Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 20 › Seite 313

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Oktober 1900, Seite 313

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zauberei

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eines Lehrerseminars kommen wird, so erfreulich dies wäre. Viel zu
lange ist damit gewartet worden und man hat sich an den jetzigen Zu⸗
stand gewöhnt. Die Gemeindeschule und was damit zusammenhängt
muß in einer Synode oder Gemeinde von Anfang an gepflegt und
den Christen lieb gemacht werden, soll sie anders recht gedeihen. Die
Leute dürfen sich nicht erst in langen Jahren an ein Gemeindewesen
ohne Gemeindeschule gewöhnen, sonst hält es in der Regel sehr schwer,
eine Gemeindeschule ins Leben zu rufen. Man muß mit der Gemeinde⸗
schule anfangen. L. F.

Ausland.

Nach und nach laufen genauere Berichte über die in China er⸗
mordeten Missionare ein. Die Zahlen sind noch nicht vollständig,
doch ergibt sich schon aus den jetzt vorhandenen Nachrichten ein über⸗
aus schwerer Verlust. Der Independent'' vom 20. September
theilt die Namen von 27 americanischen Missionaren mit, die gewiß
ermordet sind, gesteht aber zu, daß es noch mehr sind. Der america⸗
nische General⸗Consul von Shanghai berichtet, daß 93 americanische
und britische Missionare gemordet seien. Von 170 habe man keinerlei
Nachricht; wahrscheinlich seien auch diese zu Tode gemartert worden.
Dazu kommen dann noch viele Missionare anderer Nationen. Am
schwersten betroffen erscheint bis jetzt unter den americanischen Mis⸗
sionsgesellschaften die der Congregationalisten (American Board for
Foreign Missions). Eine ganze Mission dieser Gesellschaft, aus drei
Stationen bestehend, ist vollständig vernichtet. Und selbst, wo die Mis⸗
sionare das Leben gerettet haben, haben sie doch alles persönliche und
alles Missionseigenthum verloren. Doch werden jetzt schon Anstalten
getroffen, die Lucken wieder auszufüllen und die Verluste zu ersetzen.

L. F.

Aus Welt und Zeit.

Ein erschütterndes Vorkommniß erzählt das „Luth. Kirchen⸗
blatt“ als einen Beleg dafür, wohin die gottlose Wahrsagerei fuͤhrt,
die in unserm Lande so weit verbreitet ist und die in täglichen und
wöchentlichen englischen und deutschen Zeitungen so vielfach angezeigt
und angepriesen wird. In einem Park in Philadelphia schoß sich vor
einigen Tagen ein junger Mann eine Kugel in den Kopf. Er war
verlobt, hatte sich mehrere hundert Dollars erspart und wollte seinen
Hausstand gründen. Plötzlich brach die Braut das Verhältniß ab
und gestand, sie habe einen Wahrsager befragt, und dieser habe ihr
prophezeit, der Mann, mit dem sie bereits über ein Jahr verkehre,
würde an ihr nicht recht handeln. Das Mädchen war durch die Worte
des elenden Gauklers derart erschreckt worden, daß sie erklärte, ihre
Verlobung müsse rückgängig gemacht werden. Ein heftiger Kampf
tobte in der Seele des armen bethörten Mädchens, sie schwankte hin
und her zwischen dem Glauben an die Prophezeiung des gewissenlosen
Wahrsagers und ihrer Liebe zu dem Bräutigam. Doch endlich trug
der Aberglaube den Sieg davon. Selbstmord war das Ende. Die
Süunde — denn Gott hat das Wahrsagen und das Befragen der Wahr⸗
sager ausdrücklich verboten, 5 Mos. 18, 10 — 12. — ist der Leute Ver⸗
derben. L. F.

