Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 8 › Seite 120
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 17. April 1900, Seite 120
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule
12⁰
er Vuthsraned
zeichneten Missionars, wurden acht erwachsene Taubstumme, unter
welchen sich fünf verheirathete Personen befanden, öffentlich unter
Beisein einer großen Menge unserer lutherischen Christen in der
Dreieinigkeits⸗Kirche P. Sprengelers confirmirt. Nach dieser
Confirmation schritten wir zur Organisation, und es entstand
eine Gemeinde, welche 11 stimmberechtigte Glieder zählte. Heute
zählt dieselbe 18 stimmberechtigte und 34 communicirende Glieder.
Vor einem Jahr wurde dieselbe in unsern Synodalverband auf⸗
genommen. Zu Ostern dieses Jahres werden weitere sieben er⸗
wachsene Taubstumme öffentlich confirmirt werden, die nach bei⸗
nahe zweijährigem Unterricht Gott ihre Treue geloben wollen.
Gewiß, eine lange Zeit für einen Confirmandenunterricht! Aber
es geht nun einmal in dieser besonders viel Geduld erfordernden
Misston nicht schneller; denn erstens wohnen die Taubstummen
über die ganze Stadt hin zerstreut, weshalb sie nicht sehr oft zu
dem Abendunterricht kommen können; sodann aber kann man bei
den meisten überhaupt keinerlei christlicheYErkenntniß voraussetzen.
Wo sollten sie sich dieselbe auch aneignen, da die große Mehrzahl
ihren Unterricht auf den Staatsanstalten genießt, der bekanntlich
nicht religiöser Art ist. Diese sieben Personen, unter denen eine
aus der Episcopalkirche zu uns übergetreten ist, vier ganz kirchlos
waren und zwei von lutherischen Eltern abstammen, aber bisher
ganz unversorgt waren, werden sich unserer Gemeinde anschließen,
so daß dann hier eine Taubstummengemeinde bestehen wird von
22 stimmberechtigten und 41 communicirenden Gliedern. Auf
guten Zuwachs ist auch zu rechnen. Einige haben sich schon zum
nächsten Confirmandenunterricht gemeldet und mehrere werden
durch Gottes Gnade wieder dafür gewonnen werden. Aus die⸗
sen Gründen ist ersichtlich, weshalb wir an den Bau eines eigenen
Kirchleins denken. Bisher hielten wir unsere Gottesdienste in
einer Halle ab.
Für ein zu erwerbendes Grundstück haben die Taubstummen
selbst rund 5400.00 aufgebracht, und die hiesigen Schwester⸗
gemeinden haben sich bereit erklärt, uns zu erlauben, das außer⸗
dem nöthige Geld dazu in ihrer Mitte zu collectiren. Nun kommt
meine Taubstummengemeinde zu unserer Schuljugend und bittet
ein jedes Kind, uns mit einer kleinen Gabe bedenken zu wollen,
womit der Bau einer Capelle aufgeführt werden kann. Es wird
gar nicht um viel gebeten; wenn ein jedes Kind nur etwas gibt.
Es ergeht daher hiermit die herzliche Bitte an alle Pastoren, das
Circular, welches in den nächsten Wochen an sie gelangen wird,
entweder selbst ihren Schulkindern vorzulesen, oder dieses von
ihren Lehrern thun zu lassen. Es sei noch bemerkt, daß zu gleicher
Zeit unter der Adresse der Pastoren einem jeden Schulkind ein
kleines Couvert zugesandt werden soll, in das es seinen Beitrag
hineinlegen kann. Der Uebersicht wegen ist es vorzuziehen, alle
Gelder durch die Herren Districtskassirer an den Unterzeichneten
zu senden. Der HErr der Kirche aber gebe uns seinen Segen
um JIeEsu Christi willen. T. Wangerin.
Rechte Opferwilligkeit für die Gemeindeschule.
Die Zeit rückt wieder näher, wo den diesjährigen Predigt⸗
und Schulamtscandidaten ihre Arbeitsfelder im Weinberge des
HErrn angewiesen werden. Schon jetzt werden von Gemeinden
an die verschiedenen Präsides unserer Synode Berufe eingesandt.
