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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Dezember 1901, Seite 385
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule · Gemeindeſchule · Schulamt 12 · Schulamt 15 · Schulamt
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827
Zerausgegeben von der Deuischen Evangelisch⸗Lutherischen Zynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
— 4 9
Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.
57. Jahrgang.
No. 25.
St. Louis, Mo., den 10. December 1901.
Wilde Zweige am Baume unserer Gemeindeschulen.
2.
Die Lehrer an unsern Gemeindeschulen haben einen hohen,
verantwortungsvollen und schwierigen Beruf. Denn worin be⸗
steht doch ihre Aufgabe und ihr Beruf? Er besteht nicht nur
darin, daß sie die ihnen anvertrauten Kinder in gewissen Zweigen
des menschlichen Wissens unterrichten. Er besteht nicht nur darin,
daß sie den Kindern allerlei Kenntnisse, welche sie für dieses Leben
bedürfen, beibringen. Er besteht nicht nur darin, daß sie durch
ihren Unterricht die Kinder tüchtig und fähig machen, daß diese
ihren irdischen Beruf oder ihren Beruf als Bürger des Landes
ausüben können. Von unsern Gemeindeschullehrern wird mehr
gefordert. Außer im weltlichen Wissen sollen sie ihre Schul⸗
kinder vor allen Dingen im Worte Gottes unterrichten. Ihr
Unterricht im Worte Gottes soll aber ein erzieherischer sein.
Bei ihrem Unterricht sollen sie sich nicht nur an den Verstand
wenden, sondern sollen zugleich auf Herz und Gemüth der Kin⸗
der einwirken. Sie sollen ihre Kinder zu Christen erziehen. Sie
sollen sie in ihrem Christenthum befestigen, tiefer gründen, ihre
christliche Erkenntniß vermehren und ihren Glauben stärken. Mit
den Eltern zusammen sollen unsere Lehrer dahin arbeiten, daß
der alte Mensch mit seinen Lüsten und Begierden in den Kindern
immer mehr absterbe und dagegen der neue Mensch eine immer
herrlichere Gestalt gewinne. Mit den Eltern zusammen sollen
unsere Lehrer dahin arbeiten, daß das Wort Gottes den Kindern
recht lieb und köstlich werde, so daß sie auch in ihrem späteren
Leben stets auf dasselbe als auf ihren Leitstern schauen und achten.
Das ist die hohe Aufgabe, welche unsern Lehrern gestellt ist.
Diese hohe Aufgabe ist aber zugleich auch eine schwere. Von
Natur haben ja die Kinder keine Lust, das Wort Gottes zu lernen.
Wie oft fehlt es da nicht an der rechten Aufmerksamkeit beim
Unterricht im Katechismus oder in der biblischen Geschichte! Wie
leicht werden auch wegen der Unlust des alten Menschen geistliche
und göttliche Dinge wieder vergessen! Wie bäumt sich auch in
den getauften Christenkindern der alte Adam gegen christliche Zucht
und Ordnung auf! Wie zeigt sich auch bei ihnen die erbsündlich
verderbte Natur in allerlei Unarten, Versündigungen und Un⸗
gehorsam! Wie schwer ist also das Amt unserer Lehrer, welche
in ihrem Berufe täglich mit den Ausbrüchen des Fleisches und
mit der natürlichen Unlust zu Gottes Wort bei ihren Kindern zu
kämpfen haben! Eltern können es daher christlichen Lehrern, die
es sich zur Aufgabe gemacht haben, fremde Kinder für den Him⸗
mel zu erziehen, nicht genugsam danken. Schon Luther sagt an
einer Stelle (St. L. Ausg., X, 454): „Das sage ich kürzlich:
Einem fleißigen, frommen Schulmeister oder Magister, oder wer
es ist, der Knaben treulich zieht und lehret, dem kann man nimmer⸗
mehr genug lohnen und mit keinem Gelde bezahlen.“ Und ferner
spricht Luther: „Und ich, wenn ich vom Predigtamte und anderen
Sachen ablassen könnte oder müßte, so wollte ich kein Amt lieber
haben, denn Schulmeister oder Knabenlehrer sein. Denn ich weiß,
daß dies Werk nächst dem Predigtamte das allernützlichste, größte
und beste ist, und weiß dazu noch nicht, welches unter beiden das
beste ist. Denn es ist schwer, alte Hunde bändig und alte Schälle
fromm zu machen, daran doch das Predigtamt arbeitet und viel
umsonst arbeiten muß; aber die jungen Bäumlein kann man besser
biegen und ziehen, obgleich auch etliche darüber zerbrechen. Lieber,
laß es der höchsten Tugenden eine sein auf Erden, fremden Leu⸗
ten ihre Kinder treulich ziehen, welches gar wenige und schier nie⸗
mand thut an seinen eigenen.“ In dieser Weise streicht Luther
das Amt eines christlichen Lehrers heraus.
Leider wird nun dieses hohe und schwierige Amt von vielen
nur gering geachtet und wenig geschätzt, wie deshalb auch Luther
schon klagen muß: „Noch ist's bei uns so schändlich verachtet, als
sei es gar nichts, und wollen dennoch Christen sein.“ Die Gering⸗
schätzung des Lehreramtes offenbart sich jedoch auf gar mancherlei
Weise. Sie zeigt sich einmal dadurch, daß die Eltern der Schul⸗
kinder, anstatt mit dem Lehrer Hand in Hand zu arbeiten, ihm ent⸗
gegenarbeiten und ihm seine schwere Arbeit noch schwerer machen.
Dies Entgegenarbeiten geschieht besonders dadurch, daß die Eltern
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