Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 26 › Seite 502

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Dezember 1915, Seite 502

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GI 2 —
Sen „Tutheraned

A

mittelalterlichen Unterschiede zu verwischen, die gemacht wurden
vor der Zeit der geschäftlichen und gesellschaftlichen Gleichheit,
und daß man sich zusammenfinden will.“ Ralph S. Wheeler,
der Großmeister des Freimaurerordens in Illinois, schien sich
für die Sache zu interessieren. Er sagt: „Die Freimaurerei hat
nichts an sich, was dem Katholizismus zuwider wäre. Es liegt
gar kein Grund vor, warum es nicht zu einer völligen Ver—
ständigung und Duldung kommen sollte.““ — Das letztere stimmt
gar nicht mit dem, was die Freimaurer uns immer sagen. Sie
reden uns immer ein, wir seien töricht, daß wir gegen ihren
Orden wären. Sie arbeiteten ja gar nicht gegen uns, sie hätten
es nur auf die Katholiken abgesehen, die bekämpften sie.
Nun sind ja Papsttum und Freimaurertum im Grunde darin
längst einig, daß sie beide gegen das Evangelium von Christo
angehen und Werklehre treiben. Doch können wir nicht verstehen,
wie das Papsttum sich zum Freimaurertum sollte bekennen können,
dem eine Religion so gut ist wie die andere. Und wenn das
Papsttum diese Gegenstellung auch weniger einnimmt, um Christo
seine Ehre zu wahren, so muß es das schon tun um seiner selbst
willen, um des Papstes Ehre willen. E. P.

Wie dankbar man alles registriert, was dem Papst an Ehre
erwiesen wird, zeigt ein Artikel des „Katholischen Glaubensboten“
mit der überschrift „Weltkrieg, Weltfriede und Papsttum“, der
also anfängt: „Es hat heute einen ganz eigenartigen Reiz, die
Urteile über das Papsttum, welche vor dem Kriege vielfach üblich
waren, den Tatsachen gegenüberzustellen, welche der Weltkrieg ge⸗
schaffen hat. Das Papsttum eine Ruine“, eine „Mumie“, ein
„Sandhaufen, den der Strom der Zeit in kürzester Frist aus⸗
einanderspülen wird“, ein uberbleibsel vergangener Zeiten, über
welches die Geschichte längst zur Tagesordnung übergegangen ist⸗
— das waren so die milderen Ansichten, welche selbst in gelehrten
Werken sich hören ließen. Da kam der Krieg, und die Tatsachen
redeten eine überraschende Sprache. Da beeilt sich England, dem
niemand ein feines Abwägen der realen Machtfaktoren absprechen
kann, das antipäpstliche England, das Land des fanatischen No-
Popery'-Geschreis, einen Gesandtschaftsposten beim Papst einzu⸗
richten; das protestantische Holland tut dasselbe, und das anti⸗
klerikale, kirchen⸗ und papstfeindliche Frankreich ruft einen katho⸗
lischen Prälaten, Duchesne, in Rom zu Hilfe, um seine Sache
beim Vatikan zu verfechten, und die französische Zeitung Beno de
Paris bringt aus der Feder des katholischen Romanschriftstellers
Rene Bazin eine Mahnung, dahin gehend, daß in Rom mehr als
sonstwo die Verteidigung über den Ruf eines Volkes geführt wer⸗
den müsse; denn Roms Einfluß erstrecke sich über die ganze Erde
und gehe bis in die Tiefen der Völker. Der Vierverband setzt

alle Hebel in Bewegung und fälscht selbst Interviews (Latapie),

um den Papst als Freund der Feinde Deutschlands ausgeben zu
können. Wo man in solcher Weise an der Gewinnung einer
Institution arbeitet, stellt man dieser das Zeugnis aus, daß man
in ihr weder eine V„Mumie“ noch eine Ruine“, sondern eine sehr
lebendige Macht sieht. Und die Menschheit von heute? Sie geht
mitnichten achtlos an diesem Felsen vorbei, sondern lauscht mit
gespannter Aufmerksamkeit auf die Worte, welche von jenem
Felsen herab an die Machthaber dieser Erde und die vom herben
Kriegsgeschick heimgesuchten Völker ergehen.“ — In ihrer Not
greifen die ringenden Völker nach jedem Strohhalm. Sie wissen
nicht, was sie damit tun. Der einzige, der alles berechnet, stets
die Augen offen hat und aus allem für sich Kapital zu schlagen
versteht, das ist der alte Schlaumeier in Rom, der es versteht,
die Leute zu narren. E. P.
Eine betrübende Erscheinung in diesem Krieg ist der viel⸗
fache Gebrauch von „Schutz⸗ oder Himmelsbriefen“, welche von
unsern Soldaten mit in das Feld genommen oder von ihren An⸗
gehörigen ihnen nachgeschickt worden sind. Wer einen solchen

