Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 24 › Seite 460
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. November 1915, Seite 460
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Vorſteher. 221¹¹⁷ 4
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à.
Ser VTutheraned
2—
Amt der Diakonen als ein wichtiges angesehen wurde. Aber
gerade an dieser Stelle (1 Tim. 3) werden die Diakonen wohl
unterschieden von den Seelsorgern, den „Bischöfen“. Diese
hatten „die Gemeine Gottes zu versorgen“; sie
mußten „lehrhaftig“ sein, also die christliche Lehre wohl
kennen und sie auch andern, einer ganzen Gemeinde, mitzu—
teilen befähigt sein; das wird von den Diakonen nicht gesagt.
Die Eigenschaften, die von diesen gefordert werden, weisen hin
auf praktische Dienstleistung in der Gemeinde. Doch wollen
wir nicht übersehen, daß auch an dieser Stelle (1 Tim. 3) nichts
von den Verrichtungen gesagt wird, mit denen die dienenden
Laien beauftragt wurden.
wenn wir hieraus schließen, daß je nach den Bedürfnissen der
Gemeinde diesen Diakonen gewisse Aufträge erteilt wurden,
und sich ihr Amt demnach an manchen Orten so, an andern
anders gestaltete. Aus den Schriften der Kirchenväter erfahren
wir, daß die Diakonen in der Kirche auf Ordnung und Ruhe
zu sehen hatten; sie hatten die Lichter anzuzünden, lasen aber
auch Abschnitte aus dem Evangelium vor und meldeten die
Gebete an. Hauptsächlich aber besorgten sie, wie jene ersten
Diakonen in Jerusalem, den Dienst an den Armen, an den
Witwen und Waisen, waren aber in allen diesen Handlungen an
die Anordnungen des Bischofs (Seelsorgers) gebunden. Erst
als man für die Armen und Waisen eigene Anstalten errichtete
und diese besonderen Beamten unterstellte, traten jene Ver—
richtungen im Gottesdienst mehr in den Vordergrund. Darin
liegt nun wieder, daß die christlichen Gemeinden je nach Um—
ständen und Bedürfnissen den dienenden Laien und
Gehilfen der Ortspastoren bestimmte Arten des Dienstes zu⸗
wiesen. Daß manche dieser Diakonen in den geistlichen Dienst
eintraten, Missionare und Evangelisten wurden, sehen wir an
dem Beispiel des Philippus, der einer der ersten sieben Dia—
konen war und später Evangelist wurde. (Apost. 8, 5—40;
21, 8.)
Was lernen wir nun aus einer Vergleichung aller dieser
Stellen miteinander?
Wir lernen daraus erstens, daß außer den Altesten, die
am Wort und in der Lehre arbeiteten, den sogenannten Auf—
sehern oder Bischöfen, welche die Gemeinde Gottes zu versorgen
hatten, auch Gemeindeglieder zum kirchlichen Dienst
herangezogen wurden.
Wir lernen zweitens daraus, daß zwischen dem Dienst am
Wort und den andern Gemeindeämtern dieser Unterschied be—
stand, daß die Pfarrer und Prediger (Bischöfe) Aufseher waren
über die ganze Herde, unter die sie der Heilige Geist gesetzt
hatte; sie waren also auch Aufseher über die Laienältesten,
Diakonen, Vorsteher und andere Beamte der Gemeinde. Wir
lernen, daß die Gemeinden in der Errichtung und Aufrecht—
erhaltung des Predigtamts an eine göttliche Ordnung
gebunden waren, oder daß das Verhältnis einer Ortsgemeinde
zu ihrem Seelsorger göttlich festgesetzt ist. Dasselbe
läßt sich von dem Amte der Laienältesten, Vorsteher, Diakonen
nicht sagen. Diese Amter, kann man mit Recht sagen, sind aus
den jeweiligen Bedürfnissen der Gemeinden hervorgegangen,
haben sich nach und nach entwickelt.
Freiheit, selber zu entscheiden, ob sie Laiengehilfen für die Ver—
waltung der Gemeinde haben wollten; für die Errichtung des
Predigtamtes dagegen hatten sie eine göttliche Ordnung, sie
war ihnen befohlen.
