Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 26 › Seite 495
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Dezember 1915, Seite 495
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
— — — ——
—— *
. ———2 2
*
Aer utheraned S
49⁵5
Von Reisepredigern wurde es tief beklagt, daß viele unserer
Glieder sich so planlos ansiedeln. Infolgedessen entstehen viele
kleine, weitauseinanderliegende Predigtplätze, deren Bedienung
mit Wort und Sakrament nur gering sein kann. Es sind daher
in einzelnen Distrikten Informationsbureaus errichtet worden,
deren Aufgabe es sein soll, unsere Gemeindeglieder, die den
Wanderstab ergreifen wollen, in der Auswahl ihrer neuen
Heimat behilflich zu sein. Von dieser Einrichtung wolle man
denn auch fleißig Gebrauch machen und sich lieber des Rates
seiner Glaubensgenossen bedienen, als Landagenten sich an—
vertrauen.
5. Unser Schulwesen wurde auf allen Synoden besprochen.
Zur Ehre Gottes darf gesagt werden, daß es noch unter uns
blüht. Während die Schule leider in einigen Gemeinden in
Verfall geraten ist, bemühen sich andere, sie zu heben und einen
Lehrer zu berufen. Erfreulich ist es, daß unsere Missionskom⸗
missionen darauf sehen, daß die ihrer Pflege unterstellten Mis—
sionare sich der Jugend fleißig annehmen und, wo immer tun⸗
lich, christliche Schulen einrichten.
Luther schreibt: „Sollen wir dem künftigen Zorn und
Unglück entlaufen, so wird uns nichts überall helfen, denn daß
wir Gottes Wort mnit Ernst meinen und dasselbe helfen mit
allem Fleiß erhalten für uns und unsere Nachkommen, sonder⸗
lich durch Erhaltung guter Schulen und Auferziehung der
Jugend. Denn das sind die Pflänzlein, dadurch die Kirche
Gottes als ein schöner Garten erbauet und fortgebracht wird.
Darum sind wir alle, so Christen sein wollen, schuldig mit allen
Treuen, mit dem, so wir vermögen, dazu zu helfen und zu
fördern.. Darum laßt uns allesamt, beide Lehrer und
Schüler, auch zur Zeit dieser Heimsuchung Gott helfen seine
Körnlein zusammenbringen, ehe denn der endliche Zorn angehe,
der die Spreu ewiglich anzünden und verbrennen wird.“ (Erl.
17, 145 f.)
6. Was endlich unser Finanzwesen anbetrifft, so sprach
man sich dahin aus, daß bei unserer weitverzweigten Arbeit
Ordnung und System nötig sei. Die vornehmsten Kassen der
Synode, also unsere Synodal- und Missionskassen, sollten vor⸗
nehmlich bedacht werden. In manchen Distrikten ist daher die
Einrichtung getroffen worden, daß die einzelnen Gemeinden
durch ein von Zeit zu Zeit erscheinendes Bulletin über den
Stand der Kassen auf dem laufenden erhalten werden.
Bemerkt sei hier, daß in diesem Jahre bis zum 15. Okto-
ber bei unserm Allgemeinen Kassierer für die Synodalkasse
564,643.85 aus unsern Distrikten abgeliefert worden sind. Es
bleiben also für das letzte Guartal noch §525,000, um die nötigen
590,000 aufzubringen, ohne daß die Schuld in dieser Kasse
reduziert wäre. In die Synodalbaukasse sind seit der Dele⸗
gatensynode gegen 5100,000, also die Hälfte der erbetenen
Summe, einbezahlt worden. Gegenwärtig ist der Bau des
Wohngebäudes in Winfield im Gange, und im Nordwesten ist
man fleißig beim Kollektieren für das zu errichtende Lehr—
gebäude in St. Paul.
So wollen wir dem lieben Gotte herzlich danken, daß er
zu unsern diesjährigen Versammlungen wiederum seinen milden
Segen verliehen hat. Mögen die 4600 Synodalen gleich reich—
beladenen Bienen von den Synoden in ihre Gemeinden zurück—
gekehrt sein und nun den eingesammelten Honig zu Hause
fleißig austeilen! F. Pf.
