Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 3 › Seite 41

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. Februar 1914, Seite 41

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vielmehr ein dreistöckiges Fundament vor, auf dem drei Türme
von verschiedener Höhe aufgebaut sind. Das dreistöckige Funda⸗
ment, das sind die drei ersten Grade, die für alle Freimaurer
1gleich sind: der Lehrlings⸗, Genossen⸗ und Meistergrad (En—
tered Apprentice, Fellow Craft und Master Mason). Wer
nun diese drei Grade durchgemacht hat, ist Freimaurer. Er
kann dann, wenn er will (und über die nötigen Mittel verfügt
— denn die Sache kostet éin heilloses Geld), in einem der drei
Türme weiter hinaufsteigen. Der erste Turm hat dreizehn Stock⸗
werke (Grade) — das ist der Amerikanische Ritus (American
Rite). Dahin gehört zum Beispiel der Grad der Tempelritter
(Knights Templar). Der zweite Turm, in den man ebenfalls
nur durch jene drei unteren Stockwerke gelangt, heißt der Schot⸗
tische Ritus (Scottish Rite). Der hat die berühmten dreiund⸗
dreißig Grade. Der dritte Turm hat sechsundneunzig Grade,
das ist der Agyptische Ritus (Egyptian Rite). (Die drei unte⸗
ren, zu allen andern führenden Hauptgrade heißen auch Blue
Lodge, die American Rite auch Royal Arch Masonry.) Dazu
kommt noch eine Verbindung, die aber nicht als ein separater
Grad gilt, der sogenannte Mystic Shrine, zu dem nur Tempel⸗
ritter (aus dem Royal Arch) und Glieder des zweiunddreißig⸗
sten Grades, aus dem Schottischen Ritus, gehören dürfen. Im
ganzen gibt es im Freimaurertum mehr als vierhundert Grade;
doch ist alles, was in diesen Graden vor sich geht, nur Aus⸗
dehnung des Werkes der drei Fundamentalgrade, des Lehr⸗
lings⸗, des Genossen⸗ und des Meistergrades. Es ist freimau⸗
rerische Lehre, daß das Wesen des Freimaurertums in diesen
drei Graden enthalten ist; alles andere ist Beiwerk. Es sei
noch einmal betont, daß, wer diese drei Grade durchgemacht
hat, voll und ganz und in jedem Sinne des Worts Frei

maurer ist. ö ö

Lassen wir nun einen, der diese ersten drei Grade durch⸗
gegangen ist, zu Worte kommen.

„Vor einigen Jahren“, schreibt Herr Holt, „wurde ich
angegangen, mich der Freimaurerloge anzuschließen. Ich sage,
ich wurde darum angegangen, ja man drängte und schob
mich zum Anschluß. Als ich aber eintrat, mußte ich aussagen,
ich sei „aus eigenem Antrieb' gekommen.“ (Ein Wort der
Erklärung. Es ist freimaurerische Prahlerei, daß sie niemand
bitten oder auffordern, ihrem Geheimbund beizutreten.
Man will damit die unvergleichliche Hoheit des Ordens recht
ins Licht rücken, die an sich schon genügend sei, edle Seelen
anzuziehen, auch ohne daß die Glieder Mission für ihren Verein
treiben, wie es von andern Vereinen geschieht. Aber das ist
Heuchelei und Lüge. Der Freimaurerorden wirbt Glie-
der wie jede andere Loge.) „Oft hatte mich meine Mutter
gewarnt, oft hatte mein Seelsorger mit mir gehandelt und
mich gebeten, ich möchte doch das Schiff meines Lebens nicht
auf so gefahrvolle Wege treiben lassen, aber es war alles ver⸗
gebens. Ich widerstand dem Zeugnis des Heiligen Geistes
und meines eigenen Gewissens, ließ das Gottvertrauen fahren
und verließ mich auf Menschen, und bald war ich in den
Schlingen der Loge verstrickt und verwickelt. Je weiter ich
hineinkam, desto fester geriet ich in die Schlinge, immer tiefer
wollte ich eindringen in die Geheimnisse, deren Enthüllung
man mir in Aussicht stellte. Freimaurerische Verwandte ver⸗
sicherten mir, die Gerechtigkeit des Logentums sei höher als
„die Gerechtigkeit des Christentums, und obwohl ich an dem
Beiwerk, das ich zu sehen bekam — der Leiche, den Särgen,

