Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 24 › Seite 458

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. November 1915, Seite 458

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Vorſteher 1

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Der SErr hat unserm Lande Frieden beschert und die
Scheunen aufs neue gefüllt, und wiederum erschallt der Advents—
ruf: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,
daß der König der Ehren einziehe! Wer ist derselbe König
der Ehren? Es ist der HErr Zebaoth, er ist der König der
Ehren.“ F. Pfotenhauer.

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Vom Amt der Laienältesten oder Vorsteher.

J. Vom Laiendienst in der alten Kirche.

Beim Lesen der Heiligen Schrift Neuen Testaments machen
wir die Wahrnehmung, daß schon in der apostolischen Zeit eine
Anzahl von Amtern innerhalb der christlichen Gemeinden be—
standen. Zwar wird uns nicht über alle diese Amter mit
gleicher Ausführlichkeit berichtet. Und wenn wir die Stellen
miteinander vergleichen, an denen von diesen verschiedenen
Arten des Dienstes an der christlichen Gemeinde geredet wird,
so wird uns auch klar, weshalb die Schrift über manche
dieser Amter ganz ausführlich, über andere weniger ins ein—
zelne gehend berichtet. Es redet die Schrift nämlich von Gaben,
die nur der christlichen Kirche der Anfangszeit verliehen waren,
die später in solch Aufsehen erregender Fülle nicht mehr be—
standen. 1 Kor. 12 und 14 nennt der Apostel Propheten,
Wundertäter, Leute, die die Gabe hatten, gesund zu machen
und in mancherlei Sprachen zu reden. Solche Gaben schenkte
Christus seiner Kirche in der Anfangszeit, um ihre göttliche
Sendung auszuweisen, wie er verheißen hatte. (Mark. 16,
17. 18.) Das waren Arten des Dienstes an der Gemeinde,
die sich nicht aus den Bedürfnissen der ersten Christenheit ent⸗
wickelt hatten — man hätte lange „entwickeln“ können, ehe
ein Wundertäter oder ein Zungenredner zustande gekommen
wäre —; es waren auch nicht Leute, die von der christlichen
Gemeinde für diese Verrichtungen gewählt worden waren,
sondern so, wie Gott diesen Personen besondere Gaben der
Weissagung oder der Krankenheilung schenkte, wandten sie diese
im Dienste der Gemeinde an; nur daß alles ordentlich zu—
ginge, wie Paulus im Brief an die Korinther so eindringlich
mahnt. (1 Kor., Kap. 14.)

So wenig ausführlich nun die Schrift von den genannten
Dienstleistungen in der ersten Christenheit berichtet, so bestimmt
gibt sie an, was für Leute für das Bischofsamt gewählt
werden sollen, und welcherlei Verrichtungen die Bischöfe zu
übernehmen hatten. Dieses Amt unterscheidet sich nämlich in
mehrfacher Hinsicht von dem Dienst der Propheten, der Wunder⸗
täter, der Zungenredner und Sprachenausleger. Während den
christlichen Gemeinden nicht befohlen war, daß sie Zungen—
redner und Wundertäter unter sich hätten, hatten die Bischöfe
das, was ihr Name bedeutet, nämlich das Amt von Aufsehern
über die Gemeinde, waren Hirten, die zu weiden hatten, waren
Lehrer, die zu unterrichten hatten, hatten eine Herde, die ihnen
befohlen war, waren also das, was wir Pastoren, Seelsorger,
nennen. Lies Tit. 1, 9; Apost. 20, 28; 2 Kor. 5, 18. Haben
nun die Pfarrherren und Seelsorger hierzu göttlichen Auftrag
und Befehl, so ist allerdings allen christlichen Gemeinden be—
fohlen, daß sie ihre berufenen, ihnen von Gott gesetzten
Prediger und Seelsorger auch als ihre geistlichen Hirten und
Lehrer anerkennen und dieses Amt durch ihre Gaben unter sich
erhalten, wie die Schrift so häufig und ernstlich mahnt. Es

hat die christliche Gemeinde daher auch nicht selber zu ent⸗

scheiden, ob sie einen Seelsorger haben will oder nicht, son⸗
dern dieses Verhältnis von Hirten und Herde, von Predigern
und Hörern, ist ein von Gott gesetztes, und wo es eine Schar
von Christen gibt, da sollen sie das Amt am Wort unter sich
aufrichten, indem sie einen Seelsorger und Prediger wählen.
Deshalb, weil nämlich zu allen Zeiten die christlichen Ge⸗
meinden geistliche Hirten, Seelsorger, haben sollen, sind die
Eigenschaften, die ein solcher besitzen soll, mehr als einmal
ganz genau in der Schrift beschrieben: 1 Tim. 3, 1—7; Tit.
1, 5—9.

