Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 13 › Seite 199

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Juni 1904, Seite 199

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Konfirmation 7

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8Der „Tutheraner

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nke hat auch den Entschlafenen auf seinem Schmerzenslager
beschäftigt, aber er war getrost. „Gott braucht mich nicht“, sagte
er; „er wird einen andern finden, der an meine Stelle tritt und
r würdiger ist als ich.“
Aber wie wunderbar hat Gott auch seine Gnade in seinen
bten Lebensstunden an ihm geoffenbart! Die Augen⸗ und
renzeugen rühmen den Glaubensmuth, die Ruhe, die Geduld
d Gottergebenheit, welche Gott ihm verlieh und welche auch
guf die andersgläubigen Wärter einen solchen Eindruck machte,
aß sie für ihre Verwunderung nicht Worte genug fanden. Als
man ihm sagte, daß, soweit Menschen sehen könnten, keine Hoff⸗
ug des Lebens da sei, antwortete er: „Ich weiß es, habe es
Leic gewußt. Ich glaube fest, wenn es zu Gottes Ehre und zu
meinem und der Kirche Wohl ist, daß Gott mich wieder ganz ge⸗
sund macht; wenn ich aber in Gefahr stünde, etwa abzufallen, so
U es ja für mich viel besser, daß er mich zu sich nimmt, so schwer
es auch den Meinigen sein mag.“ Er hielt sich nicht für einen
Heiligen, sondern bekannte sich frei als einen armen Sünder, der
Iuun auf Gottes Gnade und Christi Verdienst sein Vertrauen
setze. Die Kernsprüche des Evangeliums waren sein Halt; sie
zu wiederholen wurde er nicht müde. Einmal rief er aus: „O du
treuer Gott, reich an Erbarmen, wer kann es verstehen, daß du
uns so hoch begnadigt hast, uns Sünder, uns verfluchte Crea⸗
turen zu Kindern anzunehmen. Dort droben, mein Heiland,
dort droben, wenn die Lippen verklärt sind, werden wir dich
Enrd dus dafür preisen. Hier können wir es nicht. O wie selig
wird das sein, wenn wir dich erst recht preisen können!“ Ein
anderes Mal sagte er zu den Umstehenden: „Betet, daß der liebe
Heiland bei mir bleibe.“ Als ihm versichert wurde: Der HErr
JEsus ist bei uns und bleibt bei uns bis ans Ende, rief er freudig
aus: „O wie herrlich, daß er bei uns bleibt. Ich bin doch Gottes
liebes Kind trotz Teufel, Welt und aller Sünd! Der Herr ist
mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Ob ich schon wanderte
im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir;
dein Stecken und Stab trösten mich.“ Dieser Glaube hob ihn
auch über die Sorge um die Seinen hinaus. Wohl gedachte er
mit Wehmuth seines fernen treuen Weibes und seiner Kinder,
aber er wußte sie nach seinem Abschied wohlgeborgen in der Für⸗
sorge des himmlischen Vaters. „Ich bin der Welt abgestorben“,
bekannte er, „und habe für dieses Leben keine Wünsche mehr.
Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir,
wo Gott abwischen wird alle Thränen von unsern Augen, und
der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid noch Geschrei noch
Schmerzen wird mehr sein.“
So war der Entschlafene ein rechter Heiliger des HErrn,
geheiligt durch das Blut IEsu Christi, an das er im Glauben
sich hielt, geheiligt durch den Heiligen Geist, der ihm das Evan⸗

gelium, welches er andern verkündigt hatte, im eigenen Herzen
als göttliche Wahrheit versiegelte. Die wunderlichen Führungen
Gottes bei seinen Heiligen sind gewißlich selige Führungen.
Daran zweifeln wir auch bei dem Entschlafenen nicht. Der HErr
wird auch der schwer geschlagenen Wittwe mit ihren acht vater⸗

assen. Er wird auch seine Kirche nicht verlassen noch versäumen
und ihr die nöthigen Arbeitskräfte schenken. Er schlägt nicht
bloß, sondern er heilt auch. Ihm sei die Ehre für alles!

losen Waisen diese wunderliche Führung zur Seligkeit dienen

Zur kirchlichen Chronik.

America.