Versammlung des Westlichen Distrikts.
Eine schöne Synode war das, die der Westliche Distrikt
vom 20. bis zum 26. Oktober inmitten der Dreieinigkeits⸗
gemeinde P. F. Rohlfings in Alma, Mo., abhielt. Unser HErr⸗
gott gab die ganzen Tage das ausgesuchteste Herbstwetter. Die
lieben Gemeinden in Alma und Umgegend bewirteten die Syn⸗
odalen aufs beste und freuten sich selbst, daß ihnen bei der
Kürze der dazu verfügbaren Zeit die Einquartierung der
Synode so herrlich gelungen war. So war alles in fröhlicher
Stimmung. Auf der Synode selbst lag auch nichts vor, was
irgendwie Erregung der Gemüter verursacht hätte. So war
es eine liebliche Versammlung; und die ganze Zeit konnte der
Belehrung und Erbauung und den vorliegenden Geschäften
gewidmet werden.
In dem üblichen Eröffnungsgottesdienst predigte der Ehrw.
Allgemeine Präses über Luk. 12, 35—46. Er behandelte das
Thema: „Wozu sollen wir uns bei unserer kirchlichen Arbeit
im Hinblick auf die Nähe des Jüngsten Tages bewegen lassen?“
Er antwortete: „Wir sollen 1. recht wachsam sein, 2. unsern
Beruf treu und klug ausrichten und 3. dabei beständig der
ewigen Vergeltung gedenken.“
Beim Namenaufruf am Nachmittag ergab sich, daß 309
Synodale anwesend waren; 114, darunter sehr viele Lehrer,
fehlten. Der Distriktspräses, P. J. J. Bernthal, verlas seine
Synodalrede und den Präsidialbericht über die letzten zwei
Jahre. Aufgenommen in die Synode wurden, 17 Pastoren,
4 Lehrer und 6 Gemeinden. Als Kaplan diente der Synode
P. C. W. Harre und als Hilfssekretär P. K. Ehlers.
Die Vormittagssitzungen wurden, wie das ja bei uns
Brauch ist, den Lehrverhandlungen gewidmet. Weil in zwei
Jahren das Reformationsjubiläum, so Gott will, gefeiert wer⸗
den wird, wurde ein Thema behandelt, das auf die Reforma—
tion Bezug hatte und besonders ihre Notwendigkeit hervorhob.
Prof. Th. Gräbner war Referent und behandelte das Thema:
„Das Papsttum des Mittelalters und der Anbruch des neuen
Tages. Eine Widerlegung des römischen Urteils über die
lutherische Kirchenreformation.“ Der vorletzte Papst hatte be—
hauptet, und Römlinge sind seitdem nicht müde geworden, in
Wort und Schrift das immer zu wiederholen, daß die Refor—
mation ein übel sei; sie sei gar nicht nötig gewesen; die Kirche
und die bürgerlichen Zustände seien in schönster Ordnung ge—
wesen; die Reformation sei nur eine greuliche Zerwühlung
des lieblichen Gottesgartens gewesen und habe in Staat und
Kirche die verderblichsten Folgen gehabt. Demgegenüber wurde
nun gezeigt aus der Geschichte, aus Aussprüchen von Zeit⸗
genossen, ja selbst von Päpsten jener Zeit, wie überaus böse
es in der Kirche aussah, wie allerdings eine Reformation bitter
nötig war. Ging doch durch die ganze Christenheit ein Schreien
und Verlangen nach einer Reformation der Kirche „an Haupt
und Gliedern“, und wurden doch große Kirchenversammlungen
abgehalten, um eine solche Reformation ins Werk zu setzen.
Aber diese brachten keine Reformation zustande, weil sie das
Geheimnis der Bosheit im Papsttum nicht erkannt hatten. Es
herrschte allgemeine Ratlosigkeit, es schien keine Hilfe zu geben.
Da griff Gott drein und sandte seinen Reformator, Luther,
der sowohl die eigentlichen Schäden der Kirche erkannte, als auch
das rechte Mittel dagegen kannte und zur Anwendung brachte:
das Wort Gottes, das Evangelium von Christo. Die Aus⸗
English translation
Not yet translated.