unserer Kirchenschulden dar⸗
bringen wollen. Ihre Verhältnisse weiß ich ja genau, und daß
Sie selbst der Gaben bedürftig sind. Doch wollte ich Sie auf
meinen Besuchen nicht überspringen; ja, ich wollte Ihnen auch
ein Kuvert lassen, aber nur mit der Bitte, durch dasselbe sich er⸗
innern zu lassen, fleißig Fürbitte zu tun bei dem HErrn für unsere
Gemeinde.“ Darauf antwortete diese alte Witwe: „Ja, Herr
Pastor, ich bete fleißig für unsere Gemeinde, aber ich will auch
etwas geben. Sehen Sie, als Sie vor drei Wochen bekannt
machten, Sie würden diesmal die Kuverte bringen, da sagte ich
bei mir selbst: Deine Gabe muß auch dabei sein. Aber woher
nehmen? Endlich kam mir ein Gedanke. Sehen Sie, da bin
ich denn in diesen Wochen täglich in die Schluchten und Ver⸗
tiefungen gegangen mit meinem Sack und habe dort in dem Schutt
und in der Asche, die von der Stadt dort abgeliefert wird, alte
Eisenstücke herausgesucht und sie heimgeschleppt. Das hat der
HErr gesegnet, denn ich hab's verkaufen können. Es waren über
600 Pfund, und was denken Sie? — drei Dollars sind mir
dafür geworden!“ Hierauf holte sie das Geld aus einer Tasse
hervor und gab es mir mit den Worten: „Bitte, stecken Sie die
drei Dollars in mein Kuvert und nehmen Sie es gleich wieder
mit; denn vielleicht wird es mir meiner Gebrechlichkeit wegen
nicht vergönnt sein, dem Feste beizuwohnen; aber meine Gabe
muß da sein! Darum legen Sie sie für mich ein, und für die
Gemeinde zu beten will ich nicht vergessen.“ Ich wollte das Geld
nicht annehmen und nötigte sie, es für ihre Bedürfnisse zu ver⸗
wenden. Doch half alles Reden nichts, ich mußte ihre Gabe mit⸗
nehmen.
Solche Witwen sind ein kostbares Gut in einer Gemeinde, ja
ein Segen Gottes. Und während ein Pastor in seiner Gemeinde
manchen sauren Gang tun muß, läßt der HErr der Kirche ihn
auch manchen erfreulichen Gang tun. Mit einem Segenswunsch
verließ ich das Stübchen dieser Witwe, fühlte mich draußen etwas
beschämt und dankte Gott für solche Witwe in meiner Gemeinde.
Möge dies Exempel andere reizen zur Fürbitte und zur Opfer⸗
willigkeit für ihre Gemeinde und für das ganze Reich IEsu Christi!
F. W.
Wozu braucht Gott die reichen Leute?
Reiche Leute sollen sich vor dem Gedanken hüten, als wollte
sie Gott darum, daß sie reich sind, nicht in seinem Reiche haben;
er will sie nur gerne haben, sofern sie Buße tun und seine Gnade
und Trost von Herzen begehren. Er bedarf ihrer auch wohl:
Erstlich dazu, daß, weil Gott ihnen seinen Segen reichlich
hat widerfahren lassen, sie der Kirche sich annehmen und dieselbe
fördern sollen, daß sie desto besser bestellt woerde, wie Jes. 49
stehet: „Die Könige sollen deine Pfleger und ihre Fürstinnen
deine Säugammen sein.“ Denn weil das Kirchenamt ein schweres
Anit ist, dabei man weltlicher Händel und sonderlich der Nahrung
nicht abwarten kann, ist's hoch vonnöten nach des Apostels Rede,
daß solche Personen ihre ziemliche Versehung (das ist, ordent⸗
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