Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 26 › Seite 499

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Dezember 1915, Seite 499

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den regelmäßigen Besuch zu fördern, indem allermeist einfach
an den Ehrgeiz appelliert wird, während dann denen, die kom⸗
men, wenig Gottes Wort geboten wird, höchstens noch das
Gesetz, das auch noch so mißbraucht wird, daß es Pharisäer
großzieht. Um so mehr müssen wir bei der Einrichtung unserer
Sonntagsschulen mit dem allergrößten Fleiß darauf sehen, daß
der rechte Unterricht in Gottes Wort durchaus die eine, große
Hauptsache bleibe, daß die Lehre vom gänzlichen erbsündlichen
Verderben und von Gottes Zorn über die Sünde und dann
vor allen Dingen das einzige Heil in Christo immer wieder
gelehrt werde.

Aus der Bibel soll aber das Material für den Unterricht
so ausgewählt werden, daß es für den Unterricht zweckdien⸗
lich ist. Dabei würde durch ein Zuviel ebensowohl gefehlt wer⸗
den als durch ein Zuwenig. Zu wenig wird den Kindern jeden⸗
falls geboten, wenn man auf einen geordneten Unterricht in den
Heilswahrheiten und in den Hauptstücken der christlichen Lehre

gar nicht eingeht, sondern nur dieses oder jenes herausgreift,

etwa einige Geschichten, ohne Zweck und Ziel, so daß eine
Person, die vielleicht den ganzen Sonntagsschulkursus durch⸗
gemacht hat, später doch sagen muß: „Ich habe nie gehört, was
die zehn Gebote sind“ oder: „Ich habe das Vaterunser nie
gelernt“ und dergleichen mehr. — Aber auch durch ein Zuviel
kann man es verfehlen. Wenn von einem Schüler, der nur
die Sonntagsschule besucht, erwartet wird, daß er schier so viel
lernt wie der Schüler einer Wochenschule, oder wenn der Sonn⸗
tagsschullehrer weitergeht mit seiner Lektion, ehe das Gelernte
wirklich erfaßt worden ist, so daß die schnell aufeinanderfolgen⸗
den Eindrücke einander verwischen, und wenn nichts durch ordent⸗
liche Wiederholung fest eingeprägt wird, so hat man dem Schüler
zu viel zugemutet und sein Ziel mehr oder weniger verfehlt.
Darum muß das Material gerade für diesen Unterricht,
für den uns so wenig Zeit zu Gebote steht, mit besonderer
Sorgfalt ausgewählt und systematisch geordnet
werden für die verschiedenen Grade. Der Altersunterschied
wie auch der Unterschied im Erkenntnisstand der verschiedenen
Schüler einer Sonntagsschule macht ja die Einteilung derselben
in verschiedene Grade notwendig. Da kommt sehr viel darauf
an, daß das Memorierpensum wie auch die biblischen Geschichten
sehr sorgfältig geordnet werden, so daß ein Schüler, der die
ganze Sonntagsschule durchgemacht hat, schließlich sich ein ganz
bestimmtes Quantum christlichen Wissens angeeignet hat. Wir
setzen voraus, daß die vom Concordia-Verlag herausgegebenen
Sonntagsschullektionen, die gerade diesem Zwecke dienen sollen,
hinlänglich bekannt sind.

Auf eins muß noch hingewiesen werden, daß nämlich die
Sonntagsschullehrer sorgfältig ausgewählt und angeleitet wer⸗
den müssen. Sie übernehmen ja einen Teil der Pflichten des
einen Amtes, das der HErr in der Kirche gestiftet hat. Darum
sollen sie gottesfürchtig und lehrhaftig sein. Als Gehilfen des
Pastors stehen diese Lehrer unter seiner besonderen Aufsicht,
sollten auch von ihm unterrichtet und angeleitet werden, wie
sie ihr Amt zu führen haben; und jeder Pastor, der die Sonn—
tagsschule als ein Hilfsmittel der Mission gebrauchen kann und
will, wird sich, wenn er die Zeit dazu erübrigen kann, die Mühe
nicht verdrießen lassen, seine Lehrer regelmäßig um sich zu
sammeln, um sie auf die einzelnen Lektionen wie auch auf ihre
Arbeit im allgemeinen vorzubereiten, oder dieses durch andere,
fähige Personen geschehen lassen.

