Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 13 › Seite 198

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Juni 1904, Seite 198

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Nr-WutferaNEN

als auch solche, die nach Europa reisen, viel besser und be⸗
quemer befördert werden können, als dies bisher der Fall war.
Werften von angemessener Größe und mit den neuesten Be⸗
quemlichkeiten versehen, sind gebaut worden, so daß die Ein⸗
wanderer unter einem und demselben Dache landen und die
Eisenbahnzüge besteigen, die sie nach allen Richtungen des Lan⸗
des weiter befördern.

Zum Schlusse seien noch einige statistische Angaben mitge⸗
theilt. Im Jahre 1903 landeten in Baltimore 69,273 Ein⸗
wanderer, 21,668 mehr als im Jahre 1902. Davon waren
aus Oesterreich-Ungarn 47,418; aus Rußland kamen 13,151,
aus Deutschland 5690, aus der europäischen Türkei 771. Im
Staate Maryland blieben 3249, darunter waren 872 Juden,
819 Deutsche, 817 Polen, 180 Böhmen, 152 Lithauer. 311 wur⸗
den während des letzten Jahres von der Emigrantenbehörde auf
Kosten der Schiffsgesellschaft wieder zurückgeschickt. Davon waren
184 solche, die voraussichtlich dem Staate zur Last gefallen wären,
53 mit ansteckenden Krankheiten Behaftete, 59 Contractarbeiter
und 14, die innerhalb eines Jahres die Einwanderungsgesetze
verletzt hatten.

Direct an mich gewiesen waren 300 Personen; außerdem
habe ich noch 165, die nicht an mich gewiesen waren, aber sich
lutherisch nannten, die Adressen unserer Pastoren gegeben. Oft
ist an dem Orte, wohin die Leute ziehen, kein Pastor unserer
Synode; dann gebe ich ihnen die Adresse des Pastors, der diesem
Orte am nächsten wohnt. Der Geldumsatz war 87604.96. An
Commission gingen ein 8332.92. Von Kassirer Schuricht in
St. Louis bekam ich 8253.11. Briefe erhielt ich 524, geschrieben
habe ich 512. Unter die Einwanderer wurden vertheilt 1000 Ka⸗
lender und 2000 andere Schriften, wie „Lutheraner“, „Missions⸗
Taube“, „Stadtmissionar“ und andere. In nächster Zeit wollen
wir auch „Rathschläge für Einwanderer“ in polnischer Sprache
drucken lassen.

Der treue Gott, der da haben will, daß wir uns auch der
Fremdlinge annehmen sollen, segne auch diese Arbeit zu seines
Namens Ehre und zum Heile vieler Seelen.

H. Stürken, Emigrantenmissionar,
1224 N. Eden St., Baltimore, Md.

+ P. Hugo Schwarzkopf. +

„Erkennet, daß der HErr seine Heiligen wun⸗
derlich führet.“ Dieses Psalmwort lag der Leichenpredigt
bei dem Begräbniß des verewigten P. Hugo Schwarzkopf zu
Grunde. Und es war gerade in diesem Fall sonderlich wohl an⸗
gebracht. Als Beispiel der wunderlichen, aber seligen Führung
Gottes bei seinen Heiligen sei einiges aus seinem Leben und Ab⸗
scheiden mitgetheilt.

Der Entschlafene war der Sohn eines wohlhabenden Archi⸗
tekten in der deutschen Reichshauptstadt Berlin, wo er am
14. Januar 1860 das Licht der Welt erblickte. In seinem vier⸗
ten Lebensjahr starb seine Mutter, und da der Vater in seinem
Beruf oft auf Reisen sein mußte, glaubte er für seine drei Kinder
am besten zu sorgen, wenn er sich wieder verheirathe. Aber auch
der Vater schied bald aus diesem Leben, und damit fing für den

kleinen Hugo ein rechtes Leben in der Fremde an. Eine Zeit⸗
lang war er bei gottseligen Pflegeeltern, dann aber in einer
Familie, in welcher man sein Beten verlachte. Da er später
Pastor werden wollte, besuchte er das Göymnasium. In seinem