Brief bei sich trage, heißt es in demselben, dem können nichts
schaden Geschütze, Degen und Pistolen; alle Gewehre müssen
stille stehen vor ihm. Das ist aber ein schändlicher Aberglaube,
der zugleich eine grobe Sünde ist, weil er Mangel an Vertrauen
bedeutet zu dem lebendigen Gott und mit dem Beschwören auf
gleiche Stufe zu stellen ist, das im zweiten Gebot verboten ist.
Ein Soldat unsers Frankenlandes, dem ein solcher Brief in das
Feld nachgeschickt wurde, ist erfreulicherweise zu dieser Einsicht
gekommen. Er erhielt nämlich auch von dem Pfarrer seiner Ge⸗
meinde das Blättchen „Einer für alle“ zugeschickt, in welchem
Aufklärung über die verwerflichen Schutzbriefe gegeben war.
Darauf schrieb er an seine Eltern: „Ihr habt mir vor einiger
Zeit einen Schutzbrief geschickt; aber nachdem ich beiliegendes

Blättlein gelesen habe, habe ich den Schutzbrief gleich zerrissen

und weggeworfen. Bitte, lest das Blättlein durch und saget Euch,

daß Ihr noch Aberglauben besitzt. Mich hat der liebe Gott bisher

gnädig und wunderbar behütet, aber nicht um des Briefes willen,

weil ich den bei mir getragen habe, sondern um seiner Güte

willen, durch seine Gnade und Barmherzigkeit. Ich bete auch,

daß er mich gesund und munter wieder heimkehren lasse. Und

sollte das nicht sein Wille sein, sollte ich verwundet werden oder

gar fallen, so laßt es kommen, wie er bestimmt; laßt uns hinzu⸗
fügen: Nicht mein oder unser Wille geschehe, sondern Gottes

Wille. Der schönste Tod, den es gibt, ist der Soldatentod, und

ist er noch so schwer. Wir wollen unsern lieben Gott fügen lassen,

wie er will, und nicht diesen Brief. Darum hab' ich ihn zerrissen
und weggeworfen. . . .“ Möchten viele unserer tapferen Sol⸗

daten das Gleiche tun und sich von diesem sündlichen Aberglauben

mit Abscheu abwenden! Wie viele mögen tot oder verwundet

auf den Schlachtfeldern liegen, die solche Schutzbriefe bei sich ge⸗

führt haben! Ein Lazarettgeistlicher schreibt, daß er bei manchen

Verwundeten, die im Lazarett gestorben sind, Schutzbriefe in ihren

Taschen gefunden habe. Wie hat der Aberglaube diese Armen be⸗

trogen! Der Glaube spricht: Gott kann mir helfen und mich be⸗

schirmen, wenn es sein guter und gnädiger Wille ist.

Es kann mir nichts geschehen,
Als was Er hat versehen,

Und was mir selig ist. (Freimund.)

Neue Drucksachen.
Synodalberichte des Jahres 1915.
72 Seiten. Preis: 15 Cts. 6a. Jowa-Distrikt. 72 Seiten.
Preis: 15 Cts. Concordia Publishing House, St. Louis, Mo.
„Die Hauptweissagungen von Christo in den fünf Büchern Mosis“
sind der Gegenstand der Lehrverhandlungen im Jowa-⸗Distrikt für dieses
und wohl noch für manches folgende Synodaljahr. Der Referent, P. Th.
Hanssen, hat diesmal behandelt 1 Mos. 3, 14. 15; 4, 1; 4, 25. 26; 5, 28.
29 und 1 Mos. 9, 24—27. Mit ganz besonderer Ausführlichkeit natürlich
das erste Evangelium, die Weissagung vom Weibessamen, der der Schlange
den Kopf zertritt. — Im Südlichen Distrikt hat man dem Umstande,
daß er so stark englisch ist, durch ein doppeltes Referat Rechnung getragen:
durch ein deutsches, in welchem P. C. E. Scheibe die Geschichte von Kain
und Abel (S. 7—24) sorgfältig abhandelt, und durch ein englisches über
Religious Indifference“. Es hat uns gefreut, daß der Referent, P. A.
Wismar, diesen Gegenstand gewählt und (S. 24—54) so ansprechend und
zweckmäßig behandelt hat. Beide Syn odalberichte seien unsern Lesern
bestens empfohlen. K.

6. Südlicher Distrikt.

Ordinationen und Einführungen.

Im Auftrag der betreffenden Distriktspräsides wurden ordiniert
und eingeführt:
Am 13. Sonnt. n. Trin.: Kand. O. K. Eggers in der St. Jo⸗
hannisgemeinde zu Bear Spring, Mont., von P. P. Meyer.
Am 24. Sonnt. n. Trin.: Kand. G. Starck in seiner Gemeinde
zu Rochelle, Ill., von P. E. Hölter.

English translation

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