Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 24 › Seite 459
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. November 1915, Seite 459
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Vorſteher 2 · Vorſteher 3
alem zur Verteilung.
4 zwei Alteste.
j sonderes Vertrauen von der Gemeinde geschenkt wurde.
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*
älteste“ genommen, obwohl das Wort „Alteste“ hier nicht steht,
alich nicht angedeutet ist, ob es das gleiche Amt war. Nur geht
aus dem Zusammenhang hervor, daß es ein Dienst beson—
Nbers mit Gaben ausgestatteter Laien an der Ge—
meinde war.
Auch die Gemeinde in Jerusalem hatte Älteste. Als eine
Teurung entstand, und in andern christlichen Gemeinden für
1die besonders hart betroffenen Christen in Jerusalem kollek⸗
nert wurde, sandte man die Gaben an die Altesten in Jeru—
(Apost. 11, 30.) Hier ist also von
einer Verrichtung die Rede, welche den Altesten anbefohlen
war: sie hatten dafür zu sorgen, daß die Almosen der Leute
in Antiochien und anderswo in gerechter Weise an die Chri—
sten in Jerusalem verteilt wurden. Es waren diese Altesten
demnach Leute, denen man ein großes Vertrauen schenkte. Ja,
aauch wenn es galt, in wichtigen Sachen der Lehre ein Urteil
abzugeben, wurden die Altesten in Jerusalem um ihre Meinung
befragt. Als Irrlehrer in die Gemeinde zu Antiochien ein—
gedrungen waren, wurden Paulus und Barnabas und einige
andere nach Jerusalem gesandt „zu den Aposteln und Altesten
um dieser Frage willen“. Dort wurden sie empfangen „von
den Aposteln und von den Ältesten“. Merken wir darauf:
obwohl diese AÄltesten nicht nachweislich im Lehramte tätig
1 waren, wurden sie doch bei der Beratung hinzugezogen (Apost.
15, 6), und sie werden wieder besonders genannt, als die Ge—
meinde nun zusammengerufen wurde, und eine Antwort auf
Ddie Frage der Brüder in Antiochien verabfaßt werden sollte.
Höchstwahrscheinlich waren jener Judas und Silas, die Paulus
auf seiner Rückreise begleiteten und die Antwort überbrachten,
Was erkennen wir aus diesem Bericht? Wir er—
keunen daraus, daß den Altesten, auch wenn es solch wichtige
Sachen der Lehre und des Glaubens zu beurteilen galt, ein be—
Jedoch
waren sie nicht Herren der Gemeinde, handelten auch nicht
immabhängig von den Aposteln, sondern berieten im Verein mit
diesen und der ganzen Gemeinde, ehe ein Beschluß in der Sache
gefaßt wurde.
ö Wie war es denn in der Gemeinde zu Jerusalem dazu ge—
kommen, daß neben den Aposteln noch andere Männer, Laien,
im Dienst an der Gemeinde tätig waren? Auf diese Frage
finden wir im sechsten Kapitel der Apostelgeschichte die Antwort.
Es wird dort nämlich erzählt, daß sich manche Glieder beklagten
über die ungleiche Versorgung der Armen. Die Witwen der
„Griechen“, das heißt, der fremdländischen Juden, kamen bei
der Verteilung der Almosen zu kurz. Das wird gewiß nicht
in böser Absicht geschehen sein; denn man kann sich gar wohl
vorstellen, daß die Apostel mit diesen aus der Ferne herbei—
gezogenen Familien weniger bekannt waren als mit den ein—
heimischen, und daß gerade sie daher bei dem raschen Wachstum
der Gemeinde leicht übersehen wurden. Was taten nun die
Apostel? Sie beriefen eine Gemeindeversammlung. Und als
die Menge der Jünger beisammen war, legten sie ihnen die
Sache vor. Sie sprachen: „Es taugt nicht, daß wir das Wort
Gottes unterlassen und zu Tische dienen. Darum, ihr lieben
1 Brüder, sehet unter ench nach sieben Männern, die ein gut Ge—
rücht haben und voll Heiliges Geistes und Weisheit sind, welche
wir bestellen mögen zu dieser Notdurft. Wir aber wollen an—
halten am Gebet und am Amt des Wortes.“ Auf diesen Vor—
schlag ist die Gemeinde bereitwilligst eingegangen. Sieben
Männer wurden gewählt, und diese wurden dann von den
Aposteln feierlich in ihr Amt eingeführt. Und gleich danach
heißt es: „Und das Wort Gottes nahm zu, und die Zahl der
Jünger ward sehr groß zu Jerusalem.“ Es hat sich also diese
neue Einrichtung als eine gute und heilsame für die Gemeinde
erwiesen. Die Einigkeit wurde wiederhergestellt, und die Ge—
meinde erbaute sich nach innen und außen.
