Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 20 › Seite 306

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Oktober 1900, Seite 306

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Freiheit. —— 5 · Glaube 27 · Mitteldinge 6

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nichts weniger sein.

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aber jemand Gott liebet“, so daß also sein Wissen auch sein
Herz und Gemüth umwandelt und zu Gott führt und Gott ähn⸗
lich macht, „derselbige ist von ihm“ (Gott) „erkannt“
als sein liebes und gehorsames Kind. — „So wissen wir
nun von der Speise des Götzenopfers, daß ein Götze
nichts in der Welt sei, und daß kein anderer Gott
sei ohne der einige. Und wiewohl es sind, die
Götter genannt werden, es sei im Himmel oder
auf Erden; sintemal es sind viel Götter und viel
Herren, so haben wir doch nur Einen Gott, den
Vater, von welchem alle Dinge sind, und wir in ihm;
und Einen HErrn, IEsum Christum, durch welchen
alle Dinge sind, und wir durch ihn.“ Gemäß solches
Wissens könnten wir also die Speise des Götzenopfers ruhig in
Gottes Namen essen, ohne uns ein Gewissen darüber zu machen —
soweit nur wir selbst dabei in Betracht ksommen. „Es hat aber
nicht jedermann das Wissen. Denn etliche machen
sich noch ein Gewissen über dem Götzen, und essen's
für Götzenopfer; damit wird ihr Gewissen, weil es
so schwach ist, beflecket.“ So sollen wir sie daher nicht
durch unser Beispiel verleiten, vom Götzenopfer zu essen. „Aber“
— wenn hier jemand etwa den Einwand machen wollte, daß es
Gott doch angenehm sein müsse, daß man seiner Erkenntniß und
seinem besseren Wissen auch Ausdruck gebe und also unbekümmert
um andere vom Götzenopfer esse, so sage ich: — „die Speise
fördert uns nicht vor Gott“, stellt uns vor Gott nicht an⸗
genehmer dar. „Essen wir, so werden wir darum nicht
besser sein; essen wir nicht, so werden wir darum
Sehet aber zu, daß diese
eure Freiheit nicht gerathe zu einem Anstoß der
Schwachen. Denn so dich, der du das Erkenntniß
hast, jemand sähe zu Tische sitzen im Götzenhause;
wird nicht sein Gewissen, dieweil er schwach ist,
verursachet, das Götzenopfer zu essen“, und zwar
wirklich als Götzenopfer? „Und wird also über deinem
Erkenntniß der schwache Bruder umkommen, um
welches willen doch Christus gestorben ist. Wenn
ihr aber also sündigetan den Brüdern, und schlaget
ihr schwaches Gewissen; so sündiget ihr an Christo.
Darum, so die Speise meinen Bruder ärgert, wollte
ich nimmermehr Fleisch essen, auf daß ich meinen
Bruder nicht ärgerte.“

Hat dich St. Paulus jetzt überzeugt, daß du um der Liebe
willen dich in jeglichem Stücke des Gebrauchs deiner christlichen
Freiheit enthalten sollst, wenn Schwachgläubige daran Anstoß
nehmen?

Wir wollen jetzt noch eine desbezügliche Lehre von unserm
HErrn und Meister JEsu Christo hören und annehmen. Dieselbe
finden wir in dem Abschnitte heiliger Schrift, der Matth. 17,
24—27. zu lesen ist. Wir wollen jedoch hierüber unseren lieben
Professor Stöckhardt reden lassen, welcher in seiner trefflichen
„Biblischen Geschichte des Neuen Testamentes“ also redet:

„Als sie (JIEsus und seine Jünger) wieder zu einem flüchti⸗
gen Besuch in Capernaum eingekehrt waren, wurde Petrus von
den Einnehmern der Tempelsteuer befragt, ob sein Meister auch
diese Abgabe für das Heiligthum zu entrichten pflege. Jeder männ⸗
liche Israelit mußte zu der Zeit jährlich zwei Groschen oder zwei

