Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 15 › Seite 229

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Juli 1905, Seite 229

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„Durheraner

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IH—

+ P. Jakob Diehl. +

Dem HErrn über Leben und Tod hat es nach seinem uner⸗

forschlichen Rath gefallen, weiland P. Jakob Diehl durch einen

seligen Tod aus der streitenden Kirche hienieden in die trium⸗
phirende Kirche droben im Himmel zu versetzen.

Als der Entschlafene am Sonntag, den 19. Februar dieses
Jahres, Abends aus seiner Filiale heimgekehrt war, seine ge⸗
wohnte Sonntagsarbeit beendet hatte und sich soeben mit seiner
Familie zum Abendbrod zu Tische setzen wollte, wurde er plötzlich
von einem Gehirnschlag befallen. Nachdem er zwei Stunden

lang völlig besinnungslos dagelegen hatte, kam er wieder zu sich,
und unter der Pflege eines herbeigerufenen Arztes erholte er sich
nach einigen Tagen so weit, daß er wieder aufstehen, Spazier⸗
gänge machen, essen und trinken und sich unterhalten konnte wie
sonst, so daß man hoffen durfte, der liebe Gott werde ihm seine
vorige Gesundheit wieder schenken. Diese Hoffnung sollte jedoch
nicht erfüllt werden. Ein etwa vierzehn Tage später wieder⸗
kehrender Anfall ließ bald erkennen, daß seine Erdentage gezählt

seien. Unter fast beständigen heftigen Kopfschmerzen und bei
völliger Appetitlosigkeit sanken seine Kräfte von Tag zu Tag zu⸗
sehends und schnell dahin, bis er am 23. März, völlig erschöpft,
ausgelitten hatte und seine Seele aushauchte. Es war gegen
10 Uhr Abends. Sein Jammer, Trübsal und Elend war kommen
zu einem seligen End. Die heiligen Engel empfingen seine gläu⸗
bige Seele und trugen sie in Abrahams Schooß. Er starb im
Alter von 60 Jahren, 2 Monaten und 23 Tagen.

Da der Entschlafene in der ganzen Gegend bekannt und ge⸗
achtet war, so hatte sich zu seinem Begräbniß, das am 28. März
stattfand, eine große Menschenmenge eingefunden, ihm das Ge⸗
leite zu seiner letzten Ruhestätte zu geben. Die Leichenfeier im
Hause wurde mit Abfingen des Liedes: „Christus, der ist mein
Leben“ eröffnet, worauf P. C. Ebert einen Schriftabschnitt aus
dem 8. Capitel des Römerbriefes verlas und ein herzliches Gebet
sprach. In der Kirche hielt ihm der Unterzeichnete die Leichen⸗
rede über Matth. 25, 21.: „Ei, du frommer und getreuer Knecht;

du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen;
gehe ein zu deines HErrn Freude.“ Am Grabe amtirte P. Mun⸗
dinger. Dabei widmete er dem Entschlafenen noch einen kurzen
Nachruf auf Grund des Schriftwortes Phil. 1, 22.: „Ich habe
Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein“, womit der Heim⸗
gegangene seine Sehnsucht nach der himmlischen Heimath auf
seinem Krankenlager des öftern ausgesprochen hatte. Der ent⸗
seelte Leichnam wurde von sechs Amtsbrüdern zu Grabe getragen
und auf dem Gottesacker der Gemeinde zu Montpelier bei Ellis⸗
ville beigesetzt. Da ruht er nun in seinem Kämmerlein und
wartet der fröhlichen Auferstehung zum ewigen Leben.

P. J. Diehl war geboren am 1. Januar 1845 im Groß⸗
herzogthum Hessen⸗Darmstadt. Seine theologische Ausbildung
genoß er theils drüben in der alten Heimath, theils, und zwar
vorwiegend, auf dem Predigerseminar zu St. Louis, Mo. Nach
bestandenem Examen im Jahre 1874 folgte er zunächst einem
Berufe nach Town Graut. Shawano Co., Wis., woselbst er
dreizehn Jahre mit viel Treue und unter mancherlei Beschwer⸗
den an mehreren Gemeinden im Segen arbeitete. Im Jahre
1888 nahm er dann einen Beruf der Gemeinden zu Montpelier
und Luxemburg, Kewaunee Co., Wis., an, denen er siebzehn

N.4

Jahre lang bis zum Tage seiner schweren Erkrankung mit Eifer
und Treue gedient hat.