Aus unserer Synode. Unser Heidenmissionar R. Freche
aus Vaniyambadi, Indien, der sich seit einem Jahre in Europa auf
Urlaub befand, nachdem er von 1891 bis 1903 im heißen Indien
unter den Tamulen gearbeitet hat, ist seit einigen Wochen zu Besuch
in unsern Kreisen. Er hat die drei Synodalversammlungen des Illi⸗
nois⸗, Minnesota⸗ und Dakota⸗ und des Michigan⸗Districts besucht
und wird nun noch einige Wochen hier und da verweilen, um Missions⸗
predigten und ⸗Vorträge zu halten. Im Juli gedenkt er wieder nach
Deutschland zu reisen und im Herbst wieder auf das Missionsfeld im
fernen Indien. — P. Teyler, bisher in unserer Inneren Mission in
Anamoose, N. Dak., und Umgegend thätig, ist mit seiner jungen Frau
und der Braut P. Winklers am 11. Juni von St. Louis abgefahren
und wollte mit ihnen am 16. Juni San Francisco verlassen, um nach
Neuseeland zu reisen. Er hat einen Beruf an die dortige lutherische
Gemeinde in Marton angenommen, die schon seit Jahr und Tag
verwaist ist, und P. Winkler steht bekanntlich in Waitotara in den
Diensten der neuseeländischen Inneren Mission. Gott behüte alle
diese Reisenden auf ihren Wegen und geleite sie glücklich an ihr Ziel.

L.:

„Für Synodalzwecke“ hat „Farmer H. S.“ dem Unterzeich⸗
neten 81000.00 überreichen lassen. Ein Theil der Summe soll zur
Unterstützung Studirender verwendet werden. Der Geber ist uns
persönlich unbekannt. Er hat uns auch weder seinen Namen noch
seinen Wohnort mittheilen lassen. Von dem Ueberbringer der Gabe
konnten wir nur so viel erfahren, daß der freundliche Geber ein hoch⸗
betagtes Glied einer unserer Gemeinden ist und seinen Dank für die
Gnade Gottes, die ihm in Christo IEsu widerfahren ist, noch vor
seinem Abscheiden durch eine besondere Gabe zum Ausdruck bringen
möchte. Wir bekennen uns hiermit zum Empfang der obengenannten
Summe und bitten Gott, daß er den Geber im Geistlichen und Leib⸗
lichen reichlich segnen wolle um IEsu Christi, unsers hochgelobten
Heilandes, willen. F. P.

Warum wir nicht einen Zoll gewichen sind. Der Lurneram
Observer beklagt es, daß wir — die Glieder der Synodalconferenz —
bei der „freien Conferenz“ in Detroit auch nicht einen Zoll gewichen
seien. So habe sich leider! im April des Jahres 1904 zu Detroit
die Geschichte des Colloquiums zu Marburg im October des Jahres
1529 wiederholt: es sei aus der Vereinigung nichts geworden. So
urtheilt und klagt der LutReran Observer von seinem „liberalen“
Standpunkt aus. Anders denken die Lutheraner, welche gewohnt
und geübt sind, kirchliche Dinge allein aus Gottes Wort zu beurtheilen.
Sie tadeln Luther nicht, daß er im October des Jahres 1529
Zwingli nicht wich, und ebensowenig werden sie uns tadeln, daß
wir im April dieses Jahres in Detroit gleicherweise „nicht um einen
Zoll“ gewichen sind. Wäre Luther zu Marburg gewichen, so hätte er
die klare Lehre der Schrift, daß das heilige Abendmahl das Sacrament
des Leibes und Blutes Christi ist, verleugnet und an seinem
Theile die Kirche der Reformation zu einer Secte gemacht. Wären
wir zu Detroit gewichen, so hätten wir die zwei Hauptwahrheiten der
Kirche der Reformation preisgegeben: 1. daß der Mensch aus Gnaden
selig wird, 2. daß allein Gottes Wort Artikel des Glaubens stellt.
Mit Weichen und Nachgeben hätten wir an unserm Theil dahin ge⸗
wirkt, daß die rechtgläubige americanisch⸗lutherische Kirche zu einer
Secte herabsinke. Wir sind dessen gewiß, daß die Gegner der Syno⸗
dalconferenz bei einer Prüfung nach Gottes Wort einen doppelten
Irrthum bei sich finden werden. Erstens den Irrthum, daß nicht
allein die Gnade Gottes in Christo, sondern etwas außer und

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