Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 3 › Seite 46

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. Februar 1914, Seite 46

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lichen Gehalt! haben und ihrem Amte fleißig obliegen können.
Da sollen nun reiche Leute das Beste bei tun. Denn die Armen
vermögen's nicht. Es geschieht ohne Zweifel Gott ein sonder⸗
licher Dienst und Wohlgefallen daran.

Zum andern bedarf unser HErr Christus der Reichen auch
dazu, daß sie helfen, daß feine, geschickte Knaben zur Lernung und
Gottesfurcht aufgezogen werden. Denn das erfahren wir ge⸗
meiniglich, daß armer Leute Kinder zum Lernen tauglicher sind.
Wo aber denselben, weil es in ihrem Vermögen nicht ist, von
reichen Leuten dazu nicht geholfen wird, müssen sie dahinten⸗
bleiben und können nicht fortkommen.

Zum dritten findet man sonst auch arme, notdürftige Leute,
die Krankheit oder andern Unfalls halber ihre Nahrung nicht
schaffen können. Da sollen reiche Leute auch das Beste bei tun
und gerne helfen. Denn darum hat Gott ihnen mehr denn andern
gegeben, daß sie treue Haushalter sein und solchen Segen gott⸗
selig und wohl gebrauchen sollen. (Luther.)

Nur nicht zu früh verzagen!

Zu dem berühmten Afrikareisenden Dr. Livingstone sagte
einmal tiefbekümmert ein Offizier, der von Umtrieben seiner
Gegner vieles auszustehen hatte: „Ich bin ein verlorner Mann!“
Da entgegnete Livingstone in ernstem Tone: „Ein verlorner
Mann? So sollte niemand so leicht sagen, dem Gott noch zur
Seite steht!“ Er zeigte dem Offizier die Narben an seinem Arm,
die von der Tatze eines Löwen herrührten, und erzählte: „Ein
Negerdorf wurde von einem alten Löwen übel heimgesucht. Da
beschloß ich, den Leuten zu helfen. Ich suchte mit einigen Negern
den Löwen auf und schoß auf ihn.
Kugel nur, er stürzte sich auf mich und riß mich zu Boden. Die
Neger ließen mich im Stich. Ich schaute dem Löwen in die
glühenden Augen und spürte seinen heißen Atem. Ich war nach
menschlichem Ermessen ein verlorner Mann, der nichts anderes
erwarten konnte als einen qualvollen Tod. Da machte einer der
fliehenden Neger eine Bewegung, als wenn er auf den Löwen
schießen wollte. Sofort warf sich der Löwe auf diesen Mann,
verwundete ihn und einen andern, der sich mit der Lanze ver⸗
teidigen wollte, und brach dann, vom Blutverlust erschöpft, leblos
zusammen. So wurde ich gerettet und weiß nun: man kann

unter der Tatze eines Löwen liegen und ist doch kein verlorner
(Nachbar.)

Mann; Gott kann auch da noch helfen!“

FT
E

Todesanzeigen.

Wenige Tage nach dem Ableben unsers unvergeßlichen, lieben
D. H. Wunder ist nun auch der letzte geistliche Pionier der Kirche
Chicagos und Umgegend heimgeholt worden in die triumphierende
Kirche, nämlich unser lieber P. em. Anton Wagner. Er
starb am 10. Januar. Die Beerdigung fand statt am 13. Januar
unter großer Beteiligung aus fast allen Gemeinden Chicagos.
Im Trauerhause, um 9 Uhr morgens, amtierte der Unterzeichnete.
Dort wurde ein Abschiedsgottesdienst für die Familienglieder ab⸗
gehalten. Von da aus wurde die Leiche in die Zionskirche ge⸗
bracht, in welcher der Verstorbene 42 Jahre lang das Predigtamt
verwaltet hat. Dort wurde um halb elf ein Gottesdienst abge⸗
halten, in welchem P. H. Engelbrecht die Gedächtnisrede hielt
über Hebr. 13, 7. Die große, geräumige Kirche war gefüllt.
Von dort wurde die Leiche zur Christuskirche gebracht, wo um
halb zwei Uhr nachmittags ein Gottesdienst abgehalten wurde, in
welchem P. H. Succop über Phil. 1, 21 predigte. Auch hier war
die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Beigesetzt wurde die