Ein bekannter Philosoph der Neuzeit, Friedrich Nietzsche, ist
vor Kurzem im Alter von 55 Jahren gestorben, nach dem er die letzten
elf Jahre in Wahnsinn zugebracht hatte. Er war der Sohn eines deut⸗
schen Pfarrers und war christlich erzogen worden. Aber ein ganz un⸗
bändiger Hochmuth und eine ungezügelte Fleischeslust führten ihn zur
vollendeten Gottlosigkeit. Ein geradezu wahnsinniger Haß gegen das
Christenthum beseelte ihn, und es hat wohl kaum einen Zeitgenossen
gegeben, der in Wort und Schrift so wider das Christenthum gewüthet

und alle Sittlichkeit in den Koth getreten hat. Seine Schriften, glän⸗
zend geschrieben, sind weit verbreitet, auch in unserm Lande in fast
jeder öffentlichen Bibliothek zu finden und haben viele Seelen ver⸗
giftet. Jetzt ist er hingefahren an seinen Ort. Aber welch furchtbares
Gericht muß über den ergehen, der Seelen ins ewige Verderben führt,
uͤber den der HErr das entsetzliche Wehe ausruft, weil durch ihn Aer⸗
gerniß kommt! Matth. 18, 7. L. F.

Die Verheistungen Gottes.

Es hat sich einmal jemand daran gemacht, alle Verheißungen
Gottes, die er in der Bibel fand, zusammenzustellen und drucken zu
lassen. Das Buch hatte guten Absatz, und die erste Auflage war schnell
vergriffen. Ein alter Christ, der auch die Anzeige des Buches ge⸗
lesen — der Titel war: „Die Verheißungen Gottes“ — bestellte sich
ein Exemplar beim Verleger. Er erhielt die kurze Antwort: „Thut
uns leid, „die Verheißungen Gottes“ sind vergriffen und nicht mehr
zu haben.“ Der alte Christ trat mit diesem Briefe vor seine Bibel,
schlug sie auf, und die erste Stelle, auf die sein Blick fiel, war Jes.
54, 10.: „Denn es sollen wohl Berge weichen, und Hügel hinfallen;
aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines
Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HErr, dein Erbarmer. Dann
sagte er, indem er die Hände faltete: „Gott sei Dank, dies ist nicht
vergriffen und bei dem Verleger noch immer zu haben!“

Wie man sein Gesangbuch recht gebrauchen soll.

In der Vorrede eines alten im Jahre 1706 in Rudolstadt ge⸗
druckten Kirchengesangbuchs finden sich folgende auch heute noch be⸗
herzigenswerthe Worte: „In den Kirchen und zu Hause soll ein jeder
des Singens sich befleißigen und (soviel möglich) sein eigen Gesang⸗
buch haben. Das Singen soll fein andächtig und mit herzlicher Er⸗
wägung der Worte geschehen, daß man das Gesungene verstehe und
sich wisse zu nutze zu machen. Man singe mit dem Munde, aber auch
zugleich mit dem Herzen; und was also mit Herz und Mund gesungen
wird, das erweise man hernach auch mit der That in seinem Leben,
auf daß also eine liebliche Harmonie des Herzens, Mundes und Lebens
verspüret werde, so dem Höchsten gefällig und einem jeden, der also
singet, ein Vorschmack des ewigen Lebens sein wird.“

Der Fluch des Unglaubens in einer Familie.

In einem hessischen Dorfe lebte vor etwa 50 Jahren der wohl⸗
habende Bauer Kaspar Beck. Da wurde er, weil er ihnen zu lange
lebte, von seinen zwei Söhnen, Ewald und Johann, auf seinem Lager
überfallen und ermordet. Beide wurden, obwohl sie standhaft leug⸗
neten, zu Eschwege von den Geschworenen zur Hinrichtung mit dem
Schwerte verurtheilt. Nun erdrosselte sich Ewald im Gefängniß, und
Johann legte vor dem Geistlichen folgendes Geständniß ab: „Auf un⸗
serer Familie liegt der Fluch des Unglaubens. Mein Großvater, aus
Sachsen gebürtig, war ein ganz ungläubiger Mensch; häufig spottete
er über Gottes Wort und Gebot. Eines Tages, als sein sechsjähriger
Sohn mit einem Pflugrade spielte, verbot es ihm der Vater; und da
der Knabe nicht gleich hörte, schlug ihn der Vater mit dem Pflugrad
todt und flüchtete nach Hessen. Seinen Kindesmord im Gewissen zu
betäuben, versuchte er durch Lästern und sich Betrinken; daß es ihm
aber damit nicht gelang, zeigte sich bald; denn er erhängte sich. Mein
Vater Kaspar bekam sein Gut, heirathete meine fromme Mutter, welche

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