Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 24 › Seite 463

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. November 1915, Seite 463

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und streiten sich oft um die geringfügigsten Sachen, wäh⸗
rend grobe Sünden wie Unzucht und Hurerei gar kein Auf⸗
sehen erregen. Bedenkt man dann, welch einen unerschöpflichen
Vorrat von Ausflüchten sie bei der Hand haben, wenn man sie
zur Palli (zum Unterricht) ruft, so möchte man beinahe daran
verzweifeln, daß es mit ihnen je dahin kommen wird, daß sie
selbständig und zu solchen Leuten werden, die aus Liebe zu
Gott und seinem Wort zur Palli kommen.“

Aber gerade solchen armen, schwachen, vom Teufel und
seinen Schuppen seit Jahrtausenden geknechteten Menschen soll
das Evangelium gebracht werden. Auch an ihren Herzen kann
es sich als eine Kraft Gottes beweisen, die da selig macht. Aber
wie nötig ist es auch hier, daß wir in der Heimat treu hinter
den Missionaren stehen, damit unsere Heidenboten nicht mutlos
und verdrossen werden bei ihrer schweren Säemannsarbeit, daß
wir ihnen durch unser Gebet die Hände stärken, und daß wir
auch derer vor Gott gedenken, die im Unterricht stehen, damit
sie wirklich für Gottes Reich gewonnen werden und dem, der
auch sie erlöst hat, treu bleiben bis in den Tod.

Mit einigen kürzeren, guten Nachrichten wollen wir diesen
Artikel schließen. Durch die Bemühungen unserer Staats⸗
beamten ist unserm auf der Reise nach Amerika in Hongkong
gefangengesetzten Missionar Freche die Freiheit wieder ge—
worden. Er ist am 13. November glücklich in St. Louis an⸗
gelangt und wird seine Urlaubszeit hier in Amerika zubringen.
— Unser Missionskandidat Ludwig und das für das Bergheim
berufene Ehepaar Lorey sind am 6. November von San Fran⸗
cisco abgefahren und werden, wenn alles gut geht, Ende De⸗
zember in Indien eintreffen. Da sie alle amerikanische Bürger
sind, ist uns sowohl von unsern eigenen Staatsbeamten wie
auch von denen der englischen Regierung die Zusicherung ge—
geben worden, daß ihrer Zulassung in Indien nichts in den
Weg gelegt werden könne. — Eine reiche Gabe ist unserer
Heidenmission zuteil geworden. Frau Marie Scheer von Ozau—
kee, Wis., hat ihr 58798.30 vermacht. Davon sind zwei Drittel
für die ostindische Mission und ein Drittel für die Chinamission
bestimmt, und die ganze Summe ist bereits im September aus⸗
bezahlt worden. Gott erwecke in diesen ernsten Zeiten der
Heidenmission und jeder Mission unter uns viele fromme, mild—
tätige Herzen! „Ich muß wirken, solange es Tag ist. Es
kommt die Nacht, da niemand wirken kann“, Joh. 9, 4.

L. F.

*
——

Zur kirchlichen Chronink.

—
—

Wieviel kann ein Christ mit gutem Gewissen auf Luxus
verwenden? Diese Frage taucht immer wieder, namentlich aber
unter den wohlhabenden Gliedern unserer Gemeinden, auf.
Unter Luxus will man Dinge in Speise, Kleidung und Bequem—
lichkeiten verstehen, die zum menschlichen Leben nicht durchaus
nötig sind. Aus dieser Beschreibung von „Luxus“ geht schon
hervor, daß die Frage, ob und wieviel ein Christ mit gutem Ge—
wissen auf Luxus verwenden könne, nicht auf die Reichen oder
Wohlhabenden zu beschränken ist. Auch die minder Wohlhaben—
den, ja auch solche, die sich arm nennen, gestatten sich fast allge—
niein Ausgaben in Nahrung, Kleidung und Bequemlichkeiten, die
nicht durchaus nötig sind. Und niemand soll ihnen das zur Sünde
machen. Wie Gott in seinen Gaben an die Christen sich nicht
auf das Nötigste beschränkt, sondern ihnen mehr oder minder

