Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 20 › Seite 314
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Oktober 1900, Seite 314
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er Vutheraner
ihre drei Kinder, meinen Bruder Ewald, meine Schwester Sophie und
mich, zu allem Guten anhalten wollte, aber dafür von meinem Vater,
sobald er nur bei uns ein Anhalten zum Gebet, zur Kirche und zur
Frömmigkeit merkte, furchtbar mißhandelt wurde. Als wir in die
Schule gingen, wurde der Vater, so oft unsere Mutter die nöthigen
Bücher, Bibel, Gesangbuch und Katechismus, anschaffte, wüthend, zer⸗
riß dieselben, trat mit den Füßen darauf und verfluchte uns, die Mut⸗
ter, die Schule, die Kirche, den lieben Gott und den Heiland. Wollten
wir ihm Vorstellungen machen und nicht mit ihm lästern und saufen,
so prügelte er uns und warf uns aus dem Hause. Die Mutter grämte
sich todt; sie starb bald an der Schwindsucht. Die Schwester wurde
liederlich, gebar eine uneheliche Tochter, mordete sie und starb im Ge⸗
fängniß. Mein Bruder und ich, vom Vater im Unglauben, in Roh⸗
heit und Trunksucht groß gezogen, haben nun den Vater gemordet.
Mein Bruder hat sich erdrosselt, und ich sterbe auf dem Rabensteine!“
Johann wurde hingerichtet. Der Name Beck ist ausgelöscht im Hei⸗
mathsdorfe. Fremden gehört der schöne Hof. — „Wie wird die Leuchte
der Gottlosen verlöschen, und ihr Unglück über sie kommen! Sie wer⸗
den sein wie Stoppeln vor dem Winde, und wie Spreu, die der Sturm⸗
wind wegführet.“ Spr. 21, 17. 18.
Todesanzeigen.
Am 12. August entschlief nach kurzer, schwerer Krankheit im festen
Glauben an seinen Erlöser P. Theodor Groß, treuerfundener
Pastor der St. Pauls⸗Gemeinde in Brooklyn, N. Y., und Secretär
des Oestlichen Districts unserer Synode. In den Trauergottesdiensten
predigten die PP. W. Schönfeld und R. Herbst, J. H. Sieker und
J. P. Beyer, während unser Judenmissionar, Herr N. Friedmann,
den Altardienst versah. Am Grabe amtirten die PP. O. Sieker und
O. Gräßer. Die Beerdigung fand statt am 15. Auguft auf dem
Woodlawn⸗Kirchhof, New Nork, woselbst die theure Leiche des Ent⸗
schlafenen neben der seines am 17. Mai heimgegangenen Schwagers,
P. W. A. Fischer, beigesetzt wurde. Der Verstorbene war etwa zehn
Jahre in New Britain, Conn., thätig und stand seit zehn Monaten an
seiner jetzt trauernden Gemeinde. Am 28. Juni 1866 zu Richmond,
Va., geboren, brachte er sein Alter auf 34 Jahre, 1 Monat und
14 Tage. Er hinterläßt eine Wittwe und ein Söhnchen.
ö A. H. W. Kirch hoff.
Am 20. August hat Gott in die ewige Ruhe und Herrlichkeit
heimgerufen P. Ernst Heinrich Rolf von Hollywood, Minn.,
nach langem und schwerem Siechthum. Er brachte sein Lebensalter
auf 63 Jahre und 2 Monate, sein Amtsalter auf 42 Jahre. Am
22. August wurde er in St. Paul, Minn., christlich zur Erde bestattet.
In Hollywood predigten P. Baumhöfener und Präses Pfotenhauer,
in St. Paul die PP. Otte, Sievers, Haserodt (englisch) und v. Niebel⸗
schütz. Theo. Rolf.
Am Abend des 13. September ist bei Perham, Minn., P. Theo⸗
dor Krumsieg selig im HErrn entschlafen in einem Alter von
63 Jahren und 9 Monaten weniger 2 Tagen. Während er unserer
nördlichen Districtsconferenz beiwohnte, erkrankte er an einem Herz⸗
leiden, das sich hinzog, bis ein Herzschlag seinem Leben auf dieser
Erde ein Ende setzte und der HErr ihn in die triumphirende Kirche
fuhrte. Geo. Groh.
Wilhelm Julius Schwachenwald, zweiter Lehrer an der
Schule der St. Matthäus⸗Gemeinde zu Cleveland, O., starb am Sonn⸗
tag, den 16. September, 1900, im Alter von 42 Jahren und 1 Monat
und ist am Mittwoch, den 19. September, auf dem lutherischen Kirch⸗
hof bei Cleveland begraben worden. Der Verstorbene ist seiner Zeit
auf unserer Anstalt in Addison für das Schulamt ausgebildet worden,
ist im Jahre 1882 in das Amt eingetreten und hat seit Anfang des
Jahres 1886 in der genannten Schule treulich gedient. Er hinterläßt
eine Wittwe mit neun unmündigen Kindern. J. J. Walker.
