Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 26 › Seite 500
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Dezember 1915, Seite 500
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bundenen Synoden das Luthertum finde, an dem festzuhalten sei.
Dazu bemerkt das Blatt der Buffalosynode, dem solche Rede gar
nicht gefällt, folgendes: „Wer den Standpunkt vertritt, der in
obiger Ausführung zum Ausdruck kommt, der muß einmal dafür—
halten, daß die Missourisynode die lutherische Kirche ist, und daß
die Auslegung des Bekenntnisses, wie wir sie bei Missouri finden,
die allein richtige ist. Beides beanstanden wir. Wenn Missouri
auch glaubt, ein Monopol auf rechtes Luthertum zu haben, so
haben wir bei ihm doch noch nichts gefunden, was ihm ein sonder—
liches Recht gäbe, den Namen lutherisch vor andern zu führen,
noch sind wir von der Richtigkeit seiner Auslegung des Bekennt—
nisses überzeugt. Hat Missouri doch von Unparteiischen Buffalo
gegenüber unrecht bekommen. Aber immer wieder kommt in
Missouris Schriften der Ausdruck vor: „sich lutherisch nennende
Synoden“. Damit wird allen nicht zur Shnodalkonferenz ge—
hörenden Synoden das Luthertum rundweg abgesprochen.
gegen protestieren wir. Und alle lutherischen Synoden des Landes
sollten von neuem gegen diesen Machtspruch missourischer Eng—
herzigkeit und Selbstüberhebung energisch Protest erheben. Wer
hat Missouri denn das Richteramt übertragen? Die Buffalo⸗
synode spricht der Missourisynode das Luthertum nicht ab, obschon
in verschiedenen Lehrpunkten seit mehr als fünfzig Jahren Diffe-
renzen bestehen. Was das Alter der Synode, Treue gegen Gottes
Wort und Bekenntnis, die Aufrechterhaltung guter kirchlicher
Ordnung und die Ausübung kirchlicher Zucht anbelangt, hält die
Buffalosynode einen Vergleich mit Missouri ganz gut aus. Fährt
Missouri aber so fort, allen nicht mit ihm verbundenen Synoden
das rechte Luthertum abzusprechen, so erniedrigt es sich auf die
Stufe der Sekte und sollte als solche behandelt werden.“ — Dazu
nun einige Anmerkungen. Wenn wir davon im Gewissen über—
zeugt sind, daß unsere Lehre christlich und lutherisch ist, dann
dürfen und müssen wir auch sagen, daß die dem widersprechende
Lehre eben nicht christlich und lutherisch ist. So werden die
Buffaloer selbst praktizieren. Sie werden ihre Leute nicht an
die Missourisynode verweisen, sondern sie davor warnen und die
Gründe angeben, warum sie sich dieser Synode nicht anschließen
sollen, nämlich weil die Missourisynode in diesem und jenem Stück
nicht recht und lutherisch lehre. Anders können sie von ihrenn
Standpunkt aus gar nicht denken, reden und handeln. Der Artikel
sagt ja: er halte Missouris Auslegung des Bekenntnisses nicht
für die allein richtige; „wir sind nicht von der Richtigkeit sei—
ner Auslegung des Bekenntnisses überzeugt“; „in verschiedenen
Lehrpunkten bestehen seit mehr als fünfzig Jahren Differenzen“.
Damit sagt man doch: Die Missourisynode, die sich lutherisch
nennt, ist nach unserer überzeugung in diesen Punkten nicht luthe—
risch. Und dabei dann doch ganz allgemein sagen: „Wir sprechen
der Missourisynode das Luthertum nicht ab, obschon“ usw., das
hat nicht viel Sinn. Die einzige Erklärung wäre der Indifferen—
tismus, das heißt, die Gleichgültigkeit in der Lehre, daß man
sagt: Die lehren so, wir anders; aber dabei sind wir beide gut
lutherisch. Solche Gesinnung sollte man gerade in der Buffalo—
synode nicht erwarten, deren Gründer in das andere Extrem ging,
indem er nämlich die lutherische Kirche für die Kirche erklärte,
außer welcher niemand selig werden könne, und zum Beispiel der
unierten Kirche Deutschlands das Kirchesein ganz absprach, sie die
»unierte Königskirche“ nannte, die kein „Diener- und Haus—
halteramt JEsu Christi“ mehr habe, sondern nur „königliche
Staatsdiener“, die auch kein Sakrament verwalten könnten, son—
dern im Abendmahl nichts als Brot und Wein reichten, wenn sie
die Einsetzungsworte noch so oft sprächen, weshalb er gerade von
der Missourisynode zur Nüchternheit und Mäßigung gemahnt
wurde, woraufhin er ihr aber den Vorwurf machte, daß sie „jetzt
in einem unkirchlichen, nachgiebigen Liberalismus stecke, der ein
Extrem des Stephanismus ist“. Der Einigung der leider so
Da⸗
zerrissenen Kirche wird nur dadurch gedient, daß man es offen
sagt, daß ein Lehrunterschied vorliegt, ihn klar herauskehrt und
mit Gottes Wort und dem lutherischen Bekenntnis beleuchtet.
