Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 1 › Seite 2
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. Januar 1905, Seite 2
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Miſſion 26 · Rechtfertigung 12 · Geſang · Synode 5
Vorwort.
Der „Lutheraner“ beginnt mit der heutigen Nummer seinen
einundsechzigsten Jahrgang. Als er zum ersten Male erschien,
am 7. September 1844, standen unter dem Titel „Der Luthera⸗
ner“ und dem Motto: „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet
nun und nimmermehr“ noch die Worte: „Herausgegeben von
C. F. W. Walther.“ Doch nur drei Jahre war er ein Privat⸗
blatt. Als im Frühling des Jahres 1847 unsere Synode zu
Chicago gegründet worden war, bot ihr der selige Professor Wal⸗
ther den „Lutheraner“ als Organ an. „Dieses gütige Anerbie⸗
ten“, heißt es in dem ersten Synodalbericht, „wurde mit Dank
angenommen.“
herige Herausgeber fernerhin Redacteur dieses Blattes bleibe;
daß das völlige Eigenthumsrecht desselben mit dem Beginn des
vierten Jahrgangs an die Synode übergehe und daß auf dem
Titel der Zusatz gemacht werde: „Herausgegeben von der deut⸗
schen Ev.⸗Luth. Synode von Missouri, Ohio und anderen Staa⸗
ten, redigirt von C. F. W. Walther.““ Diese Beschlüsse wur⸗
den dann auch ausgeführt. Seit dem 8. September 1847 ist der
„Lutheraner“ das Organ unserer Synode und hat als solches die
Zwecke und Ziele der Synode zu den seinigen gemacht und es
übernommen, sie bei seinen Lesern zu vertreten.
Ueber 57 Jahre hat er nun seines Berufes als Synodal⸗
organ gewartet und hat alle zwei Wochen seinen Weg angetreten
in die Christenhäuser unserer Synode. Er ist mit dem Wachs⸗
thum der Synode in diesen Jahren größer geworden und hat
immer weitere Verbreitung gefunden. Es sind wohl nur noch
wenige am Leben, die ihn diese ganze lange Zeit hindurch gehalten
und gelesen haben. Die große Zahl seiner Leser gehört dem zwei⸗
ten und dritten Geschlecht unserer Synode an. Aber wenn wir
Jüngeren die älteren und alten Jahrgänge des Blattes ansehen
und lesen, so finden wir in jedem Jahrgang Beweis genug, daß
der „Lutheraner“ seiner Aufgabe als Synodalorgan treu geblie⸗
ben ist und sie recht ausgerichtet hat zu Nutz und Heil seiner vielen
Leser und zur Förderung unserer Synode und der ganzen Kirche.
Unsere Synode hat ja hauptsächlich einen doppelten Zweck,
wie er gleich bei ihrer Gründung ausgesprochen und dann in
ihre Constitution aufgenommen worden ist. Der eine Haupt⸗
zweck ist die „Erhaltung und Förderung der Einheit
des reinen Bekenntnisses“. Diesen Zweck hat auch der
„Lutheraner“ auf seine Fahne geschrieben. Als er zum ersten
Male als Synodalorgan erschien, sagte der selige D. Walther im
Vorwort: „Weit entfernt, daß dadurch, daß der „Lutheraner“ von
nun an als Organ der lutherischen Synode von Missouri, Ohio
und anderen Staaten erscheint, in dem bisher geführten Bekennt⸗
nisse desselben eine Veränderung eintreten sollte, so übernimmt
es dieselbe vielmehr von nun an als eine heilige Pflicht, darüber
zu wachen, daß in diesem ihrem Blatte auch in Zukunft keine
andere Lehre vorgetragen und durch dasselbe verbreitet und ver⸗
theidigt werde, als die reine und lautere Lehre des Wortes Got⸗
tes, wie dieselbe in den kirchlichen Bekenntnißschriften klar dar⸗
gelegt ist.“ Und wie unsere Synode in diesen langen Jahren sich
ihr Ziel nicht hat verrücken lassen, sondern immer darauf bedacht
gewesen ist, die Lehre des lutherischen Bekenntnisses zu erhalten
und ihre Ausbreitung zu fördern, so auch ihr Organ, der „Luthe⸗
raner“. Das weisen seine 57 Jahrgänge genugsam aus.