Wie gerieten wohl die Apostel auf den Gedanken, gerade
in dieser Weise dem entstandenen Übel in der Gemeinde ab⸗
zuhelfen? Der heilige Schreiber meldet nicht, daß der Heilige
Geist sie mit der Errichtung des Diakonenamtes beauftragt
habe. Er hatte sie aber in alle Weisheit geleitet und ihnen auch
die Erkenntnis ihrer christlichen Freiheit verliehen, ver⸗
möge deren sie nun die nächstliegenden rechten Mittel anwandten,
um die Armenpflege zu ordnen. Dazu hatten sie aber ein Vor⸗
bild in dem Amt der „Vorsteher“ oder „Altesten“ in den jüdi⸗
schen Schulen. In den Schulen, den gottesdienstlichen Ver⸗
sammlungshäusern der Juden, bestand die Einrichtung, daß
gewisse angesehene Bürger das Amt der „Altesten“ bekleideten;
sie werden Luk. 7, 3 so genannt; sonst heißen sie auch „Oberste“,
Apost. 13, 15; Mark 5, 22; sie trugen auch den Namen „Vor⸗
steher“. Ihre Hauptverrichtung war gerade die Armenpflege;
doch leiteten sie auch die Gottesdienste, predigten aber nicht,
sondern forderten unter den Anwesenden solche, die in der
Schrift bewandert waren, auf, Ansprachen über ein Wort der
Schrift an das Volk zu halten. Diese Einrichtung war gewiß
allen Gliedern der Gemeinde zu Jerusalem von Jugend auf be⸗
kannt, und man richtete nun in der Gemeinde einen Dienst ein,
der sich schon in der Versorgung von Witwen und Waisen in
der jüdischen Schule bewährt hatte. Auch die Namen „Alteste“,
und „Vorsteher“ nahm man herüber und legte sie, wie wir schon
gesehen haben, den Beamten bei, die den Aposteln und Predi—
gern an die Seite gestellt wurden. Wir haben gehört, daß
Apost. 11, 30 die Leute, welche jene Kollekte aus Antiochien
an die Notleidenden verteilten, „Alteste“ hießen. Ein Amt,
einen stehenden Dienst der Wortverkündigung im neutestament—
lichen Sinne, hatte es aber unter den Juden jener Zeit nicht
gegeben, daher führte man für dieses neuerrichtete Amt
der Seelsorge und Predigt ein Wort ein, das man aus der
griechischen Sprache nahm, und das eigentlich der Amtsname
von Aufsehern über gewisse Städte war, das Wort „Bischof“.
Ein Amtsname fehlt bei jenem ersten Komitee von Armen⸗—
pflegern, doch waren ihre Verrichtungen schon in der jüdischen
Schule eine althergebrachte Ordnung. In christlicher Freiheit
führte man nun diese Ordnung in der Gemeinde zu Jerusa—
lem ein. Diese Sieben besorgten Arbeit, welche die Prediger
der Gemeinde aus Mangel an Zeit nicht tun konnten. Man
sieht, diese Einrichtung war nicht ein neben dem Predigt⸗
amt ursprünglich von Gott gestiftetes Amt, sondern war aus
den Bedürfnissen der Gemeinde herausgewachsen, war ein in
christlicher Freiheit vom Predigtamt abgezweigtes
Hilfsamt. Es bestand nicht nur in Jerusalem. Auch sonst
werden die Diakonen (Diener) in der Apostelgeschichte und
in den Episteln genannt. Die Gemeinde in Philippi hatte
Alteste, aber auch Diakonen. (Phil. 1, 1.) Und an Timo—
theus schreibt der Apostel in seinem ersten Briefe (3, 813),
wie die „Diener“, das heißt, die Diakonen, beschaffen sein
sollten. Daraus geht hervor, daß diese Einrichtung in den
ersten christlichen Gemeinden keine seltene war, und daß das
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