den Dolchen und Schwertern —, sowie bei den blutdürstigen
Eiden stutzig wurde, was für eine Tugend hier wohl walten
möchte, so wagte ich doch damals noch nicht, das Wesen des
Ordens danach zu beurteilen, da so viel ältere Leute als ich
anders urteilten. Daß auch sogenannte „gute Kirchenleute“, ja
sogar Pastoren dazu gehörten, verblendete mich noch vollends.
„Jetzt weiß ich, daß das Freimaurertum nicht nach den
Leuten beurteilt werden darf, die dem Orden angehören; denn
es sind das alles Leute, die ini Finstern gehen, und die der
Fürst der Finsternis betört hat. Da mir aber Gottes Wort
sagt: ‚So wir unsere Sünde bekennen, so ist er treu und ge⸗
recht, daß er uns die Sünde vergibt und reinigt uns von aller
Untugend“, so fühle ich mich in meinem Gewissen gezwungen,
da ich auf keine andere Weise meinem Erlöser und denen, die
noch in der Loge sitzen, meine Schuldigkeit tun kann, hier⸗
mit vor Gott und Menschen alle Gemeinschaft
mit geheimen Gesellschaften aufzuheben und
alle geleisteten Verpflichtungen“ — die Eide sind
gemeint — „für null und nichtig zu erklären. Ich
handle damit aus der innersten überzeugung, daß das Frei⸗
maurertum ein Substitut für das Evangelium
von Christo sein will, und daß der Freimaurer⸗
orden sowohl dem Gesetze Gottes als auch den
Gesetzen des Staates zuwider ist. Er arbeitet gegen
die Versprechungen, die er selber gibt, er ebnet den Weg zum
Verderben unsterblicher Seelen und muß schließlich selber im
ewigen Verderben enden. Kein Mensch, der einen offenen Sinn
und auch nur gewöhnliche Geistesgaben besitzt und das Frei⸗
maurertum im Lichte der Heiligen Schrift erkannt hat, kann
Freimaurer werden oder Freimaurer bleiben.“ G.

Zwei Lektionen aus dem Altenheim.

Erste Lektion.
Mein lieber Neffe Paul!

Nun endlich komme ich dazu, Dir meinen versprochenen
Bericht über meinen Besuch im Altenheim zukommen zu lassen.
Mein Besuch daselbst war mir selbst sehr interessant, und es
wird Dich gewiß auch interessieren, zu erfahren, welch verschie⸗
denartige Erfahrungen dort zu machen sind.

Natürlich sind die Insassen jenes Heims alle alt und
mehr oder weniger gebrechlich. Eine ganze Anzahl derselben
steht in einem sehr hohen Alter, hat zum Teil die Grenze von
achtzig, ja selbst von neunzig überschritten. Daß bei solchen
Alten nicht bloß der Leib, sondern auch der Geist schwach ist,
ist selbstverständlich. Doch gibt es auch Insassen, die noch bei
hohem Alter wunderbar frisch sind. Und wirklich herzerquickend
ist es, wenn solche Greise und Greisinnen Sprüche und Lieder⸗
verse ohne Anstoß hersagen können. Fragt man sie dann,
wann sie dies alles gelernt haben, so ist die Antwort: „In
meiner Jugend, in unserer Schule.“ Da sieht man ganz deut⸗
lich den Segen einer christlichen Erziehung und einer christ⸗
lichen Schule.

Doch weit mehr als dies interessierte es mich, die Ursachen
zu erfahren, welche die Insassen bewogen haben, ein solches
Heim in ihren alten Tagen aufzusuchen. Dies erfuhr ich, als
mein Führer mich einen Blick in das große Buch tun ließ, in
welchem die kurze Beschreibung der Insassen verzeichnet ist.

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