Zugleich „beschloß die Synode, daß der bis⸗
Diesem Ziele will der „Lutheraner“ auch im neuen Jahre
getreu bleiben und noch so viele Jahre, als es dem HErrn der
Kirche gefällt, ihn in seinem Dienste zu behalten. Er will sein
altes Motto nicht bloß auf dem Titel führen, sondern auf jeder
Seite jeder Nummer bekennen: „Gottes Wort und darum
auch Luthers Lehr', weil nämlich Luthers Lehre nicht Menschen⸗
wort, sondern das Wort Gottes enthält, vergehet nun und
nimmermehr.“ Insonderheit will er nach wie vor die beiden
Hauptartikel der biblisch⸗lutherischen Wahrheit, die gerade in
unserer Zeit besonders angefochten sind, treu bekennen, rein und
lauter lehren und nachdrücklich vertheidigen: einmal die Lehre,
daß allein Gottes unfehlbares, irrthumsloses Wort Quelle, Regel
und Richtschnur des rechten Glaubens und christlichen Lebens ist,
und zum andern die Wahrheit, daß wir allein aus Gnaden, um
Christi willen, durch den Glauben selig werden.
Der andere Hauptzweck unserer Synode, wie er gleich von
Anfang an aufgestellt und in ihrer Constitution niedergelegt
wurde, ist die „vereinte Ausbreitung des Reiches
Gottes und Ermöglich ung und Förderung beson⸗
derer kirchlicher Zwecke“. Als solche besonderen kirchlichen
Zwecke werden genannt: „Seminar, Missionsarbeiten innerhall
und außerhalb der Kirche“ und dergleichen mehr. Als Synodal⸗
organ hat nun auch der „Lutheraner“ die Förderung solcher kirch⸗
lichen Werke sich zum Ziel gesetzt. Und wie unsere Synode in
dieser Hinsicht nicht müde geworden ist, sondern es stets als eine
Gnade von Gott angesehen hat, wenn sie ihr Missionswerk weiter
ausdehnen und neue Lehranstalten im Interesse der Kirche grün⸗
den und pflegen durfte; wie sich zu unserm ersten Predigerseminat
im Laufe der Jahre andere Seminare und Vorbereitungsanstal⸗
ten gesellt haben, so daß wir jetzt neun höhere Lehranstalten zur
Ausbildung künftiger Prediger und Lehrer haben; wie die Mis:
sionsarbeit unserer Synode nicht nur in unserm eigenen Lande sich
wunderbar ausgebreitet und verzweigt, sondern auch in anderr
Erdtheilen ihren Anfang genommen hat: so hat auch der „Luthe⸗
raner“ in diesen langen Jahren das Seine dazu beigetragen, ha
sich bemüht, von dem Wachsthum und Gedeihen dieser Werke zi
berichten und das Interesse daran in immer weiteren Kreisen zi
wecken und zu mehren.
Für die Ausbreitung des Reiches Gottes zu wirken und des
halb die dazu dienenden Werke zu fördern, das wird der „Luthe
raner“ sich auch im kommenden Jahre und in der weiteren Zu
kunft angelegen sein lassen und wird dafür thätig sein, „solang
es Tag ist“. Er wird seine Leser immer wieder daran erinnern
daß die Predigt des Evangeliums in der Welt die Hauptaufgab
der Kirche ist, und wird darum womöglich in jeder Nummer Mit
theilungen bringen vom großen Missionsfelde des HErrn. Unt
weil das Evangelium nur dann gepredigt, die christliche Kirch
nur dann ausgebreitet und die Mission nur dann betrieben wer
den kann, wenn fort und fort Prediger und Missionare ausge
bildet werden, so wird er fortfahren, seinen Lesern immer aug
ganz besonders die Pflege unserer kirchlichen Lehranstalten an
Herz zu legen, und ihnen nachweisen, daß, so herrliche Werk
auch die Errichtung von allerlei Wohlthätigkeitsanstalten, vot
Waisenhäusern, Hospitälern und Altenheimen, ist, doch darübe
nicht die eigentlichen Pflanzstätten der Kirche, die niederen un
höheren Schulen, zurückgesetzt werden dürfen, sondern vielmeh
allezeit im Vordergrund stehen müssen.
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