Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 20 › Seite 312
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Oktober 1900, Seite 312
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Schaden zu thun trachten, und gehen mit bösen Tücken um auf ihrem
Lager, daß sie es früh, wenn es licht wird, vollbringen, weil sie die
Macht haben. Sie reißen zu sich Aecker und nehmen Häuser, welche
sie gelüstet; also treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause, und mit
eines jeden Erbe. Micha 2, 1. 2. Wehe darum denen, die eine Raffi⸗
nerie an die andere ziehen und eine Oelquelle an die andere bringen,
bis sie allein die Oelindustrie besitzen! Wehe denen, die eine Mine
zur anderen ziehen und einen Schacht zum andern bringen, bis sie
allein die Kohlen befitzen! Wehe denen, die eine Schlächterei zur an⸗
dern ziehen und einen Fleischerladen nach dem andern sich unterwerfen,
bis daß kein Raum mehr da sei, daß sie allein den Handel besitzen!
Und so können wir die ganze Liste durchgehen. Selbst wenn sie auch
für das, was sie so an sich bringen, einen genügenden Preis zahlen,
selbst wenn sie dann keine zu hohen Preise fordern, keine ungenügende
Waare liefern, keinem ihrer Arbeiter den Lohn beschneiden: der eine
Umstand, daß sie neben sich keine anderen dulden wollen in dem Ge⸗
schäftszweig, den sie vertreten, ist genug, sie unter dieses Wehe zu
bringen. Sie begehen dieselbe Sünde, die Ahab an Naboth beging.
Und so gewiß es einen gerechten Gott gibt, so gewiß wird ihrer keiner
entrinnen.“ F. B.
Die Arbeit eines Reisepredigers mit sechs Predigtplätzen, welche
32, 34, 24, 15, 35, 45 Meilen in den verschiedensten Richtungen von
seinem Wohnort entfernt liegen, beschreibt folgender Brief aus dem Be⸗
richt des Minnesota⸗ und Dakota⸗Districts: „In welcher Weise ich fast
regelmäßig arbeiten muß, mag ein kurzer Rückblick auf die jüngste Zeit
Ihnen nahe legen. Bis zum 4. April hielt ich Schule und unter⸗
richtete des Abends drei Erwachsene zwecks Confirmation. Den 7. April
Beichtgottesdienst für die Confirmanden. Den 8. April Vormittags
Predigt und Confirmation von zwölf Schülern; Nachmittags Predigt
und Trauung; Abends in Gegenwart der Vorsteher und etlicher An⸗
derer Confirmation von drei Erwachsenen. Den 10. April Nachts zwecks
einer Krankencommunion zwölf Meilen gefahren. Den 11. April
Nachmittags und Abends wieder daselbst. Den 12. April Beicht⸗
anmeldung zu Hause. Den 13. April, Charfreitag⸗Vormittag, daheim
Gottesdienst und heiliges Abendmahl, 132 Communicanten; Nach⸗
mittags dreißig Meilen gefahren, 17 Communicanten. Den 14. April
zehn Meilen gefahren zwecks Taufe von Zwillingen; Abends heim⸗
gekehrt und beim Schreiben der Osterpredigt eingeschlafen. Den
15. April, als am ersten Ostertag, Vormittags zu Hause in über⸗
füllter Kirche gepredigt; Nachmittags dreißig Meilen gefahren und
gepredigt. Den 16. April, als am zweiten Ostertag, Vormittags zu
Hause gepredigt (extemporirt); Nachmittags langweiligen Besuch ge⸗
habt, der mich am Studiren hinderte. Den 17. April Morgens 7 Uhr
per Fuhrwerk aufgebrochen nach R. (32 Meilen); zu Mittag dort
Abendmahlsfeier. Den 18. April in B. Gottesdienst und 34 Meilen
nach Hause gefahren. Den 22. April Vormittags daheim Gottesdienst;
Nachmittags 30 Meilen gefahren und gepredigt; Abends eine Ver⸗
söhnung; um zwölf Uhr zu Hause. Den 23. April Scherereien mit
einem Brautpaar, dem die Trauung verweigert werden mußte. Den
24. April über den Mouse River durch das Gebiet der Isländer ge⸗
fahren (wo ich auch schon arbeitete, bis sie ihrerseits Hülfe kriegten),
um die Spur eines falschen Propheten (von der Evangelischen Gemein⸗
schaft) zu verfolgen und Lutheraner aufzusuchen. Nach fünfstündiger
schneller Fahrt war ich am Ziel und predigte vor siebzehn erwachsenen
Zuhörern, neuen Ansiedlern; doch waren dies noch nicht alle dort
wohnenden, wie mir gesagt wurde. Den „Evangelisten“, der dort ein⸗
mal predigte, hatten sie ersucht, sich nicht öfter zu bemühen; mich indeß
baten sie, bald wiederzukommen. Um vier Uhr Nachmittags brach ich
dort auf in nördlicher Richtung, um neueingewanderie Lutheraner auf⸗
zusuchen. Hier gibt's keine Wege. Aufs Gerathewohl ging's in die
Prairie hinein, dem Compaß und Instinct folgend. Es gelang mir
denn auch, mit Abendwerden meine Leute zu finden. Rasch wurden
sie zusammen getrommelt, und ich hatte über zwanzig Zuhörer; doch
konnten die Entferntwohnenden nicht benachrichtigt werden. Um
zehn Uhr war der Gottesdienst beendet. Am 25. April Morgens
trat ich die Heimfahrt an. Sie führte an den im Frühjahr sehr an⸗
geschwollenen Deep River, der etwa sechs bis acht Ruthen breit ist.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als wieder einmal den Kampf mit
den nassen Elementen zu riskiren. Schon schien es, als sollte ich mit
meinen treuen Ponies hier ein kühles Grab finden; aber Dank der
Hülfe dessen, der am besten das Entweder⸗Oder der Reiseprediger
kennt, kam ich glücklich durch. Freilich naß, wie eine ins Wasser ge⸗
worfene Katze, hatte ich noch Stunden lang im heftigen Sandblizzard
zu fahren, bis ich spät am Nachmittag heimkam, nachdem ich in zwei
Tagen etwa hundert Meilen zurückgelegt hatte. Bald muß ich wieder
dahin und denselben Weg. . .. Was mir auf Grund von Marc. 16, 15.