Wir werden nicht im Irrtum sein,
Die Christen besaßen die
Wir lernen auch, daß die Verrichtungen des Predigt—
(Bischofs-) Amtes — weiden, lehren, Irrtümer widerlegen,
Haushalter sein über Gottes Geheimnisse, Boten sein an Chri—
stus' Statt — genau in der Schrift beschrieben sind. Das gilt
wiederum nicht vom Amte derer, die aus dem Laienstande zu
allerlei Hilfsverrichtungen herangezogen wurden. Wir wissen
nur, daß sie mit geschäftlichen Verrichtungen beauftragt wurden
und auch sonst in wichtigen Angelegenheiten die Gemeinde be—
raten halfen. Von einem bestimmt abgegrenzten Wirkungs—
kreis dieser Beamten berichtet weder das Neue Testament noch
die ältesten christlichen Schreiber. ö
Wir erkennen aber auch, daß schon in der ersten Christen—
heit der Dienst der Laienältesten oder Diakonen als ein sehr
wichtiger angesehen wurde, und daß sich diese Einrichtung
als eine weise und segensreiche erwies. Und weil
dies der Fall ist, hat unsere amerikanisch-lutherische Kirche wohl
daran getan, das Amt der Laienältesten, welches im Papsttum
untergegangen war und auch in der lutherischen Kirche Deutsch—
lands eine seltene Erscheinung gewesen ist, wieder aufzurichten.
Wir handeln daher in einem weiteren Artikel auf Grund des
Gesagten von den Eigenschaften, die man bei einem Ge⸗
meindeältesten oder Vorsteher suchen soll, wie auch von dem
Verhältnis, in dem die Inhaber solcher Amter zum Pastor
und zur Gemeinde stehen. 6.
— —
Versammlung des Kansas⸗Distrikts.
Am 5. Oktober dieses Jahres reisten die Vertreter des
Kansas⸗Distrikts zur Synode auf dem Hermannsberg bei Bre⸗
men, Kans. Der Weg hinauf war wohl etwas beschwerlich,
denn von Süd nach Nord reist es sich nicht gut durch Kansas.
Aber oben angelangt, war's schön. Auf dem höchsten Punkt
der ganzen Gegend, dem Hermannsberg, steht eine stattliche
Kirche und Schule. Welch wunderschöne Aussicht hat man von
hier aus! Eine reichgesegnete lutherische Farmgegend, soweit
das Auge reicht, bis in den Staat Nebraska hinein. Denn vier
blühende Tochtergemeinden umgeben die geliebte Mutter in
trautem Kranze. Zwei Türme ihrer schmucken Kirchen sind
in der Ferne sichtbar. Sinnend möchte man die fast fünfzig
Jahre dieser Gemeinde durchwandern und sich vergegenwär—
tigen, wieviel geistlicher Segen unter treuer Seelsorge der
Hirten für Große und Kleine wohl in dieser Zeit auf das um—
liegende geistliche Ackerfeld geflossen sein mag. „P. Landgraf
von Atchison predigte am Trinitatisfest 1868 zum erstenmal
bei Bremen, auf dem Hermannsberg.“ Doch wir dürfen ein—
ziehen in jene freundlich winkenden Farmhäuser, deren Türen
uns so gastlich sich geöffnet haben, und dürfen mit Freuden
bemerken, wie auch die jetzigen Bewohner nach der guten, alten
Regel sich richten: „Ich und mein Haus wollen dem SErrn
dienen.“
Doch über die Synode soll ja berichtet werden. Eben des—
wegen waren 150 Pastoren, 25 Lehrer und 75 Gemeinde—
vertreter aus dem großen Kansas⸗Distrikt, der die Staaten
Kansas, Colorado, Oklahoma und New Mexico umfaßt, auf
eine Woche nach dem Hermannsberg gekommen, um sich einen
Gottessegen mitzunehmen für Kirche, Schule und Gemeinde in
der Heimat. Und dieser war auch sicher reichlich da zu haben.
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