Drachmen Tempelsteuer zahlen. Petrus beantwortete jene Frage
mit Ja. Dieser Handel war dem Allwissenden nicht verborgen
geblieben. Er kam Petro zuvor, als derselbe heimgekehrt war,
und bemerkte, daß doch die Könige der Erde nur von Fremden
Zoll und Zins zu nehmen pflegten, daß also die Kinder frei seien.
So sind also die Kinder des neuen Bundes, zu denen schon die
Jünger zählten, und vor allem ihr Meister selbst, der Sohn Got⸗
tes, frei von allen Satzungen Israels. Aber der HErr will sei⸗
nem Volk kein Aergerniß geben, und so schickt er Petrus aus, der⸗
selbe soll seine Angel ins Meer werfen, und im Mund des ersten
Fisches, den er herauszieht, wird er einen Stater finden, das ist,
ein Viergroschenstück oder Vierdrachmenstück, das soll er dann für
sich und seinen Meister den Steuereinnehmern einhändigen. Und
so geschah es. IEsus hätte diese geringe Summe Geldes sich
leicht auch wo anders her beschaffen können. Aber er will ab⸗
sichtlich durch ein recht augenfälliges Wunder die Tempelsteuer
gewinnen. Er, der König Himmels und der Erden, der die Fische
im Meer, Gold und Silber der ganzen Welt in seiner Hand hat,
läßt sich so tief herab und untergibt sich allen Satzungen der
Juden, wird ein Diener der Beschneidung, wird in allen Stücken
den Juden ein Jude, um auch auf diese Weise von seinem Volk
etliche zu gewinnen. Und damit hat er seinen Jüngern, den
Jüngern aller Zeiten den Weg gewiesen, daß sie niemandem ein
Aergerniß geben, daß sie die Macht und Freiheit, die sie in Christo
haben, nicht mißbrauchen zum Schaden des Nächsten, sondern,
wo es die Liebe erheischt und wo es ohne Sünde geschehen kann,
den Wünschen, Forderungen, Sitten, Satzungen der Menschen
sich anbequemen und unterordnen.“ (Seite 151 f.)

Aus Liebe zu den schwachen Brüdern, damit diese nicht
Aergerniß nehmen, sollen wir Christen uns also des Gebrauchs
unserer christlichen Freiheit enthalten. Und das sollen wir nicht
allein in der Weise thun, daß wir manches unterlassen, was
wir, wenn es ohne Aergerniß geschehen könnte, sonst wohl thun
würden; sondern auch in der Weise, daß wir manches thun,
was wir sonst wohl unterlassen würden. Letzteres zeigt das eben
angeführte Beispiel des HErrn IEsu.

Wir könnten nun außer den Beispielen, die wir aus der
Schrift gebracht haben, noch viele Beispiele aus dem Christen⸗
leben bringen und an denen zeigen, wie einzelne Christen und ganze
Gemeinden sich des Gebrauchs ihrer christlichen Freiheit enthalten
sollen, wenn schwachgläubige Brüder daran Aergerniß nehmen.
Aber der uns zugemessene Raum im „Lutheraner“ ist verbraucht.
Die Sache selbst haben wir alle ja wohl verflanden. Und wenn
wir nun Gott um den Heiligen Geist, den Geist der Liebe, bitten,
so wird er uns denselben gerne geben, und wir werden in jedem
Falle wohl wissen, wie wir uns verhalten sollen, auf daß wir ihm
gefallen und unsern schwachen Bruder nicht ärgern, sondern im
Gegentheil bessern. C. M. 3.

(Fortsetzung folgt.)

„In Sachen des Glaubens müssen wir uns nicht über⸗
winden lassen, unbeugsam, hartnäckig, und, wenn wir es ver⸗
möchten, härter als ein Diamant sein; wo es aber die Liebe be⸗
trifft, sollen wir weicher und nachgiebiger sein als irgend ein
Rohr oder Blatt, und willfertig zu allem.“

ö (Or. M. Luther.)

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