bei der Ordination einst auf die Seele gebunden wurde: „Laß dir
keinen Weg zu weit, kein Wetter zu schlecht, keine Nacht zu dunkel
und keinen Menschen zu abstoßend sein, um hinzugehen und das Evan⸗
gelium zu predigen“, dem bin ich, soweit es gehen wollte, nachgekom⸗
men; aber ich sehe dennoch, daß meine Bemühung bei den weiten
Entfernungen nicht mehr ausreicht.“ — Daß wir es doch nicht ver⸗
gessen möchten, für unsere Reiseprediger zu beten, daß der HErr sie
beschützen und ihre Arbeit segnen wolle. F. B.
Die ärmlichen Verhältnisse, unter welchen unsere Missionare
bisweilen ihr köstliches Werk treiben müssen, schildert ein Brief eines
jungen Pastors aus dem genannten District, der also lautet: „Bis
jetzt bin ich, Gott sei dafür gelobt, noch immer gesund gewesen. Das
ist ein großer Segen in dieser neuen Gegend, wo der nächste Arzt nur
17 Meilen von hier entfernt ist. Was sieht man hier für „Kranken⸗
stuben“! Da liegt einer in einer Bretterhütte (sbanty) darnieder, wo
überall der Wind durchbläst; dort muß einer sich freuen, wenn er in
einer Ecke eines Stalles ein Unterkommen findet. Neben seinem Bette,
nur durch eine Bretterwand getrennt, haben die Schweine ihr Lager;
außerdem sind noch zehn Pferde und eine Anzahl Kuhe seine nächsten
Nachbarn — alles unter einem Dach! Ist es da nicht ein Wunder
Gottes, wenn dieser Mann, der das Nervenfieber, ja, noch dazu einen
Rückfall hatte, wieder gesund geworden ist? Wenn so etwas in Illi⸗
nois oder Missouri vorkäme, da würde jedermann die Hände über dem
Kopf zusammenschlagen und ausrufen: Wie kann man aber auch einen
Kranken in einem Stalle liegen lassen? Warum bringt man ihn nicht
in einem Hause unter? So hätte auch ich vor einem Jahr gesprochen
und nicht gedacht, daß ich Wochen lang einen Kranken in einem Stalle
besuchen müßte. Aber hier lernt man das alles kennen. Es war kein
anderer, besserer Ort zu finden. Dieser Mann hat hier in America keine
Verwandte und hielt sich, da seine sbanty' vom Winde umgeweht
war, bei einer Familie auf, wo auch neun Familienglieder in einer
Stube wohnten. Daß man den Kranken da nicht lassen konnte, lag
auf der Hand, auch der Arzt wollte das nicht; so blieb weiter nichts
übrig, als ihn im Stall unterzubringen. — Gott gebe allezeit unsern
Missionaren in ihrem herrlichen Werke heiligen Muth! F. B.
Die deutsche Philadelphia⸗Canferenz, bestehend aus einer An⸗
zahl Pastoren der lutherischen Pennsylvania⸗Synode (General⸗Concil)
hielt im September eine Versammlung ab. Dabei wurde unter ande⸗
rem der Antrag gestellt, ein Committee von fünf Gliedern einzusetzen,
das einen Plan zur Gründung eines Lehrerseminars vorlegen soll.
Zwei der Glieder sollen Schulmänner sein. Die englische Partei im
General⸗Concil steht den Gemeindeschulen sehr gleichgultig gegenüber,
ja, bekämpft sie unter Umständen; die deutsche Partei hält etwas auf
Gemeindeschulen und sucht sie zu fördern, erkennt aber, daß zum Ge⸗
deihen der Gemeindeschulen kirchlich ausgebildete Lehrer nöthig sind.
Es ist uns aber sehr fraglich, ob es im General⸗Concil zur Errichtung
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