Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 20 › Seite 305
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Oktober 1900, Seite 305
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Freiheit. —— 5 · Mitteldinge 6
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* .
Zerausgegeben von der Beutschen Evangelisch⸗Lutherischen Zynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.
56. Jahrgang.
Was lehrt die Bibel vom Aergerniß?
Fortsetzung.)
Nehmen Schwachgläubige an solchem Thun eines
Christen Anstoß, das in christlicher Freiheit steht, so hat
ein Christ sie zu belehren, wo aber dies nicht gelingt, um
der Liebe willen sich des desfallsigen Gebrauchs seiner
christlichen Freiheit zu enthalten; vorausgesetzt, daß da⸗
durch das Bekenntniß nicht verletzt wird, und daß an⸗
dere Schwachgläubige hinwiederum an solchem Enthal⸗
ten nicht Aergerniß nehmen.
Wir haben dir, lieber Christ, das vorige Mal das 14. Capi⸗
tel des Briefes St. Pauli an die Römer ausgelegt und daraus
gezeigt, daß du um der Liebe willen dich des Gebrauches deiner
christlichen Freiheit enthalten sollst, wenn Schwachgläubige daran
Anstoß nehmen.
Es hat aber derselbe Apostel über dieselbe Sache noch ein
Capitel geschrieben, und das wollen wir dir auch zeigen. Es ist
das achte Capitel des ersten Corintherbriefs. Da redet St. Pau⸗
lus, wie die Ueberschrift in unserer deutschen Lutherbibel besagt,
„vom Götzenopfer und Gebrauch christlicher Freiheit
ohne Aergerniß“. In Corinth nämlich kauften und aßen
viele Christen solches Fleisch, welches von Thieren kam, die den
Götzen geopfert waren. Ja, sie setzten sich sogar in die öffent⸗
lichen Hallen, die mit den „Götzenhäusern“ verbunden waren,
und aßen da von dem zum Verkauf ausgebotenen Fleisch des
Götzenopfers. Und das konnten sie auch, soweit nur ihre eigene
Person dabei in Betracht kam, ruhig thun. Sie brauchten sich
kein Gewissen darüber zu machen. Was sie kauften und mit
Danksagung aßen, war ja Fleisch wie anderes Fleisch; daß es
von Thieren kam, die zuvor den Götzen geopfert waren, was ging
sie das an? Sie aßen es ja nicht, wie die Heiden, als Götzen⸗
opfer, sondern einfach als Fleisch. Schreiber dieses hat im
Heidenlande gar oft von solchem Götzenopfer gegessen; und da
Hl. Jouis, Mo., den 2. October 1900.
No. 20.
waren die Umstände derart, daß sowohl Heiden als Christen das
ganz natürlich fanden und ganz genau wußten, daß er das nicht
als Götzenopfer, sondern ebenso aß wie alles andere Fleisch. In
Corinth jedoch waren die Umstände anders. Da gab es schwach⸗
gläubige Christen, die meinten, daß man durchaus das Fleisch
des Götzenopfers nicht essen dürfe. Sie waren in ihrem Gewissen
befangen. Sie meinten, wenn einer vom Götzenopfer äße, so
diente er damit den Götzen, so fiele er also vom christlichen Glau⸗
ben ab, so verleugnete er den HErrn IEsum geradeso, als wenn
er direct den Götzen opferte. Diese Meinung war aus ihnen
auch nicht herauszubringen. Die nahmen daher das schwerste
Aergerniß daran, wenn sie christliche Brüder vom Götzenopfer
essen sahen. Entweder verurtheilten sie diese dann als solche,
die vom christlichen Glauben öffentlich abgefallen seien, und zogen
sich von der Gemeinschaft mit ihnen zurück. Oder sie wurden
irre im Glauben und wurden verursacht, auch selbst das Götzen⸗
opfer zu essen; aber dann aßen sie es als Götzenopfer, also
mit bösem und wundem Gewissen, und fielen so schließlich vom
Glauben ab und kamen um, gingen verloren. Daher ermahnte
der Apostel Paulus die Christen zu Corinth auf das allerernstlichste,
sich um solcher Schwachen willen des Gebrauches ihrer christlichen
Freiheit in diesem Stücke zu enthalten. Sie sollen, so sagt er
ihnen, sich hier nicht vom „Wissen“ regieren lassen, sondern von
der Liebe. Das heißt: wenn sie auch wissen, daß man das
Götzenopfer wohl als einfache Speise mit Danksagung essen könne,
so sollen sie es doch um der Liebe willen nicht thun, weil sie eben
die Schwachen damit ärgern würden.
Doch wir wollen St. Pauli eigene Worte hören. Er schreibt,
wie folgt:
„Von dem Götzenopfer aber wissen wir; denn
wir haben alle das Wissen. Das Wissen bläsetauf;
aber die Liebe bessert. Soaber sich jemand dünken
lässet, er wisse etwas“, und auf sein Wissen stolz ist und
in eigensinniger und rücksichtsloser Weise darnach alleine handeln
will, „der weiß noch nichts, wie er wissen soll. So
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