Neue Drucksachen.
Dreizehnter Synodalbericht des Minnesota⸗ und Dakota⸗Districts
der deutschen ev.⸗luth. Synode von Missouri, Ohio und an⸗
deren Staaten. St. Louis, Mo. Concordia Publishing
House. 1900. 79 Seiten. Preis: 15 CEts.
Der Synodalrede dieses Verichtes liegt das Wort 1 Cor. 3, 9.: „Denn
wir sind Gottes Mitarbeiter“ zu Grunde. Das Referat behandelt das neunte
Gebot. Zwei Stücke sind es vornehmlich, die dieser Bericht ins helle Licht
rückt: 1. die greuliche Selbstsucht, welche dem Herzen des Menschen das Ge⸗
präge Satans verleiht, und 2. die Natur der wahren Liebe, vermöge welcher
der Christ nicht auf das Seine sieht, sondern auf das, was des andern ist.
Besonderer Erwähnung verdient auch der ausführliche, musterhafte Missions⸗
bericht, welcher lautes Zeugniß ablegt von der Begeisterung und Freudigkeit,
mit welcher unsere Brüder das ihnen vom HErrn anvertraute große und segens⸗
reiche Werk der inneren Mission treiben. F. B.
Verhandlungen der fünfzigsten Versammlung der deutschen Ev.;
Luth. Synode von Wisconsin u. a. St., gehalten zu Mil⸗
waukee, Wis., vom 20. bis 26. Juni 1900. Northwestern
Publishing House, 329 3. Str., Milwaukee, Wis. 1900.
110 Seiten 83 451. Preis: 10 Cents.
Dies ist der Bericht unserer theuren Schwestersynode von Wisconsin, die
in diesem Jahre bekanntlich das fünfzigjährige Jubiläum ihres Bestehens ge⸗
feiert hat. Darauf nimmt schon die Synodalrede Bezug, auch ist ein kurzer
Bericht der solennen Jubiläumsfeier gegeben. Vor allem aber enthält der
Bericht ein so lehrreiches und interessantes Referat über den Spiritismus und
gibt einen so guten Einblick in den Geschäftskreis der Wisconsin⸗Synode, daß
wir ihn unsern Lesern zum Anschaffen und zum Lesen hiermit herzlich empfeh⸗
len möchten. In den Lehrverhandlungen wird zuerst ausgeführt, daß der
Spiritismus, das heißt, die Ansicht, daß die noch lebenden Menschen mit den
Seelen der verstorbenen Menschen verkehren und von diesen mancherlei Auf⸗
schluß erhalten können, keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern nichts ande⸗
res als das schon im Alten Testamente verbotene Wahrsagen und Todten⸗
befragen. Hierauf wird dargethan, daß die von den Spiritisten behaupteten
übernatürlichen Erscheinungen nicht lauter Schwindel sind, und daß die
Wissenschaft mit vielen spiritistischen Erscheinungen nichts anzufangen weiß.
Endlich wird gezeigt, daß der Spiritismus weder eine Wissenschaft, noch eine
Religion, sondern ein Stück Zauberei ist; daß die übernatürlichen Erschei⸗
nungen im Spiritismus nicht das Werk abgeschiedener Seelen, sondern Teu⸗
felswerk, und die Lehren des Spiritismus Teufelslehren sind, und daß die
christliche Kirche darum alle Ursache hat, den Spiritismus kräftig zu be⸗
kämpfen. Der Preis ist billig gesetzt, und die Weise der Wisconsin⸗Synode,
den Synodalbericht an alle stimmberechtigten Gemeindeglieder frei zu ver⸗
theilen und von jeder Gemeinde sodann eine Collecte zur Deckung der Un⸗
kosten zu erbitten, erscheint uns als eine gute. So wird der Synodalbericht
wirklich verbreitet, und die Synodalkasse kommt, wie versichert wird, auch
nicht zu kurz. L. F.
Ordinationen und Einführungen.
Am 9. Sonnt. n. Trin. wurde Cand. W. Ko ß, berufen von der Missions⸗
commission des Oregon⸗ und Washington⸗Districts für Camas Prairie, Idaho,
in der St. Johannes⸗Kirche zu Spokane, Wash., unter Assistenz P. C. Heuers
ordinirt von H. A. C. Paul.
Am 11. Sonnt. n. Trin. wurde Cand. O. Steffen im Auftrag des Ehrw.
Präses Seuel ordinirt und in seinen Gemeinden zu Almena, Silver Creek,
Turtle Lake und Moon Lake, Wis., eingeführt von P. Kleinhans.
Am 12. Sonnt. n. Trin. wurde Cand. B. Lange jun. in seiner Ge⸗
meinde zu Lorin, Cal., unter Assistenz der PP. J. H. Theiß und H. Hagist
ordinirt und eingeführt von J. N. Bühler.
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