Aus dem kürzlich eingelaufenen Begleitschreiben für einen Lehrer⸗
beruf einer Gemeinde in Minnesota möge hier Folgendes zu Nutz
und Frommen unserer lieben Christen abgedruckt werden. „Die
Gemeinde in M. ist eine Landgemeinde. Wir haben nur eine
Schule, eine gemischte. Dieselbe zählt jetzt 98 Kinder, davon
werden 19 confirmirt und an die 30 werden dafür neu eintreten.
Arbeit gibt's also in Hülle und Fülle. Bisher hat der Unter⸗
zeichnete selbst Schule gehalten, und zwar nur vier Tage in der
Woche. Als derselbe vor acht Jahren in der alten Kirche, einer
Blockhütte, die Gemeindeschule eröffnete und die Kinder den
public schools“ entzog, da wurden die Americaner entrüstet.
Aus dem State School Fund' zieht jede public school' jähr⸗
lich für jedes Kind, welches eine vom Gesetz bestimmte Zeit die
Schule besuchte, eine Summe Geldes; das ist manchmal mehr,
manchmal weniger. Das Geld, welches unsere Kinder den pub-
lic schools' eingebracht hätten, wenn sie dieselben besucht hätten,
war für die betreffenden Districte verloren. Dadurch ist die Steuer
gestiegen, und daran sind wir schuld. Ein früheres Legislatur⸗
mitglied des Staates wandte sich an einen Advocaten in F., wenn
möglich, uns unsere Schule zu schließen. Als es dann hieß,
wir wollten eine neue, noch größere Schule bauen, da ließ der
Betreffende es sich nicht verdrießen, nach St. Paul zu reisen, um
dort Advocaten zu consultiren. Unsere Schule hat ihre Feinde.
Auch der 'ticket agent' wühlte gegen den Unterzeichneten, weil
er Gemeindeschule hielt. Die Folge war: Voller Preis auf der
Eisenbahn in den ersten drei Jahren.
„Unter solchen Umständen errichtete unsere Gemeinde eine
Musterschule, die alle public country schools' in der Umgegend
in den Schatten stellt. Unsere Schule ist 265442412 Fuß. Sie
ist versehen mit Kurnace', Patentsitzen, Schiefer⸗Wandtafeln,
Karten und Globus. Die Bekleidung innen ist aus Eichenholz
gefertigt. Die Wände sind calsomined' und mit guirlanden⸗
artigem Rande verziert. In großen Buchstaben haben die Kin⸗
der das Motto der Schule vor Augen: Die Furcht des HErrn ist
der Weisheit Anfang. Silberne Buchstaben auf schwarzem Felde
über dem Eingang geben den Namen der Schule an. Die Kosten
beliefen sich auf 81119.91. Um unsern Patriotismus nicht an⸗
zweifeln zu lassen, und den Feinden den Wind aus den Segeln
zu nehmen, sorgte der Unterzeichnete für einen Telegraphenpfosten
und mastbaumartig wurde die 16 Fuß hohe Fahnenstange mit
blanker Kugel oben befestigt. Die Flagge der Vereinigten Staa⸗
ten, 54 10 Fuß, gibt die gesetzlichen Feiertage durch Flattern
kund. Ueber die Dringlichkeit des Berufes viel Worte machen,
wäre fürwahr ein überflüssiges Werk. Ein Mann kann dem
Schulamte und Pfarramte hier nicht nachkommen. Eins muß
darunter Noth leiden. Da die Gemeinde im Irdischen so weit
gediehen ist, einen Lehrer erhalten zu können, und alle Opposition
in Gemeindeversammlungen und privaten Unterredungen beseitigt
worden ist, so sollte unser Beruf erfolgreich sein.“ So weit das
Schreiben.
Vater Luther behält Recht, wenn er die christlichen Schulen
die Pflanzstätten der Kirche nennt. Und eine Gemeinde, die ihre
Aufgabe recht erfaßt hat, wird keine Kosten sparen, ihr Schul⸗
wesen zu heben, und baldmöglichst einen Lehrer für ihre Kinder
berufen. Gott segne und erhalte unsere Gemeindeschulen und
rüste auch unsere diesjährigen Schulamtscandidaten aus mit sei⸗
nen Gaben zu ihrem herrlichen Berufe. F. Pf.
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