Dazu wird man sich um so mehr gedrungen fühlen, je näher
einem diese Kirchen stehen, je mehr Stücke der Wahrheit sie mit
uns gemeinsam haben. Die Verhandlung der Lehre ist unum—
gänglich nötig, damit die, welche aus der Wahrheit sind, die ö
Wahrheit erkennen und ihr zufallen, und die beharrlich falsch
Lehrenden so ihren Anhang verlieren. Freilich soll der Lehr⸗
kampf ohne fleischliche Leidenschaften geführt werden.
Leidenschaften ohne Verhandlung der Lehre sind doch noch viel
schlimmer. — Ob die Missourisynode ein Monopol auf die Wahr⸗
heit hat? Sie will es nicht haben. Sie sähe nichts lieber,
als daß die ganze Kirche der einen Wahrheit zufiele.
unserer Lehre steht nicht: „Nachdruck verboten.“
auch niemand Kredit dafür zu geben; den gebe er der Schrift und
dem Bekenntnis. — Wer der Missourisynode das Richteramt ö
übertragen hat? Das hat der HErr Christus getan — nicht der
Missourisynode allein, sondern allen seinen Christen, wenn er sie
vor falscher Lehre warnt und sie ermahnt, bei seiner Rede zu
bleiben. Luther, der doch auch lutherisch war, sagt: „über der
Lehre zu erkennen und zu richten, gehöret vor alle und jede
Christen, und zwar so, daß der verflucht ist, der solches Recht
um ein Härlein kränket.“ So will es Christus nicht haben: wenn
Laien unsere Lehre prüfen, daß wir denen sagen: Laßt das
Urteilen über die Lehre denen, welchen es nach dem 28. Artikel
der Augsburgischen Konfession zukommt, den Pastoren; und wenn
Pastoren unsere Lehre einer Beurteilung unterwerfen, wir
ihnen zu wissen tun: Ihr habt uns nicht eine brüderliche Anzeige,
sondern eine Kritik zugeschickt und damit euch der Sünde der
Tadelsucht schuldig gemacht — wenn man also ungestraft sein
will wie der Papst und niemand als Richter leiden will. — Daß
alles aufgefordert wird, Missouri als eine Sekte zu behandeln,
damit kommt Buffalo zu spät; das ist die ganze Zeit weidlich
geschehen. Man hat förmlich gemeint, Gott einen Dienst damit
zu tun, wenn man gegen Missouri anging. Haben wir es doch
erlebt, daß eine auch sich lutherisch nennende Synode sich geradezu
den bezeichnenden Namen „Antimissourier“ beilegte.
uns mit Gewalt eine Sekte nennen, so können- wir das nicht
hindern. So hat ja der „unparteiische“ heidnische Redner Ter⸗
tullus den Apostel Paulus beim Felix eingeführt als „einen Vor—
nehmsten der Sekte der Nazarener“, Apost. 24, 5. Da würden
wir auch mit Paulo sagen: „Das bekenne ich aber dir, daß ich
nach diesem Wege, den sie eine Sekte heißen, diene also dem Gott
meiner Väter, daß ich glaube allem, was geschrieben stehet im
Gesetz und in den Propheten“, V. 14. Und das sind wir längst
gewohnt, daß man auch an Orten, wo man kaum etwas von uns
gehört hat und nun auch wohl von uns hören will, „was du
hältst“, uns damit empfängt: „Denn von dieser Sekte ist uns
kund, daß ihr wird an allen Enden widersprochen“, Apost. 28, 22.
— übrigens, Kirche und Sekte unterscheiden sich ja durch rechte
und falsche Lehre. So kommen wir auf den Anfang zurück, daß
es gilt, die Lehre zu prüfen, ob die schriftgemäß und, was das⸗
selbe ist, lutherisch ist oder nicht. Und weil da Synoden sind,
zwischen denen zum Teil „schon seit mehr als fünfzig Jahren“
Lehrdifferenzen vorliegen, und die Wahrheit doch nur eine ist,
so wird es wohl dabei bleiben, daß es lutherische und sich luthe—
risch nennende Synoden gibt, bis sie alle einerlei Rede führen und
nicht Spaltungen unter sich sein lassen, sondern fest aneinander
halten in einem Sinn und in einerlei Meinung, 1 Kor. 1, 10.
Die Waffenlieferung und die Erkeuntnis des erbsündlichen
Verderbens. D. Hall vom Enion Theological Seminary hat sich
wiederholt gegen die Waffenlieferung ausgesprochen, wodurch
Aber
Bei
Es braucht uns
Will man
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