Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 26 › Seite 493

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Dezember 1915, Seite 493

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Weihnacht 4

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Worl 5 Luthers *

Und ich sahe einen Engtel
iegen mitten durch den C
Himmel, der hatte ein ewig 7

Cvangelium, zu verkiindigen
denen, die auf Erden sihen
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Vülkern, und
sprach nul groher Stimme:
Lürchier Golt, und gebei
inm dit Chre; denn die Zeit
stiues Gerichis ist ommen,
und betel an den, der gemacht
hai Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser-

HZerausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

71. Jahrgang.

St. Louis, Mo., den 21. Dezember 1915.

Nr. 26.

„Friede auf Erden.“

Während Krieg und große Schrecken alle Welt bedecken,
feiert die christliche Kirche ein Friedensfest, das Geburtsfest
des Friedefürsten. Denn es ist Friede auf Erden. Diese Weih—
ö nachtsbotschaft der Engel wird von weltlichen Rednern und
Schreibern dahin verkehrt, als ob sie den Menschen weltlichen
Frieden verkündigte, als wäre Christus dazu geboren, poli—
tischen Frieden zu bringen. Er sagt aber selbst: „Ihr sollt
nicht wähnen, daß ich kommen sei, Frieden zu senden auf Erden.
Ich bin nicht kommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.
Denn ich bin kommen, den Menschen zu erregen wider seinen
Vater und die Tochter wider ihre Mutter und die Schnur
wider ihre Schwieger. Und des Menschen Feinde werden seine
eigenen Hausgenossen sein“, Matth. 10, 34—36. Wo das
Evangelium des Friedens durch dessen Boten verkündet wird,
da erhebt sich alsbald Widerspruch und Feindschaft des fleisch—
lichgesinnten Menschen gegen den Friedefürsten. Er ist „gesetzt
zu einem Fall . . . vieler und zu einem Zeichen, dem wider—
sprochen wird“, Luk. 2, 34. Den Ungläubigen ist er „ein
Stein des Anstoßens und ein Fels der Ärgernis, die sich stoßen
an dem Wort und glauben nicht daran“, 1 Petr. 2, 8.

Und dennoch ist durch die Geburt Christi Friede auf Erden
gekommen, freilich nicht ein Friede, wie die Welt gibt, sondern
ein Friede, den Christus gibt, der Friede Gottes, der höher
ist denn alle Vernunft, Phil. 4, 7. Es ist kein Friede der
Welt und des Fleisches, wodurch ein Mensch von der Not und
Trübsal dieses Lebens befreit und irdisch glücklich wird; es
ist vielmehr der Friede, den Gott mit den Menschen geschlossen
hat, und durch den der Sünder mit Gott Frieden hat.

Mit Gott Frieden haben, ist die einzige Quelle aller
wahren Glückseligkeit. In diesem seligen Frieden mit Gott

war der Mensch einst geschaffen. Durch die Sünde wurde der
Mensch Gottes Feind und Gott des Menschen Feind. Der
Mensch hatte durch Ungehorsam Gott die Freundschaft aufge—
kündigt, ihm den Krieg erklärt und wurde ein Rebell gegen

—4.

Gott. Aber Gott setzte aus Gnaden Feindschaft, eine Scheide—
wand, zwischen dem Weibe und ihrem Samen und dem Teufel
und seinem Samen, 1 Mos. 3, 15. Christus, der Weibessame,
sollte den Frieden wieder aufrichten. Er sollte dazu geboren

werden. Die Gläubigen im Alten Bunde warteten des Friede—
fürsten. Noah wurde Ruhebringer genannt, vielleicht weil sein

Vater, wie Eva den Kain, seinen Erstgebornen für den verheiße—
nen Erlöser hielt. Jakob verkündete, auf das Heil wartend,
den Helden, den verheißenen Friedebringer. Jesaias weis—
sagt: „Er heißt . . . Friedefürst, auf daß seine Herrschaft groß
werde und des Friedens kein Ende“, Jes. 9, 6. 7; und malt
das Friedensreich Christi mit lieblichen Farben, mit dem Bild
irdischen Friedens, aus, Jes. 11, 6—16. Der Friedefürst wurde
gerade zu der Zeit geboren, als unter dem Kaiser Augustus
ein mehr als dreißigjähriger Friede im römischen Weltreich
herrschte.

Durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes wurde ein
allgemeiner Friede auf Erden mit Gott gestiftet. Gott wohnt
in dem Sohn der Maria mit der ganzen Fülle der Gottheit
leibhaftig und hat sich mit diesem Kinde zu einem Gottmenschen
in einer Person vereinigt. Er hat mit den Menschen einen
ewigen Friedensbund geschlossen. Durch seine Engel ruft er
den Frieden auf Erden aus. In dem Gottmenschen ist allen
die Friedenshand Gottes auf Erden dargereicht. Durch die
Geburt Christi ist nun alles, was den Frieden mit Gott auf
Erden hinderte, hinweggetan: Gottes Zorn ist gestillt, das
Gesetz erfüllt, Gott versöhnt, Friede mit Gott gestiftet, und
dadurch ist Friede auf Erden geworden. Ja, „Gott war in
Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete
ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das
Wort von der Versöhnung“, 2 Kor. 5, 19. „Er ist uvser Friede,
der aus beiden eines hat gemacht und hat abgebrochen den Zaun,
der dazwischen war, in dem, daß er durch sein Fleisch wegnahm
die Feindschaft, nämlich das Gesetz, so in Geboten gestellet war,
auf daß er aus zweien einen neuen Menschen in ihm selber
schaffete und Frieden machte, und daß er beide versöhnete mit

English translation

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