N
reichlich gibt, so können auch die Christen im Gebrauch dieser
Gaben über das Nötigste mit Danksagung gegen Gott hinaus⸗
gehen. Sie sollen nur zusehen, daß der Gebrauch unter Dank
gegen Gott und nach der allgemeinen Regel geschieht: „Ihr esset
nun oder trinket, oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes
Ehre.“ — Freilich ist damit die Frage, wieviel, das heißt,
wie viele Dollars und Cents, ein Christ auf Luxus verwenden
dürfe, noch nicht beantwortet. Und die Frage soll auch nicht be⸗
antwortet werden. Ihre Beantwortung ist auch nicht nötig. Wir .
Christen haben einen Prüfstein, durch dessen Anwendung wir in
diesem Fall und in vielen andern Fällen das Richtige treffen.
Wir nehmen die Sache vor das Angesicht unsers Got⸗
tes und Heilandes, des wir sind, und dem wir dienen,
Und besprechen die Sache mit ihm. Und zwar etwa in dieser
Weise: „Du weißt, mein lieber Heiland, daß ich dich über
alles liebhabe, weil du mich mit deinem Blut erlöst und mir
den Himmel und die Seligkeit geschenkt hast. Du weißt auch,
daß ich nicht mir selbst, sondern dir und deinem Reiche hier auf
Erden leben will. Du siehst auch, daß ich von dem irdischen Gut,
das du mir noch neben der ewigen Seligkeit geschenkt hast, dir
nicht das vorenthalte, was du in deinem Reiche für die Predigt
des Evangeliums gebrauchst. So zürnst du mir auch sicherlich
nicht, sondern ich habe dein Jawort dazu, wenn ich von dem, was
mir nach dem Dienst in deinem Reich noch übriggeblieben ist, etwas
auf Luxus verwende. Ich danke dir von Herzen für alle Gaben
im Geistlichen und Leiblichen.“ Wenn wir so oder ähnlich die
Sache mit unserm Heiland besprechen, so löst sich die Luxusfrage
ganz von selbst. Es kommt nun leider vor, daß wir tatsächlich

die Frage nicht immer richtig beantworten, sondern uns selbst an

die erste und den Heiland mit seinem Evangelium an die
zweite Stelle setzen. Aber das kommt dann daher, daß wir
den Heiland und sein Wort augenblicklich vergaßen. Wir be—
sprechen⸗-uns, anstatt mit unserm Heilande, mit unserm Fleisch
und Blut. F. P.

Die Jowaͤsynode hat sich die Aufgabe gesetzt, für das Jubel⸗
jahr der Reformation, 1917, eine Jubiläumsgabe von 8300,000
zu sammeln. Im „Kirchenblatt“ vom 16. Oktober meldet der
Kassierer, daß von dieser Summe bereits §5200,705.44 gezeichnet
seien. Die in dieser Nummer quittierten Beiträge der einzelnen
Gemeinden betragen von je 81000 bis zu §2000. Auch unsere
Synode hat beschlossen, eine solche Jubiläumsgabe zu sammeln,
und zwar für die Kirchbaukasse. Da sollten wir auch bald mit
Energie darangehen, damit eine unserer großen Synode ent⸗
sprechende und würdige Summe zusammenkommt. Wenn wir in
zwei Jahren am vierhundertjährigen Gedächtnistage der Refor-
mation Gott danken für die unaussprechlichen Segnungen, die
uns durch die Reformation zuteil geworden sind, dann sollte bei
dem Opfer der Lippen auch das fröhliche und reiche Opfer der
Hände sein. Bezahlen können wir ja den Segen der Reformation
nicht, aber wir können uns dafür dankbar beweisen, ihn erhalten
und verbreiten helfen. E. P.

Die Deutsche Evangelische Synode von Nordamerika feierte
das Jubiläum ihres fünfundsiebzigjährigen Bestehens. Im Jahre
1840 waren sechs Pastoren im Gravois-Settlement in der Nähe
von St. Louis beisammen. Diese mit zwei später Hinzugekom—
menen waren Gründer und Glieder des Kirchenvereins. Der
offizielle Name des neugegründeten Vereins war: „Deutscher
Evangelischer Kirchenverein des Westens.“ Als der Kirchen⸗
körper dann größer wurde, nannte er sich „Evangelische Synode
des Westens“, und gegenwärtig heißt er „Deutsche Evangelische
Synode von Nordamerika“. Die Synode besteht zurzeit aus 1095
Pastoren, etwa 14400 Gemeinden und Filialen und 30 Gemeinde⸗
schullehrern. Im statistischen Bericht für das Jahr 1914 sind
1236 Kirchen verzeichnet. Bekanntlich hat diese Kirche kein

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