sechzehnten Jahr machte ihm jedoch sein Vormund die Eröffnung,

daß er das Studiren aufgeben müsse, da seine Mittel aufgebraucht
seien. Das war für den lernbegierigen Jüngling ein schwerer
Schlag. Doch tröstete ihn sein Seelsorger, P. Krafft in Berlin,
und rieth ihm, das Apothekergeschäft zu erlernen, um dann
später in der ärztlichen Mission zu dienen. So bot er auch nach
vollendeter Lehrzeit seine Dienste einer englischen Missionsgesell⸗
schaft an, kam aber nicht, wie er gewünscht hatte, in ein Heiden⸗
land, sondern wurde in England selbst in der Arbeit der Inneren
Mission verwandt. Eine Zeitlang stand er auch einer Knaben⸗
abtheilung in dem bekannten „Rauhen Hause“ bei Hamburg,
einer Rettungsanstalt für Knaben, vor. Bei all dieser Arbeit
ging aber sein Sehnen immer darnach, in einem ordentlichen
Berufe der Kirche dienen zu können. Aber wie sollte er die dazu

nöthige Ausbildung erlangen? Da fügte es Gott, daß er durch

einen unserer Pastoren, der im Rauhen Hause zu Besuch war,
von unserm Predigerseminar in Springfield hörte. Alsbald reifte
der Entschluß in ihm, sich zum Eintritt in diese Anstalt zu melden.
Und Gott ließ es ihm gelingen, daß er nach zweijährigem Stu⸗
dium sein Examen machen konnte. Die Gemeinde in Danvers,
Ill., welche er während der Ferien und im letzten Studienjahre

aushülfsweise mit Predigen versorgt hatte, stellte ihm einen Beruf
zu, den er annahm und auf welchen hin er am 9. August 1885

ordinirt wurde. ů
So hatte der HErr ihn wunderlich geführt. Er rühmte
das auch gern und oft als eine unverdiente Gnade Gottes, daß

er ihn nach so mancherlei Irrfahrten zu der Kirche des reinen

Wortes und Sacramentes geführt und ihn gewürdigt habe, in
dieser das Amt zu führen, das die Versöhnung predigt.
siebenjähriger Arbeit in Danvers folgte er einem Ruf der Ge⸗

meinde in Willam Syrings, Ill., und hat zum Aufbau auch

dieser Gemeinde elf Jahre lang mit großem Eifer und unermüd⸗
lichem Fleiß gewirkt. Bei seinem Begräbniß zeigte es sich, mit
welcher Liebe und Verehrung beide Gemeinden an ihm gehangen
hatten.

recht wohl noch lange dienen können. Das war auch sein Wunsch.
Es war auch der Zweck der Reise, welche er Ende Juli des Jahres
1903 nach Mount Clemens. Mich., machte, zur Stärkung seiner
Nerven die dortigen Mineralbäder zu gebrauchen, um dann mit

Nach

neuen Kräften weiter zu arbeiten. Aber Gottes Gedanken waren

andere. Als er am 4. August sich auf die Heimreise begeben
wollte, erlitt er durch einen Sturz vom Straßenbahnwagen so

schwere innerliche Verletzungen, daß er Tags darauf seinen Geist

aufgab. Wer hätte es geahnt, als er zehn Tage zuvor von seiner
Familie und Gemeinde Abschied nahm, daß derselbe Eisenbahn⸗
zug, auf dem er neugestärkt bei ihnen wieder einzutreffen gedachte,
ihnen nur seine sterbliche Hülle bringen würde.

und die Bitte um Arbeiter in der Ernte aus so vieler Christen Herz

und Mund emporsteigt, ist es um so unbegreiflicher, wenn Gott

einen Arbeiter in der Mitte seiner Jahre aus der Arbeit heraus⸗
ruft und so in die Schaar der Arbeiter eine Lücke reißt.

Nach Menschengedanken hätte der Entschlafene der

Ja, Gottes
Wege sind wunderlich. Jetzt, wo die Noth der Kirche so groß ist

Dieser

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