Leider verwundete ihn die

teure Leiche auf dem Konkordia⸗Gottesacker. Am Grabe amtierte
der Unterzeichnete. — P. Anton Wagner war am 20. Januar
1830 zu Allendorf an der Lumda, nahe bei Gießen, der Haupt⸗
stadt des Großherzogtums Hessen, geboren. Als junger Mann
kam er nach Amerika und wurde in Baltimore von P. Wyneken
bewogen, sich auf das Predigtamt vorzubereiten. Nachdem er in
Fort Wayne sein Examen bestanden hatte, bediente er folgende
Gemeinden: zu Watertown, Wis.; Freistadt, Wis.; Pleasant
Ridge, Ill., und seit Ende 1867 die Zionsgemeinde in Chicago.
Zweiundvierzig Jahre stand er dieser Gemeinde vor, bis er vor
etwa vier Jahren wegen eines asthmatischen Leidens das ihm
liebgewordene Amt mit schwerem Herzen niederlegen und in den
Ruhestand treten mußte. Besonders im letzten Jahre hatte er
mit großer Atemnot zu kämpfen und seufzte oft: „O wenn Gott
mir nur mein letztes Stündlein nicht so schwer machen möchte!
Doch sein Wille geschehe!“ über Bitten und Verstehen hat der
HErr gegeben, denn ohne sichtlichen Todeskampf ist er sanft ein⸗
geschlafen. — So haben wir denn in kurzer Zeit die beiden Väter
aus unserer Mitte zu Grabe getragen, die uns ein Vorbild ge⸗
wesen sind im Glauben und im Leben. Möge ihr Gedächtnis
unter uns im Segen bleiben! E. W.

Am Donnerstag, den 22. Januar, entschlief im Bekenntnis
seines Heilandes fein sanft und stille P. J. Peter Fackler
zu St. Charles, Mo. — Geboren zu Berg bei Memmingen in
Bayern am 28. Januar 1845, hat er erst die Volksschule in
Memmingen, später die Anstalt P. Fr. Brunns in Steeden be⸗
sucht, kam dann 1869 auf das Concordia-Seminar in St. Louis
und trat am 9. Juli 1871, ordiniert von P. Ph. S. Estel, ins
Amt zu Columbia Bottom, Mo. Am 12. April 1872 schloß
er den Bund der heiligen Ehe mit Frl. Margareta Krauß aus
Erlangen. Sieben Jahre später nach Canton, Mo., berufen,
diente er der dortigen Gemeinde zehn Jahre. Am längsten aber,
von Oktober 1889 bis zum 14. April 1912, war er Pastor der
Zionsgemeinde in Harvester, Mo. Nachdem seine dortige Ge⸗
meinde am 9. Juli 1911 sein vierzigjähriges Amtsjubiläum ihm
hatte feiern helfen, nötigte ihn im Jahr darauf die Schwäche
des Alters, sein teures Predigt- und Schulamt niederzulegen und
die ihm so lieb gewordene Gemeinde zu verlassen. Er brachte
dann die letzten sechzehn Monate seines Lebens an der Seite sei⸗
ner ihn nun überlebenden Gattin in St. Charles zu. Kindlich
in seinem Glauben, treu in seiner Arbeit, still in seinem Wandel,
geduldig in seinem Leiden, getrost im Tod: so ist er im Gedächt⸗
nis derer, unter denen er gewandelt hat, und die sich zahlreich um
seine Bahre scharten, als am 25. Januar von der Immanuels⸗
kirche zu St. Charles aus sein müder Leib zur letzten Ruhe ge⸗
bracht wurde. Im Hause hatte P. A. Fühler amtiert; in der
Kirche hielt P. Jul. A. Friedrich über 2 Tim. 4, 7. 8 eine er⸗
greifende Predigt. Der Männerchor von St. Charles und die
Schulkinder sangen; und P. C. E. Höh von der Gemeinde in
Columbia Bottom überbrachte die herzlichen Beileidsbeschlüsse der
dortigen Gemeinde. Die Einsegnung vollzog P. A. Mießler von
Harvester. P. P. Fackler hat sein Alter gebracht auf 68 Jahre,
11 Monate und 24 Tage. Sein Gedächtnis bleibe im Segen!

K.

Nneue Drucksachen.

Christ ist erstanden. (Christ Is Arisen.) Für gemischten Chor. Von
J. C. Strieter. Einzeln 25 Cts., das Dutzend 52.00. 9 Sei⸗

ten 7411. Verleger: I. C. Strieter, 4510 Virginia Ave., St.
Louis, Mo. Zu beziehen vom Concordia Publishing House,
St. Louis, Mo.

Diese neueste Kompofition Lehrer Strieters bietet einen Chor, erst
unisono, dann vierstimmig, Baßsolo, Quartett oder Chor, Chor unisono,

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