Den trauernden Hinterbliebenen des Entschlafenen, der
Wittwe nebst sechs erwachsenen Kindern, möge der treue Gott
nach seiner Verheißung der rechte Tröster, Vater und Be⸗
rather sein. W. Bergholz.

Zur kirchlichen Chronik.

Ameriea.

Die Conferenz der Professoren an unsern höheren Lehr⸗
anstalten, die sich alle zwei Jahre versammelt und dieses Jahr tagen
sollte, hielt während der Synodalversammlung in Detroit drei Abend⸗
sitzungen ab. Durch diese Einrichtung wurde allen Lehrern an
unsern höheren Schulen Gelegenheit gegeben, wieder einmal einer
Delegatensynode beizuwohnen, auf denen ja unsere Lehranstalten ein
Hauptgegenstand der Verhandlungen sind. Andererseits schien es un⸗
thunlich, nach der Synode noch eine besondere Versammlung abzu⸗
halten. In diesen Conferenzsitzungen wurden besonders Gegenstände
erörtert, die sich auf die Förderung des Unterrichts in unsern Lehr⸗
anstalten beziehen, und namentlich wurde ein Plan vereinbart, der
auf größere Einheitlichkeit des Unterrichts in den verschiedenen An⸗
stalten abzielt. Wenn dieser Plan vollständig ausgearbeitet ist, soll
er der Synode zur Begutachtung und Annahme vorgelegt werden.
Gewiß ist dieser Gegenstand von nicht zu unterschätzender Bedeutung
bei der gegenwärtigen Ausgestaltung und Erweiterung unsers Anstalts⸗
wesens und wird darum seinerzeit auch der Kirche die rechten Früchte
bringen. L. F.

Wie steht es mit der Tilgung unserer Baukassenschuld?
wurde vor der Synode und auf der Synode gefragt. Denen, die
nicht auf der Synode zugegen waren, kann mitgetheilt werden, daß
schon, ehe die Versammlung tagte, 850,000 in Sicht waren, entweder
schon einbezahlt oder doch unterschrieben. Die an den 870,000 noch
fehlenden 820,000 werden sicher zusammenkommen, wenn überall so
fortgefahren wird, wie anderwärts begonnen worden ist. Dazu er⸗
munterten sich in einer besonderen Pastoralconferenz alle anwesenden
Prediger unserer Synode. Nach den bei uns eingegangenen Berichten
braucht wirklich die Sache unsern Christen nur vorgelegt, braucht ihnen
nur, etwa von der Kanzel, mitgetheilt zu werden, was anderwärts ge⸗
schieht, um sie durch solche Exempel nach biblischem Vorbild zu reizen,
2 Cor. 9, 2. Aus einer ganzen Anzahl eingelaufener Briefe sei nur
noch ein einziger mitgetheilt, der aus dem fernen Oklahoma kommt,
also aus einem Theile unserer Synode, der aus lauter neuen Ge⸗
meinden besteht und zum größten Theil noch Missionsgebiet ist. Es
heißt in dem Briefe: „Nur kurz die Mittheilung, daß es auch hier in
Oklahoma angefangen hat zu rumoren bezüglich der Synodalschulden.
Meine Gemeinde hat mich getrieben, für dieselben zu col⸗
lectiren, und da es nun einmal nicht anders sein konnte, habe ich
mich auch gern treiben lassen. Innerhalb vierzehn Tage auf einer
Collectenreise habe ich auch jedes einzelne Gemeindeglied aufgefordert,
etwas beizutragen. Die Sache ging besser, als ich dachte; es be⸗
durfte oft nur eines Hinweises auf den Zweck meines Kommens, und
ein oder zwei Dollars oder auch mehr flossen in die Kasse. Offen ge⸗
standen, ich hatte etwas Angst vor dem Collectiren, denn die Ge⸗
meinde hier ist, wie man sich wohl denken kann, noch jung, gehört
auch nicht zu den großen Gemeinden unserer Synode, ja gehört
noch gar nicht zur Synode; dazu hatten wir erst im vergange⸗
nen Jahre einen Kirchbau, ein Lehrer wurde berufen, der besonders
besoldet werden muß, auch waren noch viele andere Ausgaben; und

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