Doch wird es kaum notwendig sein, in bezug auf diesen
Punkt weiter auf Einzelheiten einzugehen. Sollte es uns doch
nach dem Gesagten feststehen, daß die Sonntagsschule trotz all
der Mängel, die ihr namentlich bei den Sekten anhaften, und
trotzdem sie der Kirche niemals das werden kann, was die Ge—
meindeschule ist, dennoch sich wohl gebrauchen läßt als ein
Hilfsmittel der Mission, wodurch der Gemeinde der Segen er—
wächst, daß sie auch durch diese Einrichtung sich nach außen und
innen erbaut, daß sie immer besser ausgerüstet wird, auch unter
unsern heutigen hiesigen Verhältnissen dem Werk gerecht zu
werden, das ihr der HErr aufgetragen hat, nämlich Seelen
zu werben und zu gewinnen für sein Reich. Hat doch schon
vor Jahren der selige D. Gräbner im TReoι¹ανιιαον Hμαrτιεrν
(III, S. 84) geschrieben: „And if, by opening Sunday-
schools, we can shed the glorious light of the Gospel into
the hearts of perhaps hundreéds of young children which we
could otherwise never expect to reach, there is certainly a want,
and aà crying want.“ M. K.

Reformationsjubiläum im Jahre 1917.

Unsere letzte Delegatensynode hat allerlei Beschlüsse gefaßt
in bezug auf eine würdige Feier des Reformationsjubiläums
im Jahre 1917. Es sollen Festgottesdienste abgehalten wer—
den, Festbüchlein und Traktate gedruckt und zum Teil gratis
zur Verteilung kommen, eine Jubelkollekte für unsere Allge⸗
meine Kirchbaukasse erhoben, und eine Denkmünze geprägt
werden. (Siehe Synodalbericht, S. 179 ff.)

Die Synode hat kein Komitee ernannt, das es sich an⸗
gelegen sein läßt, dahin zu wirken, daß die von der Synode
gefaßten Beschlüsse ausgeführt werden. Der Unterzeichnete er⸗
laubt sich nun hiermit, folgendes Zentralkomitee für die Jubel⸗
feier zu ernennen: die Glieder unserer Allgemeinen Kirchbau—
kommission: P. H. Bartels, Lehrer Th. Kühnert und Herrn
B. A. Schieferdecker; Prof. Th. Gräbner; die Pastoren C. F.
Drewes und Alf. Dörffler; Lehrer L. H. Becker; die Herren
F. G. Haueisen und G. W. Lindhorst, sämtlich in St. Louis
wohnhaft.

Herr P. Drewes ist Vorsitzer, Herr Lehrer Becker pro—
tokollierender und Herr Lehrer Kühnert korrespondierender
Sekretär.

Dieses Komitee wird sich nun zunächst in einem Zirkular
an alle Pastoren unserer Synode wenden und ihnen seine Pläne
vorlegen. F. Pfotenhauer,

Präses der Allgemeinen Synode.

Chicago, Ill., den 14. Dezember 1915.

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Zur kirchlichen Chronik.

Darf man von „sich lutherisch nennenden Synoden“ reden?
Das hatten unsere Brüder in Buffalo in ihrem Lokalblättchen, ge⸗
nannt „Der Missourier“, getan. In einem Artikel „Warum
sollen wir an unserer evangelisch-lutherischen Kirche festhalten?“
war ausgeführt worden, warum wir das tun sollen, und zum
Schluß die Bemerkung gemacht, daß freilich der lutherische Name
leider nicht genügend sei, weil es Synoden gebe, die sich lutherisch
nennten, ohne es in allen Stücken zu sein; daß man dagegen in
der Missourisynode und den mit ihr in der Syunodalkonserenz ver⸗

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