Doch bestanden noch andere Amter in den ersten christ⸗
lichen Gemeinden. Wir wollen uns etwas näher mit ihnen
beschäftigen und sehen uns einmal die Schriftstellen an, in
denen von diesen Amtern die Rede ist. Das tun wir aus
einem doppelten Grunde. Erstlich ist uns gewiß auch das,
was die Bibel hierüber sagt, zur Lehre geschrieben. Sodann
können wir nur durch eine solche Untersuchung dem öfters an
uns gerichteten Wunsche nachkommen, daß der „Lutheraner“
einmal über das Amt der Laienältesten oder Vorsteher
etwas ausführlicher schreibe. ö

Woher kommen nun die Worte „Altester“, „Vorsteher“,
als Bezeichnung eines Dienstes an der Gemeinde? Sie werden
in der Schrift öfters gebraucht. Zwar, an manchen Stellen
heißt „Altester“ nur so viel als bejahrtes Glied der Gemeinde;
lies zum Beispiel 1 Tim. 5, 1. An andern Stellen ist aber
ganz offenbar ein Amt damit bezeichnet. 1 Tim. 5, 17:
„Die Ältesten, die wohl vorstehen, die halte man zwiefacher
Ehre wert, sonderlich die da arbeiten im Wort und in der
Lehre.“ Da werden die Leute, die „im Wort und in der
Lehre“ arbeiten, also die Prediger,“*) „Alteste“ genannt, „vor⸗
stehende Alteste“; aber das Wort „sonderlich“ zeigt an, daß es
auch Beamte in den Gemeinden gab, die nicht am Worte
arbeiteten, die aber auch den Namen „Alteste“ trugen, auch
„vorstanden“, Vorsteher waren. Was für eine Arbeit diese
zu verrichten hatten, wird an der Timotheusstelle nicht gesagt.
Es heißt da nur, man solle auch diese „Altesten“, „Vorsteher“,
hoch in Ehren halten.

An die Römer schreibt Paulus (Röm. 12, 8): „Regieret
jemand, so sei er sorgfältig.“ So übersetzt Luther, und zwar
richtig. Paulus hat Griechisch geschrieben, und ganz wörtlich
übersetzt, hießen die Worte auf deutsch: „Wenn jemand vor—
steht, so tue er es mit Eifer.“ Das wird gesagt, wo von
andern Amtern in der römischen Gemeinde geredet wird. Es
gab also unter diesen Beamten auch solche, die man „Vorsteher“
nannte; was aber ihre Verrichtung war, wird wiederum nicht
näher oder im einzelnen gesagt. Nur sollten sie mit Eifer das
tun, womit sie beauftragt waren.

1 Kor. 12, 28 werden neben den Gaben der Weissagung
und der Krankenheilung auch die Gaben des „Helfens und
Leitens“ genannt, ohne daß angegeben wird, worin der Dienst
bestand, und wieweit sich das „Lenken“ und „Regieren“ er—
streckte. Aus dieser Stelle hat man'aber den Ausdruck „Regier⸗

*) Auch sonst wird der Ehrentitel „Alteste“ den geistlichen Hirten,
den Pastoren (Bischöfen), beigelegt: 2 Joh. 1; 3 Joh. 1 (vgal. V. 9); 1 Petr.
5, 1; 1 Thess. 5, 12; Apost. 20, 17 (vol. V. 28); Tit. 1, 5 (vgl. V. 7). Man
nannte sie Bischöfe, um ihren Beruf und ihre amtliche Tätigkeit zu kenn⸗
zeichnen, und Alteste, um die Würde ihres Amtes und ihrer Person an⸗
zudeuten.

English translation

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